Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1882)
- Date
- 1882-04-04
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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der betreffenden Anstalt anlehnen. Ebenso sollen, wo es angänglich ist, für Gemeinde - Religionsschule und höhere Lehranstalt dieselben Lehrkräfte verwendet werden. BreSlau, 24. März. (Voss. Z.) In Breslau soll demnächst vr. Henrici als Redner in einer Versammlung des „deutschen Reformvereins" auftreten. Da die Absicht vorliegt, auch bei den, bevorstehenden Wahlen den Antisemitismus als Bundesgenossen der Conservativen in den Kampf zu führen, so wird sich voraussichtlich gerade in dem Reformvereine eine erhöhte Thätigkeit zeigen. Hoffentlich hat das neuliche Erkenntniß der Strafkammer des Landgerichts zu Breslau die Wirkung, daß sich alle Neugierigen den Versammlungen fernhalten. Das ultramontane Organ mahnt seine Leser mit dem Hinweise auf die Entscheidung des Gerichts zur Vorsicht, da Besucher solcher Versammlungen, wenn sie nicht an den bezüglichen Stellen „Pfui", „Bravo" oder „Hurrah hoch" mitschreien oder gar bei einem Hoch auf den Reichskanzlerr sitzen bleiben, außer einer Tracht Schläge noch einige Monate „rothe Thürme" zu riskiren haben. Oesterreich-Ungarn. Wien, 24. März. (Privatmittheilung.) Ich gehöre nicht zu Denjenigen, die vertuschen und schäme mich nicht, einen Jrrthum einzugestehen. Nun habe ich in' diesen Blättern wiederholt hervorgehoben, daß in Wien kein Boden für den Antisemitismus sei. Einige Vorgänge in der letzten Zeit scheinen jedoch meine Ansichten zu dementiren: Ich muß zunächst hervorheben, daß während der heißen Debatten in unserem Abgeordnetenhause wiederholt in letzter Zeit in abfälliger und höhnender Weise von Juden gesprochen wurde. So leid es mir jedoch thut, muß ich der Wahrheit die Ehre geben und sagen, daß ein jüdischer Abgeordneter, Herr Dr. Jacques, der provocirende Theil war. Er polemisirte gegen das Ministerium und dessen Partei, die Czechen und Clericalen, und nannte Herrn Lienbacher, einen Eiferer der letzteren, den ewigen Juden, und die Angegriffenen kühlten ihr Müthchen. Wenn jedoch Herr Rieger spöttisch auf Diejenigen hinwies, deren Wiege am Jordan gestanden ist, so sollten wir denken, daß der Jordan, in welchem Johannes sich taufte und mit dessen Wasser Christus getauft wurde, auch für Christen Bedeutung habe und steht dieser-Fluß wohl geschichtlich höher als beispielsweise die Moldau. — Allerdings fehlte es nicht an Bestrebungen, hier einen Antisemitenverein ins Leben zu rufen, doch waren diese Bestrebungen von wenig Erfolg begleitet. Vor einigen Tagen machte man den Versuch und berief unter dem Titel einer Versammlung von Gewerbtreibenden eine' Antisemitenversammlung ein, die jedoch ein klägliches Ende nahm. Dabei will ich hervorheben, daß die officiösen Journale am hef-! tigsten diese Versammlung in Leitartikeln verurtheilte und j das ministerielle Organ, die „ Wiener Abendpost", reprodücirte als avis au lecteur diese Artikel. x Ich glaube daher, nach wie vor behaupten zu dürfen, daß der Antisemitismus hier keinen Boden habe. Wien, im März. (Privatmitth.) Das in wenigen Jahren zu einer Musteranstalt erblühte israelische Blinden-Jnstitut veröffentlicht seinen Bericht über das Jahr 1881. Es zählt gegenwärtig 36 Zöglinge (27 Kyaben, 9 Mädchen) aus allen Theilen des österreichischen Kaiserreiches, 2 aus Deutschland, , 1 aus Rußland. Die Ausgaben betrugen st. 16,985, wodurch die sämmtlichen Einnahmen, sowohl aus den Zinsen (das Grundvermögen beträgt ca. fl. 200-000) als aus den Beiträgen und Spenden absorbirt wurden. /Da nun die Gesuche um Aufnahme sich immerfort mehren, so ist es wünschenswerth, daß auch die Zahl der Beitragenden sich Vergrößere, die jetzt aus 460 besteht. Daß die Provinzen hierzu ein größeres Contingent liefen: könnten, ersieht man aus der Liste der Mitglieder. Was sehr zu bedauern, ist, daß Dr. L. A. Frankl, der bisherige Präses des Curatoriums, aus demselben geschieden ist. Der Bericht sagt hierüber: „Wir werden es nicht unternehmen, Frankl's außerordentliche Verdienste um unser Institut' in diesen flüchtigen Zeilen zu rühmen; ist es ja noch im Gedächtnisse aller, mit welcher Begeisterung er die Idee, ein Blinden-Jnstitut zu gründen, erfaßte, wie es ihm gelungen ist, mit der Gluth im eigenen Herzen, edle Menschen für sein Liebeswerk zu gewinnen, wie eifrig er ein ihm früher fremdes Gebiet — die Blinden-Erziehuug — erforschte, wie er das Institut mit solchen Einrichtungen ausstattete, daß es, kaum vollendet, schon «allgemein als Muster-Institut gerühmt wurde, wie er endlich durch Anregung und Einbürgerung eines Blinden-Lehrer-Congresses für den steten Fortschritt in der Blindenbildung gesorgt hat." Wie wir bereits berichteten, ist Frankl auch aus seinem Amte als Archivar der Kultusgemeinde geschieden und ln den Ruhestand getreten. Lemberg, im März. Wir haben bereits eine kurze Notiz über die „orthodoxe (?) Rabbiner-Versammlung", die hier stattgefunden, gebracht, deren Hauptzweck ein monströses Statut für die jüdischen Gemeinden auszuarbeiten war, durch welches diese für ewige Zeiten unter die Herrschaft der-Zeloten gebracht werden sollen. Zur Charakterisirung dieser Versammlung wollen wir hier einen Bericht des zu Lobositz erscheinenden „ Fortschritt" wiedergeben, eines Blattes, welchem radikale Tendenzen gewiß nicht zugeschrieben werden können. Es heißt da aus Lemberg vom 23. Februar: - Auf Veranlassung des hiesigen Orthodoxen-Vereines „Machsike Hadas ", eventuell dessen Präsidenten, des Krakauer Rabbiners Schreiber, wurde vor einigen Tagen mittelst eines! von mehreren galizischen Rabbis unterfertigten Aufrufes alle I galizischen und Bukowinaer Rabbiner und (Orthodoxen) Ge-