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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 229

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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meinde-Vertreter zu einem sogenannten „Rabbinertag" nach Lemberg einberufen, zum Zwecke der Entwerfung eines Statuts, das in zahlreichen Paragraphen auf die totale Ausstoßung der Fortschritts-Israeliten aus ihrer Mitte resp. aus der Judengemeinde losgehen soll. Dem Rufe der „Heiligen" zufolge strömten nun vergangene Woche mehr als zweihundert Rabbiner, deren Anhängerschaft und nach Hunderten zählende Gemeinde-Vertreter aus fast allen Winkeln Galiziens und Bukowina^- die insgesammt die Zahl 1000 weit uberstiegen, nach der galizifchen Hauptstadt, um an dieser so wichtigen und unentbehrlichen Rabbiner-Versammlungen theilzunehmen und zu Ungunsten der galizifchen „Apikorsim^M auch an ihren Willensmeinungen nicht fehlen zu lassen. : " Die Versammlung war für den 15. d. M. festgestellt, und sollte nun auch an diesem Tage die endgiltige Beschlußfassung zur Ausführung gelangen. In Folge vieler Unordnungen und Uneinigkeiten, die inzwischen unter den Rabbiner- und Wunder-Rabbis-Parteien sich geltend machten, mußten aber zur endgiltigen Beschlußfassung außer der am 15. stattgefundenen Asifa noch etwa 6—8 Sitzungen erforderlich sein und so-nahm diese Angelegenheit den ca. tausend zugereisten Orthodoxen mehr als vierzehn Tage in Anspruch. Durch all diese Tage erfreute sich unsere Stadt der vollsten Lebhaftigkeit. An fast allen Straßen,/besonders an den dem Versammlungshause, -nämlich der Orthodoxen-Synagoge nahe gelegenen, rannten Haufenweise verschiedene Trachten und Gestalten - „Ckasiclim“, in lauter Stimme debattirend, umher, oft bestiegen deren sechs bis acht Personen einen Einspänner, um ihren in verschiedenen Gasthäusern logirenden Genossen Besuche abzustatten, was selbstbegreiflicher Weise unseren nichtjüdischen Mitbürgern zu Spott und- Gelächter Anlaß gab und wovon Spott-Artikel in den polnischen- Journalen Beweise lieferten. — Außer der Lebhaftigkeit, die aus den eben angeführten Gründen in Lemberg herrschte, verursachten die oftmals täglich an allen Straßenecken afsigirten Protesttelegramme, die aus allen Fortschrittsgemeinden dem hiesigen israelitischen Cultus Vorstand zur allgemeinen Kenntnißnahme zukamen, großes Aufsehen. Viele Rabbiner, die seitens ihrer Gemeinden öffentliche Mißtrauen erhielten, traten ihre Heimkehr an, viele, deren Taschen nicht hinreichten, die in Lemberg.durch so lange Zeit erforderlichen Kosten zu bestreiten, verzichteten auf den Schluß der Sitzungen und begaben sich nach Hause, und so blieb zur endgiltigen Beschlußfassung des Projektes blos ein Theil der Anhergereisten. Unterdessen ging es bei den Sitzungen, recht stürmisch zu. Gleich bei der ersten, nämlich bei der Wahl von Comitäs machten sich große Spaltungen sichtbar, unter welchen auch kein Mangel an harten Ausdrücken , wie -,Scheigiz", „Hiltei", ja an „Spodik", war; wer sich wagte gegen einen Statutenparagraph Einwendung zu machen, der hatte es mit dem „Machsike Hadas" zu thun und so nahmen die Streitigkeiten bei den Sitzungen große Dimensionen an. — Die letzte Sitzung fand heute Nachmittags statt und mau einigte sich dahin, das viele Bogen enthaltende Statut durch Rabbiner Schreiber dem Ministerium zur Genehmigung zu unterbringen. Dies der Zweck der galizischen O . . . . — Pardon! Orthodoxen, welche einen „Rabbinertag" einberiefen, dem ca. 1000 Personen beiwohnten, und der alles in allem gerechnet das geringe Sümmchen von blos 50,000 fl. (sage fünfzigtausend Gulden) zur Ausgabe hatte. Pest, 20. März. (Privatmitth.) Das Szatmarer Komitat hat an das Abgeordnetenhaus eine Petition gegen die Einwanderung der russischen Juden gerichtet. — - In Jaßkerekngyhaza haben die katholischen Einwohner ihren jüdischen Mitbürger Anton Wachsmann einstimmig zum Kurator des Kirchenvermögens gewählt. Frankreich. Paris, im Marz. ' (Privatmitth.) Der Etatsentwurs, welchen der Finanzminister Leon Sah für 1883 der Deputirtenkammer vorgelegt hat, giebt uns zu folgender Bemerkung Veranlassung. Für den katholischen Kultus sind Fr. 51,446,976 ausgeworsen bei 45,198 Geistlichen, also durchschnittlich zu Fr. 1143. Die Zahl der protestantischen Geistlichen-ist 722 bei einem Etat von Fr. 1,679,100, also durchschnittlich Fr. 2325. Der Rabbinen und Vorbeter sind 61 bei einem Etat von Fr. 222,000, also durchschnittlich Fr. 3636. Man sieht hieraus, daß verhältnißmäßig der jüdische Kultus vom Staate am besten dotirt ist, wobei nicht zu übersehen ist, daß die katholischen Geistlichen je eine große Bevölkerung zu besorgen haben-'während die jüdischen, mit Ausnahme der Gemeinde zu Paris, verhältnißmäßig nur kleine Gemeinden unter ihrer Obhut haben. — In Toulouse verstarb vor Kurzem der Ritter Lameyra im 95. Lebensjahre, einer der wenigen der „großen Armee", welche bis Zur Gegenwart gelebt haben. Ein liebenswürdiger Greis, allgemein bekannt und verehrt, itzit der St. Helena-Medaille geschmückt, liebte er es,, von den Kriegszügen, die er mitgemacht, zu erzählen. Die Theilnahme an seinem Tode war allgemein. Italien. Turin, 9. März. (Arch. isr.) Die Unita öattolica, das ultramontane Organ von hier, bringt einen großen Theit der Bede, welche der Cardinal Manning in dem zu London im Mansiön House ab^ehaltenen Meeting gehalten, um gegen die russisch-deutschen Verfolgungen gegen die Juden zu protestiren: - . ' -

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