Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1882)
- Date
- 1882-04-11
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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' '238 ■ - 1 - Wünsche dir kein ewiges Leben, mein Herz, Nur an ausführbares Werk setz' ein die Kraft." - (Pylh. 3, 59.) Und so fleht er auch: „Dich, Phöbos, bitt' ich, laß' mit will'gem Sinn Auf ein bescheidenes Maß mich sehen!" Endlich: „Der Hoffahrt Wagen besteigen wir, Thaten erstrebend in Unzahl. Sind ja gefesselt von kecker Hoffnung die Glieder; der Vorsicht Strömungen liegen fern. Doch ein Maß muß man erspähn auch im Gewinn; Heftiger strebt nur der Wahnsinn unerreichbaren Wünschen nach." (Nem. 11, 44. Vgl. Jsthm. 5, 67.) Welche Tugenden sind es nyn, die Pindar für preiswürdig erachtet und die das Glück des Menschen begründen und festhalten? Die Schönheit, die Kraft des Siegers, der Reichthum, der Ruhm, die Weisheit, die Gastfreundschaft, die Sanftmuth, die Friedensliebe. Dies sind die Züge, aus denen er sich das Bild seines beglückten und beglückenden Menschen zusammenstellt, die Eigenschaften, welche das Ideal des Menschen, das ihm vorschwebt, bilden. Darum preist er an seinen Siegern vor Allem die Schönheit (Ol. 8. Ep. 1.), die mit der That selbst wetteifert (Ol. 9, Str. 4.); er rühmt den Sieger, „da er schön an Gestalt, von Blüthe der Jugend umwoben" (Ol. 11, Ep. 5.). Zusammenfaffend, singt er: „Glücklich preis' ich den Mann Um die staun enswerthe Gestalt und den unerschrockenen Geist. Doch, wer mit Schätzen begabt an Schönheit Anderen voransteht Und in den Kämpfen gekrönt als Sieger die Kraft hat bewährt, Sei eingedenk, daß sterbliche Glieder er einhüllt. Und zu End' aller Ding' in Erde sich kleiden wird." (Nem. 11, 11.) Also Schönheit, Kraft und Reichthum preisend, erachtet er den Besitzer dieser Güter Jo. glücklich, daß er ihn an seine Sterblichkeit zu erinnern sich gedrungen fühlt. Von ihm, der in seinen Liedern mit so üppigen und schimmernden Kränzen das Haupt der Sieger in den Kampfspielen schmückte, wird, es nicht verwundern, wenn er begeistert ausruft: „Fern hin wirft der Ruhm Seine Strahlen von den hohen olympischen Kampfspielen, Wo in der . Bahn die Schnelligkeit der Füße ringt Und muthvoller Kampf reifer Kraft. Wer obsiegt, erfreut sich sein Leben lang Der wonnevollsten Tagesheiterkeit, 7 Des Kampfpreises Genuß. Die stets Sich erneuende Zierde Gilt als höchstes Glück * Jeglichem Sterblichen." (Ol. 1, Str. 4. So ähnlich Jsthm. 1, 49.)! Doch der Sänger sonnt sich so oft in den wohlthuenden Strahlen gut und freigebig angewandten Reich Ihn ms, daß er diesen hochzuhalten nicht umhin kann. Er nennt ihn „dauernden Segen." (Pyth. 1, 47.). „Wer der Segensfülle Garten wässert, ' Mit Gütern reichlich begabt und Ruhm hinzugesellend, Der strebe nicht vermessen ein Gott zu werden." (Ol. 5, Ep. 3.) Denn der Reichthum „erhebt die Männer" „Denn wo zu reichem Besitz er Herrlichen Ruhm noch davontrug, Darf nach höherem Ziele nicht mehr Setzen noch weiter hinaus Seinen Fuß der Sterbliche.? (Nem. 9, 46.) Jndeß der Reichthum, um wirklich ein hohes Gut zu sein, muß sich mit der Weisheit vereinigen (Pyth. 2, 55.), und vor Allem mit der Tugend. Pindar sagt: „Weitreichend ist des Reichthums Macht, Wenn ihn mit lauterer Tugend vermählt, - Ein sterblicher Mann aus des Geschickes Hand sich 'zugesellt Als freundreichen Gefährten." (Pyth. 5, 1.) Doch Pindar kennt die Gefahren wohl, welche die Habgier mit sich bringt, daß sie „dem Rechte den erschlichenen Gewinn vorziehen lasse, ob auch bittere Folgen sich daran schließen und der Zukunft Heil nur durch die Zügelung der Begierden gewoben wird." (Pyth. 4, 140.) Er hält deshalb „nur den Gewinn werth, den man mit des Gebers Willen trägt davon" (Pyth. 8, 14.), also auch der im redlichen Verkehr gewonnen wird. „Die Gewinnsucht dagegen berückt heimlich selbst die Ehrliebe" (Nem. 9, 37.) Glaubt man sich doch in die heutigen Tage versetzt, wenn er im 8. Pythischen Siegesgesang ausspricht: „Zwar wer sich Güter erworben mit nicht langwieriger Müh', Dünkt unter Thoren Manchem klug genug, Sein Glück zu waffnen mit richtiger Rathschläge Kunst." Und doch ist es nur das Geschick, „welHes den, Einen hoch emporhebt, den Anderen herabdrückt auf niedriges Maß." — Als den glücklichsten Erfolg eines mühevollen und edel durchdrungenen Lebens erkennt der Sänger den Nachruhm an. Er singt (Jsthm. 5, 10): „Denn wenn ein Mann, mit Freuden die Kosten und Müh'n Opfernd, um die gottgeschaff'nen Tugenden wirbt Und die Schicksalsmacht ihm pflanzen - Hilft den ersehnten Rühm; an der äußersten Mark des Glückes Wirft, ein Götterliebling, er Anker bereits." ' Rührend ist es, was er (Nem. 8, 35.) für sich selbst erfleht: „Des Lebens gerade Wege möcht' ich wandeln, damit, wann ich sterb', ich nicht den beschimpften Ruf