Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1882)
- Date
- 1882-04-04
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
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Nothstand aus Viesen Vergehungen entspringe, '(6.) und baß der Rettung die Vergebung der Sünde vorangehen müsse! (25.). Nachdrücklich wird dann der Zustand der Seele gezeichnet, wenn die Erkenntniß der Schuld in ihr ausgegangen (38.); aus dieser tiefen Zerknirschung erhebt sich der Geist zum heißesten Flehen um die Vergebuug Gottes, von der die Erhebung und Läuterung bedingt ist (51.); und auf den Flügeln dieses Gebetes gelangen wir zu der Gewißheit, daß die göttliche Vergebung auf reuevolles Er- und Bekennen der Schuld erfolget und der Mensch dadurch wieder heil wird (32.). So feiert denn der Psalmist diesen erbarmungsvollen, die Schuldhaftigkeit des Menschen auslöschenden Gott (103.). — Die Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen bethätigte sich den Psalmisten auch in der Offenbarung der Lehre und des Gesetzes, und sie feiern die Erhabenheit und Weisheit des letzteren, so z. B. in dem großen alphabetarischen Psalm 119. Merkwürdig ist hierfür der 19. Psalm, wo die Herrlichkeit der Natur, die Trefflichkeit der Lehre und des Gesetzes und die Bitte um sittliche Reinheit mit einander verbunden sind. — Dies ist das Bild der religiösen Anschauungen, wie sie uns in den Psalmen entgegentreten- und wir wollen dem nur noch einen Zug hinzufügen. Bei Pindar endeten wir mit dessen Ansichten über die Unsterblichkeit. Wie ist es hiermit bei den Psalmisten? Wir haben im 2. Bande unsrer „Israelitischen Religionslehre" ausführlich die Unsterblichkeitslehre in den alttestamentlichen Schriften und im Judenthume überhaupt behandelt, wiesen dort nach, daß der Glaube an die Unsterblichkeit tief in der israelitischen Volksseele wurzelte, und sich in ihr mit der Zeit immer mehr entwickelte; wir beantworteten die Frage, warum Moses diesen Glauben nicht dogmatisirt hat, und wiesen auf die sich stets mehrenden Andeutungen hin, wie sie sich in den Büchern Mosis, in den geschichtlichen Schriften und bei den Propheten finden, und wie dann diese Andeutungen sich in den späteren Schriften zum Dogma ausbildeten. Aus den Psalmen heben wir hervor Ps. 16 , 9—11., wo es heißt: „Denn nicht überläßt du meine Seele der Gruft, den Pfad des Lebens wirst du mir kund thun; Fülle der Freuden ist vor deinem Antlitz, Wonne in deiner Rechten immerdar. Vgl. 17, 15. Im 49. Psalm wird in bestimmtester Weise die Lehre vorgetragen , daß die Sünder in der. Unterwelt eine Scheinexistenz und Scheinwohnung finden, während die Seelen der Gerechten von Gott der Unterwelt entzogen und zu sich genommen werden. Trefflich bemerkt Ewald zu der zuerst angeführten Psalmstelle: „Wo solche Ahnung und Vorstellung vom wahren Leben emporkeimt, da wird in der That schon der Schleier aller Zukunft des Einzelnen so weit gelüftet, die echte Hoffnung so klar gespendet, als es ohne neue Bilder zu gebrauchen möglich ist; Dogma ist es hier bei Weitem noch nicht und von der Unsterblichkeit des Geistes tritt hier zwar die echte Ahnung und Notwendigkeit, aber noch nicht!ein so fertiger, fester Begriff und so schwelgerische, schwärj merische Bilder hervor wie später. Aber das ist gerade das! Herrliche, daß wir so in einigen Liedern die höhere Ahnung in ihrer durch sich selbst nothwendigen Bildung und Entstehung zum ersten Male hervorkeimen sehen." (Fortsetzung folgt.) Ein Sieg -er Gewissensfreiheit in Spanien. Madrid, im Februar 1882. Am 12. Februar fand in den Cortes eine Debatte statt, die ihrer Wichtigkeit wegen auch hier nicht mit Stillschweigen übergangen werden kann. Aus Raummangel beschränken wir uns darauf, einen ausführlichen Bericht der „Epoca" hier nur in extsv8o wiederzugeben. Der der liberalen Majorität angehörende Deputirte Marios interpellirte den Minister-Präsidenten Sagasta darüber, wie die Regierung einige divergirende Punkte der Constitutionen vom Jahre 1869 und vom Jahre 1876, welche erstere die Gewissens- und Glaubensfreiheit betreffen, — auffaßt, und motivirte seine Interpellation wie folgt: „Die Regierung des Königs Alphons erklärte bei Gelegenheit der Restauration der Monarchie im. Jahre 1876, daß sie in allen principiellen Fragen sich die Constitution vom Jahre 1869 zur Richtschnur wählen würde. Während dessen existirt im organischen Statut dieser beiden Constitutionen ein bedeutender Widerspruch. Laut der Constitution vom Jahre 1869 kann jeder Spanier, zu welcher Confession er sich auch bekennt, zu den höchsten Aemtern im Reiche zugelassen werden; dagegen ignorirt die Constitution vom Jahre 1876 diesen hochwichtigen Punkt vollständig und übergeht ihn mit Stillschweigen; somit gewährt erstere Religionsfreiheit und letztere nur — Duldsamkeit. Und nun frage ich den Herrn Minister, kann eine Person, die sich nicht zur Religion bekennt, welche bei uns die vorherrschende ist, — auch Ihren Ministerplatz einnehmen? In Frankreich war während der Julimonarchie der Protestant Guizot Minister des Aeußern, und der Jude Cromieux während der zweiten und der dritten Republik zweimal Justiz- und Cultusminister gewesen; ein anderer Jude, Fould, war während der Regierung Napoleon HI. Finanzminister. Somit frage ich, wenn ein Jude oder ein Protestant hier in diesem Saal als Deputirter erscheinen und dasGeheimniß entdecken würde, wie unser Budget vom alljährlichen Deficit zu befreien wäre, ob diese Persönlichkeit dann bei uns den Posten eines Finanzministers bekleiden;föiute?. Ich bemerke, wie einige Mitglieder der Majorität eine Kopfbewegung, als Zeichen her Bejahung, machen; aber ich besitze wenig .Vertrauen zu der Labilität der Meinungen einer politischen Partei,