Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1882)
- Date
- 1882-04-11
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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; 239 Noch an meine Kinder hefte. Gold erfleht sich Dieser, ein Andrer ein Feld Ohne, Grenzen; doch ich möcht' unter der Mitbürger Lob Decken die Glieder mit Erde, Weil ich Rühmenswerthes rühme, Tadel auf den Frevel streue." . Die echte Weisheit besteht unsrem Dichter in jenem Maßhalten, das wir ihn oben schon rühmen hörten. Dem Weisen, sagt er, ist es Genuß, reichen Stoff in engen Rahmen zu fassen; ihm gelingt es, den rechten Moment zu treffen, der „jegliches Werk gipfelt" (Pyth. 8, 77.). Aber am nothwendigsten ist die Vorsicht, denn „die Vewirrung der Sinne hat auch Weise schon berückt" (Ol. 7, Ant. 2.). Deshalb singt er (ebendaselbst Str. 3.): „Achtung vor rächender Vorsicht Leiht den Menschen Tugend und frohes Gelingen; Doch es steigt oft unbemerkt Auch ein Gewölk der Vergessenheit auf Und rückt des Handelns richtigen Pfad Dem Geiste fern." Pindar feiert deshalb nicht selten den „Städte beglücken-. den Frieden", und rühmt den Bürger, der sein Volk „sanft hinleitet zu der beglückenden Eintracht." Er rühmt es, „in sanfter Weise zu handeln und so zu dulden auch", und verkündet Unheil dem, „der unversöhnlichen Hader im Herzen hegt", wie denn auch „frevelnder Uebermuth .tief in den Abgrund stürzt" (Pyth. 8/6.). Er sagt: „Denn den Bau des Staats erschüttern ist auch den Schwächeren leicht; Aber auf festen Grund ihn wieder setzen alsbald, ist ja ein schwieriges Werk." (Pyth. 4, 271.) Dem Säuger ist desalb jede gesetzlich geordnete Berfassung recht: In jeder Verfassung steht voran der gradzüngige Mann: Da, wo ein Herrscher allein, oder des, Volkes Ungestüm, Wie dort wo die Weisen des Staates walten." (Pyth. 2, 86.) Er rühmt die Könige, die, so hoch auch Ändere stehen mögen, sich doch auf dem höchsten Gipfel befinden (Ol. 1, Ep. 4.). — Es ist ein vielbewegtes Leben, in welches uns die Pindarische Muse hineinblicken läßt. Ihr Mund öffnet sich gar oft zu der alten Klage über die Vergänglichkeit des Lebens, den Wechsel des Glückes , die Veränderlichkeit dessen, was unser Herz bewegt, aber auch zur Tröstung und zu guten Rathschlägen. Wir können uns nicht versagen^ einige der vortrefflichsten Sentenzen hierherzustelleu: „Ach, dem Sterblichen enthüllt Nimmer sich des Todes. Ziel, Noch ist uns kund, wann mit Ruh Wir das Sonnenkind, den Tag In ungetrübtem Genuß des Glückes endigen. Es rollt Well' an 'Welle Bald Wonne, bald Leiden wechselnd Auf die Menschen herein." (Ol. 2, Ant. 2.) Besonders ist es der Wechsel von Leid und Freud, den er dem Verzagenden vorführt. „Glückliches Loos unter Menschen, wenn es erscheint, es erscheint Nicht ohne Bemühn; doch gelingen läßt's vielleicht auch heute schon Ein Gott. Dem Verhängten entflieht man freilich nicht; doch kommt die Zeit, Welche, wenn einen sie auch in Noth gestürzt, Unverhofft schon Eines bringt, noch Andres aufspart." (Pyth. 12, 27.) Vergeht doch das menschliche Leben in Hoffnung und Täuschung: „Der Sterblichen Hoffnung Hebt sich bald empor, bald sinkt sie Tiefer hinab, durchschneidend die Wellen eitler Täuschungen. Sichres Merkmal künftigen Lebensgeschicks Hat noch niemals Einer des Erdengeschlechts empfangen von Gott. Für die Zukunft ist die Klugheit selber blind. Manches schon fiel Menschen wider Erwarten aus Widerspiel der Freude; doch wer in des Jammers Wogenschlag aufstieß, der ha.t auch Wieder mit gründlichen! Heil vertauscht sein Leid in kurzer Zeit." (Ol. 12, Ant.) Was er hiergegen empfiehlt, ist: jedes Ding fest „in der Gegenwart zu schauen", sich die Freiheit zu bewahren und frohe Hoffnung zu pflegen (Jsthm. 7, 10.). Ihm ist daher auch der Frohsinn „der beste Arzt bestandener Kampfesmühen" (Nem. 4, .1.). Dauerhaftigkeit des Glückes kann nur durch Bescheidenheit, durch Bekämpfung jedes Uebermuthserreicht werden und wird zumeist nur im „mittleren Stande im Staate" gefunden. Der Weise strebt nur nach dem Schönen, nach Berhältniß seines Lebensalters (Pyth. 11,50, Jsthm. 3, 1.). Wovon Pindar sehr oft spricht, das ist der Neid und die Scheelsucht , die auch am edelsten zu nagen trachten; sind es doch oft feindselige Pläne, die per Neid ins Geheim entwirft. Aber Niemand lasse sich schrecken von ihm, denn das Große und Wahrhafte dringt durch und der Neidische allein trägt den Schaden davon. Pindar spricht schon den Satz aus „Neid ist besser als Mitleid" (z. B. Pyth. 11, 28.). Es ist aus dem Leben gegriffen, wenn er ^(Nem. 8, 32.) sagt: 15*