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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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WWWW und daher würde eine klare .Antwort von Seiten der . Regierung auf diese Cardinalfrage sehr erwünscht sein." . ' ' Hierauf erwiderte der .Minister-Präsident: „M. H< Deputirte! Um , die von Herrn Marios angeregte Frage Zu beantworten, muß ich vor Allem seine Behauptung,, daß die Constitution vom Jahre 1876 die. von der Constitution vom Jahre 1869 proklamirte Religionsfreiheit ignorirt, — vollständig in Abrede stellen. Eine solche Auffassung ist dem Geiste der Constitution vom Jahre 1876 ganz zuwider. In Bezug der Religion ist letztere Constitution liberaler als alle andren. Die Frage des Deputirten, ob ein akatholischer Spanier die höchsten Reichsämter bekleiden kann, beantworte ich mit einem positiven-„Ja!" Wenn das Land einen solchen Abgeordneten wählen wird, wird die Regierung ihm ihr Vertrauen schenken. Er'(der Protestant oder der Jude) ist ebenso ein Sohn Spaniens, wie wir Alle, und genießt, gleich uns, alle Rechte. Befindet sich aber in dieser Hinsicht ein Hinderniß in der Constitution vom Jahre 1876? Nein! Dasselbe bekundet die Constitution vom Jahre 1869. Ich wiederhole Ihnen, meine Herren Deputirte, nochmals, daß unsre Gesetzgebung vollständige Religionsfreiheit bei uns einführte und, Dank diesem Umstande, wird unser Land einen Grad der Wohlhabenheit erreichen, wie nie zuvor. Niemals hatte Spanien eine liberalere Constitution, als eben jetzt, und niemals genoß es die Wohlthaten des Friedens, der Ordnung und des blühenden Wohlstandes, als gerade gegenwärtig, und dieses Alles — in Folge der eingeführten Freiheit und Gleichheit." Eine mächtige Beifallssalve war die Antwort auf diese Rede des Ministers. Londoner Briefe. XI. London, 20 März 1882. Die Aufgabe, die den Juden Englands angesichts der bevorstehenden Massenemigration aus Rußland zufällt, ist keine leichte. Ihre Bereitwilligkeit, den Unglücklichen beizuspringen, Haben sie zur Genüge bewiesen. Die Wahl der beiden Abgesandten nach Galizien konnte keine glücklichere sein. Erfahrung und Opferwilligkeit ist in beiden Abgesandten, in Herrn Oliphant und Herrn Mocatta gleichsam verkörpert und auch vereinigt. Wir haben daher die feste Ueberzeugung, daß sie von der Freiheit, die ihnen gegeben ist, das als Richtschnur ihrer Handlungen ihnen gegebene Schema nach Umständen zu modificiren, den weitesten Gebrauch machen werden. Dieses Schema zerfällt in Paragraphen. Es wird ihnen gerathen: 1. Sich mit den Comites des Continents in Verbindung zu setzen, ihnen die einstweilige Beförderung der Emigranten abzurathen und wenn möglich eine gemeinsame Thätigkeit mit ihnen zu organisiren. ^.Erkundigungen über die Anzahl uyd den Aufenthaltsort der Flüchtlinge einzuziehen. 3. Andere Abgesandte werden mittlerweile Erkunde gungen über Plätze in den deutsch sprechenden Ländern einziehen, wo eine kleine Anzahl der Flüchtlinge untergebracht werden kann. 4. In Lemberg und. Brody, wo nach § 4. alle Mittheilungen gemacht werden sollen, werden sämmtliche Applikationen klassifieirt in folgender Weise: Ä. Landbebauer und Arbeiter werden, wenn Familien und nicht zu groß, nach den-überseeischen Ländern geschickt. B. Handwerker sollen nach in § 3 erwähnten Ländern geschickt werden. 6. Hausirer und Höker nach in §.3. erwähnten Ländern. D. Der ganz armen Klasse wird gerathen, nach Rußland zurückzugehen. In § 3 wird eine neue Reiseroute via Brody, Lemberg, Stettin und Liverpool angegeben. Betrachten wir dieses Schema, so fällt uns zunächst auf die Weglassung einer Berufsart, nämlich kleiner Kaufleute, die unter 0. nicht unterzubringen sind, und die ohne Zweifel unter den bereits Ausgewanderten und noch Auswanderyden in bedeutender Anzahl sich vorfinden. Wir sind überzeugt, daß die Herren Mocatta und Oliphant auch diesen Unglücklichen ihren Schutz nicht versagen werden. Aber besonders ist es die in Amerika herrschende Uneinigkeit im Schooße des dortigen ComitSs, die einen ungünstigen Einfluß auf die Abfassung des Schemas ausübte. Vor Allem ist es unbegreiflich, wie ein philanthropisches Unternehmen sein segensreiches Wirken nur auf kleine Familien ausdehnt. Die Jugend ist gewöhnlich das Element, das die Barmherzigkeit stets mehr berücksichtigt hat und mit Recht. Warum soll es hier nicht der Fall/sein? Kein Mensch schreibt dem Comitä vor, wie viel Familien weggeschickt werden sollen, und wir glauben nicht im Unrecht zu sein, wenn , wir behaupten, daß die Unterstützung einer Familie mit zehn Kindern ein mindestens ebenso großes Werk der Barmherzigkeit ist, wie die Unterstützung zweier Familien mit je fünf Kindern. Aber abgesehen davon, ist unserer Ansicht nach eine größere Familie für die unter A. erwähnte Klasse nicht allein ein Nachtheil, sondern sogar ein Vortheil, wie jeder, der Farmerverhältnissekennt, zugeben wird. Die Schwierigkeit, die größere ackerbautreibende Familien dem ComM bieten, wäre, demnach nichts mehr als höhere Beförderungskosten, eine Angelegenheit, die die amerikanischen Comit6s nichts angeht, mithin die moralische Verantwortung für ein etwaiges Unberücksichtigtlassen größerer Familien nur dem Londoner Comitö zufällt. Die Nichtbeförderung solcher Familien wäre

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