Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1882)
- Date
- 1882-04-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitung des Indenthums. Ein mparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. S2) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandluug. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einznsenden. 46. Jahrgang. Leipzig, den 11. April 1882. No. 15. InbaU. Leitende Artikel: Pindar und David. Eine vergleichende Skizze. (Fortsetzung.) — Russische Briefe. . III. — Kundgebung in Holland. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Neustettin, Frankfurt a. M., Iserlohn, Breslau, Köln. — Oesterreich- Ungarn: Wien. — Belgien: Antwerpen. — Rußland: Petersburg, Moskau. — Amerika: New-Iork, Paris.. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Juden iin Mittelalter. X-ctic-H^e Cttl'ißef. Bonn, 6. April. - ' . Kindar-nnd^Davi-. . . .. . Eine vergleichende Skizze. (Fortsetzung.) III. Das sittliche Moment. Wenn 'der hellenische Volksgeist sich uns so in seinem religiösen Gehalte nur halb entwickelt zeigt , auf der einen Seite voll. Innigkeit-und Zartheit, auf der anderen in den grobsinnlichsten Vorstellungen von der Gottheit: so eröffnet sich uns eine erhebendere Aussicht in das sittliche Gebiet. Auch hier ist-es Pindar, der uns die Ausprägung des sittlichen'Geistesin der griechischen Volksseele am hellsten und einfachsten beleuchtet, mehr als die philosophischen Systeme der Ethik in der nachpindarischen Zeit. Allerdings dürfen wir an die sittlichen, Ideen', welche Pindar zum Ausdruck bringt, nicht den Maßstab des hohen Idealismus legen, den die israelitische und nach ihr die christliche Moral' in die Welt gebracht. Den Hellenen fehlte hierzu der Begriff.. der sittlichen Vollkommenheit in Gott, das dreimal Heilig, ' des Jesajas, denk' das mosaische. Grundgebot voranging: Ahr -sollt Euch heiligendenn der Ewige, Euer Gott, ist.heiligt Vielmehr betrachtet Pindar die. Erscheinungen des wirklichen Lebens in ihrer vollen Geltung, einer. Geltung, die sie noch heute trotz der fast viertansendjahrigen israelitischen und fast zweitausendjährigen christlichen Moral im Leben der Menschen j besitzen, und sucht diesen Erscheinungen sittlichen Werth, sittlichen Charakter und sittliche Zwecke einzusenken; er schätzt!die Güter dieser Welt, jedoch nur um sie mit sittlichen Triebfedern zu verschmelzen und sie innerhalb sittlicher Grenzen einzuschränken. Er erhebt sich nicht zu dem idealen Sternenhimmel, um von da. aus die^Höhenzüge und die Niederungen, des menschlichen Wesens und Thuns zu betrachten, aber er erhebt sich zur vollen sittlichen Würdigung dessen, was im Leben vor sich geht und was die Menschen treiben, was sie lieben und was sie fliehen. Darum, als Horaz das Lob Pindars singt (Carm. IV., 2.), sagt er: et vires ammumque moresque Aureos educit in astra. . Dies wird uns sprecht erkennbar, wenn wir die Kernsprüche Pindars,. die er durch seine Siegesgesänge hingestreut, wie' zahllose Blumen auf grünen Teppich, übersichtlich. zusammenfassen, nicht schulgemäß, sondern je nachdem Pindar selbst durch , häufigeren Ausdruck den Rang angewiesen. Das eigentliche Fundament'oder der. Kern aller Sittlichkeit findet Pindar .im Maßhalten in Allem, in der Selbstbeschränkung — wie er in Öl. 13, Str. 3. sagt: „Es geziemt sich in Allem. Ein Maß. Deß achten . Ist weise. Beschränkung." Darum empfiehlt er: „Immer schaue in Allem auf sein, eigenes Maß der Mensch!" (Pyth. 2, 34.)' Ferner: . „ Menschen Geziemendes nur, dckrf der Sterbliche Von der Gottheit sich, erstehn, .Was ihm Vor Augen, erkennend das Maß des Daseins.