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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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MUSMHM 230 Da diese Rede aus dem Munde eines Prälaten kam, der in der Hierarchie der katholischen Kirche so hoch steht und der beinahe Papst beim Tode Pius IX. geworden, hat sie große Sensation erregt. Man bemerkt darin unter Anderem, daß ein Cardinal das jüdische Volk „ein großes, altes, edles, der Arbeit ergebenes, immer ruhiges, von Empörungen entferntes Volk" nennt, und dieser Prälat charakterisirt in energischer Weise die Excesse der Antisemiten, welche er antichristlich nennt, und ermuthigt das englische Volk, gewissenhaft jeden Schein der Mitschuld an diesem abscheulichen und barbarischen Verfahren zu vermeiden, dessen Opfer die Israeliten in. diesen Ländern sind. (Wir geben dies wieder, weil es den Gegensatz der englischen und italienischen Ultramontanen gegen die deutschen charakterisirt. Redakt.) Die liberale italienjjche Journalistik beklagt den Tod des berühmten Romanciers und Dichters Auerbach und veröffentlicht ihm zu Ehren chronologische Artikel. Das Journal La Gazetta Piemontese veröffentlicht einen sehr lobenden Artikel über Madame Sarah Nathan, eine andere aus unserer Glaubensgenossenschaft, die soeben in London gestorben ist. Er sagt, daß Sarah eine Frau von sprichwörtlicher Tugend, von unvergleichlicher Freigebigkeit,^ die verehrungswürdigste Frau der republikanischen Partei in Italien gewesen. Sie war die treueste Genossin der Anführer dieser Partei, von Mazzini, Maurice Qnadrio Cattaneo und hat sie bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens unterstützt, indem sie nicht nur durch ungeheure pekuniäre Opfer, sondern auch durch ihre seltene Intelligenz zur Auferstehung der italienischen Einheit beitrug. Diese Frau, welche eine wichtige Seite in der Geschichte Italiens in den letzten Jahren ausfüllen wird, war die Tochter eines reichen Israeliten in Perugia (Romagna). Sie heirathete einen reichen Engländer, dessen Häuser in London und Lugano das Asyl der Verbannten der italienischen Demokratie wurden. Sarah Nathan und ihr Mann gründeten das republikanische Journal II vovsro in Rom. Der Leichnam Sarah's kam, von ihren zwölf Kindern begleitet, hier mit einem besonderen Zug an und wurde nach dem Campo-Verano zu Rom transportirt. Auf diesem Bahnhofe erwarteten sie zahllose demokratische Deputationen, die den Sarg.mit Blumen bedeckten. Rußland. Petersburg, 21. Februar. Im Hinblick darauf, daß die in Wilna und Shitomir bestehenden jüdischen Lehrerseminare, welche aus ausschließlich jüdischen Mitteln erhalten werden, nur Lehrer für die 50 jüdischen Elementarschulen heranbilden, und nicht die Möglichkeit besitzen, allen den Cursus der erwähnten Seminare absolvirenden Lehrern Anstellungen zu gewähren, ist in Regierungskreisen kürzlich die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht gegenwärtig rathsam sei, um die Absonderung der Juden zu beseitigen, denselben den Eintritt in die allgemeinen Curse für Lehrer an den verschiedenen Anstalten und Seminarien des Reichs zu gestatten, die speziell jüdischen Lehrerseminare' aber aufzuheben. Zugleich ist auch eine Erörterung der Frage von dem Nutzen der jüdischen Elementarschulen in den Städten angeregt worden, da in den mittleren Lehranstalten, Gymnasien und Realschulen einiger Gegenden des Reiches den Juden nicht nur der Eintritt offen steht, sondern dieselben auch die Mehrzahl der Schüler bilden, also kein Grund vorliegt, sie nicht auch zu den übrigen öffentlichen Kreis- und Stadtschulen zuzulaffen. Zum Zweck einer Feststellung der Anzahl aller jüdischen Kinder, welche zur Zeit die mittleren und höheren Lehranstalten besuchen, sind von den betreffenden Schulvorständen gegenwärtig eingehende Mittheilungen hierüber gefordert worden. In engster Verbindung mit dieser Frage steht, wie behauptet wird, auch die Frage von der Aufhebung der sogenannten Korobkasteuer, welche die Regierung für den Unterhalt der speciell jüdischen Schulen und Seminare von den Juden erhebt. Petersburg, 23. März. Der „Herold" meldet: Gestern wurde den Apothekenbesitzern jüdischer Confession in Petersburg ein Erlaß des Ministers des Innern vorgelesen, wonach es nicht länger geduldet werden könne, daß sie Apotheken besitzen und daß sie demnach ihre Apotheken binnen Jahresfrist an Nichtjuden verkaufen müßten. Die Verfügung trifft 14 jüdische Apothekeninhaber, welche sämmtlich die Prüfung als Provisor abgelegt haben. Der Erlaß stützt sich auf einen Paragraphen des Gesetzes, wonach jüdischen Provisoren erlaubt ist, in Petersburg zu wohnen, nicht aber, Handel in ihrem Specialfache zu treiben. Außerdem wurde den jüdischen Provisoren, welche bisher Hierselbst Apotheken verwaltet haben, die Mittheilung gemacht, daß auf Verfügung des Ministers des Innern ihre Verwaltung der betreffenden Apotheken mit dem heutigen Tage aufzuhören habe. Petersburg, 24. März. („Voss. Ztg.") Nächster Tage kommen hierher Repräsentanten der Judengemeinden im Süden und Südwesten Rußlands, um an den Berathungen der Judenkommission theilzunehmen. , Rumänien. Bukarest, 19. März. Das. Projekt einer Massenauswanderung des jüdischen Proletariats aus Rumänien nach Palästina scheint seiner Verwirklichung entgegenzügehen, denn fast in allen größeren Städten des Landes haben sich Comites zur Förderung dieses Projektes gebildet. In Tultscha ist das Mitglied des dortigen Communalrathes, Ellmann, nebst einigenanderen Notablen der Dobrudscha bemüht, für die Auswanderung Propaganda zu machen, und ein Herr

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