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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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Anderm zu erfahren, daß die Juden sich an die alte Regel halten müssen, „warte einen Augenblick ab, bis der Sturm sich legen wird", daß sie ferner ihre altmodische Tracht! abzulegen suchen müssen, die sie unvortheilhaft. von der übrigen Bevölkerung auszeichnet, sie zum Gegenstände der Neugierde macht und bei jeder noch so geringen Veranlassung zu Reibungen mit dem niedrigen Volke führt. Außerdem erfuhren wir aus dem Munde dieses hohen Würdenträgers, daß es den localen Gouvernements-Administrationen vorgeschrieben wurde, falls "irgendwo Unordnungen ausbrechen, diese schleunigst, und zwar innerhalb eines Zeitraumes von 15 Minuten, zu unterdrücken, und daß ferner die Regierung keineswegs die Absicht habe, die Lage der Juden zu verschlimmern. Unsrem Vorschlag, in allen Städten kleine Actien-Compagnien ins Leben zu rufen, die den jüdischen Massen neue Erwerbszweige verschaffen sollen, zollte dieser hohe Würdenträger seinen vollen Beifall und versicherte, daß falls dem Ministerium des Innern Projecte zur Constituirung solcher Gesellschaften unterbreitet werden sollten, man sie dort beifällig entgegennehmen würde. Der Plan, in Palästtna jüdisch-russische Colonien zu errichten, fand bei diesem hohen Reichsbeamten Zustimmung, und fügte Hochderselbe noch hinzu, daß er bereits vor mehreren Jahren den Sir M. Montefiore in seinem Vorhaben bei der. Pforte unterstützte, im gelobten Lande nämlich Colonie n für 20,000 Juden zu gründen. Er sagte uns deutlich, daß die Regierung nicht daran denkt, die Juden, aus dem Lande zu verweisen, daß sie aber denjenigen, welche zu emigriren wünschen, kein Hinderniß in den Weg legen werde, wenn sie ihren Pflichten dem Staate gegenüber nachgekommen sind . . . ." An «der Authenticität dieser Mittheilüng ist, bei der erprobten Zuverlässigkeit des Redakteurs des „Hamelitz",— nicht zu zweifeln, — Während ich dieses niederschreibe, kam mir ein anderes Blatt zu Gesichte, daß positiv versichertdaß die mehrgena.nnt.e Commission über die „Judenfrage" an das Mimster-ComM eine Vorstellung machte zur Vorbeugung von fernem Judenkravallen letztern zu verbieten: a) mit Spirituosen Geschäfte zu machen, und b) in den Dörfern zu wohnen.!) Sollte diese Maßregel sanctionirt werden, so würden Wu Neuem Hundertausende Juden brod-, resp. obdachlos werden, O, Gott— n'jwii'i» nHp nnx nbn „ „soll wirklich der Ueberbleibsel Israels zu Grunde gehn? —. —. Aus derselben Quelle, erfahren wir, daß binnen Kurzem . 1) In.-wie.fLM.diese MaßxeM die jüdischen Handwerk-er und Kleinhändler in den Städten, die am meisten durch die Kravalle litten,.in Schutz nehmen wird, das vermag der Menschenverstand nicht zu begreifen. Der Korrespondent. mit Genehmigung der Regierung eine Art Congreß von jüdischen Deputirten aus allen Gouvernements, in denen Juden Domicilrecht besitzen, zum Behufs der Beräthschlaguug über die von Seiten der Juden zu ergreifenden Maßregeln, — in der Residenz wird abgehalten werden. Mögen diesmal auch die Weichsel- und Ostseeprovinzen ihre. Vertreter abdeligiren und sich nicht vom fe ausschließen. Protest- Meetings in Amerika, Außer dem in Nr. 7 besprochenen^ Meeting in New- Zork fanden ähnliche Versammlungen auch in anderen Städten der Union statt. Bon besonderem Werthe erscheint uns das am 15. Februar in Philadelphia abgehaltene. Am Montag dem 13. Februar erließ der Bürgermeister folgenden Aufruf : Bürgermeisterei Philadelphia, 13. Februar 1882. Das Dampfschiff Illinois, welches Liverpool am Samstag, den.11. d., für die Fahrt hierher verließ, hat ungefähr 300 russische Flüchtlinge an Bord, die vor der Verfolgung, Barbarei und Grausamkeit, einer Schande für die Menschheit, fliehen. Die natürliche Menschenliebe fordert, daß. für diese unglückliche Menschen Sammlungen veranstaltet werden. Die menschenfreundlichen und wohlwollenden Bürger von Philadelphia sind immer gütig und hülfsbereit gegen die Unglücklichen gewesen. Der gegenwärtige Fall fordert schnelle und energische That, da die Flüchtlinge schon am 22, d. hier eintreffen werden. Unsere Schwesterstadt New-Aork antwortete in edler und großmüthiger Weise dem Hülferuf einer großen Anzahl russischer Ankömmlinge, die jüngst dort landeten.' Sie sind ergebenst eingeladen, einem Bürger-Meeting auf der Bürgermeisterei am Mittwoch den 15. d. um 12 Uhr Mittag beizuwohnen, um Wege und Mittel zur Unterstützung zu berathen, Samuel G. King, Bürgermeister. In Folge dieses Aufrufs versammelte sich eine große Anzahl hervorragender Bürger am Mittwoch in der Bürgermeisterei. . Das Meeting wurde von Herrn Horatio Gates Jones eröffnet, der den Bürgermeister King zum Präsidenten erwählte. William B. Hackenberg wurde zum Sekretair und Anthony I. Draxel zum Schatzmeister ernannt. Der Bürgermeister King schilderte die Veranlassung, weswegen -er das Meeting zusammenberufen habe und bezog sich dabei auf die große Anzahl russischer Juden, die in diesem Lande schon ein Asyl gesucht und von den wohl-, thätigen Bürgern von New-Pork und Philadelphia mit-Heim und Beschäftigung versorgt worden. Er schlug die Berufung eines. G.omitäs vor, um Unterschriften zu erlangen, den.augenblicklichen Bedürfnissen der Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in der Stadt zu.genügen- . ■ :■ .; Moses. A.; Dropsie - sprach von der Nothwendigkeit!, für Obdach und Beschäftigung für die unglücklichen Hebräer, die

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