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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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besonders dazu, daß das wissenschaftliche Publikum über den Inhalt und den Charakter des Talmuds aufgeklärt und damit jener dichte Dunstnebel zerstreut wird , den Vorurtheil und Haß um dieses Schriftthum gebreitet haben. — Wir erhielten in diesen Tagen die Fortsetzung des großen Prachtwerks: „Palästina in Bild und Wort", herausgegeben von Ebers und Guthe in der deutschen Verlags-Anstalt, vormals Eduard. Hallberger, nämlich die 7—12. Lieferung. Selbstverständlich erfreut sich diese Fortsetzung der glänzenden typographischen Ausstattung und der herrlichen künstlerischen Illustrationen wie der Anfang des Werkes. Wir haben nach dieser. Richtung hin unsren früheren Referaten nichts hinzuzufügen. Es werden uns hier aus dem heil.. Lande antiquarische, topographische und ethnographische Darstellungen geboten, die nicht blos der Anschauung, sondern auch dem Kunstgenüsse dienen. Diese 6 Lieferungen führen zunächst die Beschreibung Jerusalems und seiner nächsten Umgebungen fort. Interessant sind besonders die Mittheilungen (S. 124 ff.) über die Aquädukte, deren Errichtung in die Zeiten der jüdischen Könige und bis auf die Regierung Salomo's zurückzuführen ist. Es heißt da: „Schon allein diese großartigen Wasserbauten der alten Zeit — es finden sich bei uns in Jerusalem noch andere weniger bedeutende Kanäle — legen ein beredtes Zeugniß dafür ab, daß die einstigen Herren des Landes keine Mühe und Anstrengung gescheut haben, um Jerusalem mit lebendigem Wasser zu versehen. Gewiß, die Frage der Wasserversorgung Jerusalems war während der Glanztage seiner Geschichte vortrefflich gelöst und Wehrnuth und Mitleid müssen den erfüllen, welcher bei eintretendem Wassermangel in der Stadt sich an den einstigen Wasserreichthum derselben erinnert." Bekanntlich gehört die Wiederherstellung der Wasserleitungen zu. den Existenzfragen Jerusalems; aber alle neueren Versuche, die Wiederherstellung derselben einzuleiten, auch Sir Moses Montefiore bemühte sich darum, scheiterten an dem Widerstand der türkischen Behörden, welche namentlich zum Schutze der Aquädukte gegen die Beduinen und Hirten die Hand nicht bieten wollten. Hierauf geht die Beschreibung auf Bethlehem und das nördliche Judäa über, wo allerdings die christlichen Heiligthümer mit ihrer Ueberfülle von Legenden den Raum ausfüllen. Interessant ist das Grabmahl Rahels (S. 133.), welches jedoch den Bemerkungen der Schrift und des Josephus nach nicht an dem Orte des ursprünglichen Grabes sich befindet. Das todte Meer, die untere Jordansau, das Bergland von Benjamin, das Gebirge von Juda und Ephraim werden eingänglich beschrieben und illustrirt. Der Fortgang dieses schönen Unternehmens ist also sicher, und die deutsche Literatur wird dadurch ein Werk über Palästina besitzen, wie keine andere in gleicher Vollendung. — Wenn in dem vorhergehenden Werke das Ursprungsland des Judenthums durch die Kunst verherrlicht wird, so besitzen wir in einem anderen eine künstlerische Verklärung des altjüdischen Familienlebens, wie es sich bis zur neueren Zeit gestaltet und erhalten hat. Wir empfangen nämlich die zweite Ausgabe der bereits weit verbreiteten „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben nach Originalgemälden von Prof. M. Oppenheim." (Frankfurt am Main, Heinrich Keller 1882). In einem trefflichen Prachtbande werden uns 20 vorzüglich ausgeführte Photographien ln Gr. 4. geboten, eine jede von einer. Erläuterung und das Ganze von einer Einleitung begleitet. Jene Photo-. graphien sind von Originalgemälden Oppenheims entnommen, und die Einleitung und Erläuterungen von Leopold Stein verfaßt, der es verstanden hat, lebendig und anschaulich in kleinen Rahmen den Stoff jedes Bildes und die Eigentümlichkeiten der Figuren und Situationen zu erklären, wie auch in der Einleitung das Leben Oppenheims, seine Tendenz und Verdienste trefflich zu zeichnen. Wir freuen uns des Gedankens, daß der greise Maler vor seinem Hittscheiden diese zweite Ausgabe noch entstehen sah. Wir halten es für überflüssig, in das Einzelne dieser schönen Gallerie einzugehen oder sie kritisch zu beleuchten. Was sie auszeichnet, ist, daß O. die tiefe Gemüthlichkeit dieses Familienlebens und die Innigkeit der dargestellten Akte mit Geschmack und Eleganz zu verbinden gewußt hat. Ist es allerdings wahr, daß er in die dargefiellten Physiognomien eine wünschenswerthe Mannigfaltigkeit nicht gebracht hat, so kam es auf diese auch weniger an, als vielmehr in ihnen die vorherrschenden Affekte, Liebe, Pietät, Glück und Trauer zum Ausdruck zu bringen. Wir werden hier nicht in die Hütten der Armuth, zum Anblick des Elends und seiner heldenmütigen Ueberwindung geführt, sondern in die Häuser des wohlhabenden und behäbigen Bürgerthums, welchem frommer und sittlicher Sinn einen weihenden Reiz verleiht. Die Sammlung ist durch zwei Bilder bereichert: das Schabuoth- und das Chanukkafest. Bemerkenswerth ist, daß das letzte Tableau „ die Rückkehr des Freiwilligen" (aus. den Freiheitskriegen) das erste war, welches O. geschaffen, jetzt vor einem halben Jahrhundert. Sicherlich wird dieses Werk sich von Geschlecht auf Geschlecht vererben und ein Zeugniß mehr bleiben für den Werth und die.. Würde, welche das jüdische Familienleben auch in den Zeiten der tiefsten Erniedrigung sich bewahrt hatte. — Wir schließen hieran noch die Anzeige eines neuen Unternehmens, dessen erste Lieferung uns vorliegt: „Gallerie der verdienstvollsten Juden des XIX. Jahrhunderts zunächst aus Oesterreich-Ungarn. Herausgegeben von David Löwy. (Wien, Löwy, 1882.)." Der Gedanke an sich ist nicht neu. Schön 1834—1838 gaben der Graf von Breza und R. O. Spazier, dann N. Frankfurter und Berthold Auerbach eine „Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte, ihre Portraits und Biographien" heraus. Wie sie ihre Ausgabe

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