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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-04 · Heft 14 (4.4.1882) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 14 (4.4.1882)
Date
1882-04-04
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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MWWWM 218 in eigener Geltung auf. Hingestellt auf den Boden des Kampfes als Mensch, als Israelit, fragt er sich: warum bin ich so und warum ist mir so? uttij der ganze Inhalt der Psalmen ist, diese Fragen aussprechend zu beantworten in Uebereinstimmung mit der Lehre und der Geschichte Israels. Gott, der bei Moses und den Propheten der Gott der Welt und der Nation war, wird in den Psalmen der Gott des Individuums; wie sich dort die Nation von Gott geleitet, von Gott gestraft, von Gott gerettet wußte, so hier das Individuum; wie dort Gott von der Nation Gehorsam, Liebe, Anbetung und Recht fordert, .so hier vom Individuum; wie dort die Nation sich von Gott entfernt und wieder zu ihm strebt, durch Bekenntniß, Buße, Opfer und sittliche Reinigung, so hier das Individuum durch Gebet, Reue und Besserung. Das Individuum weiß sich hier überall in der subjektivsten Hülfe, und Segnung Gottes. Alles dies drängt sich aus dem Subjekt in Klage und Jubel, in Zweifel und Zuversicht hinaus. :— Wie dem aber auch sei, sowohl in den an Zahl geringeren, objektiv gehaltenen, als auch in den zahlreichen subjektiven Psalmen wird der Monotheismus in fester und durchsichtiger Gestalt zum Ausdruck gebracht, der Begriff Gottes in der Einzigkeit, Unendlichkeit, Gestaltlosigkeit, als Schöpfer der Welt und aller Wesen, die sein Werk sind und in seiner Allmacht stehen, als Vorsehung und als Vergeltung. Hiervor fällt alle Mythologie zusammen, und wenn auch die Psalmen, noch dazu in ihrem dichterischen Gewände, der Anthropomorphismen und Allegorien nicht entbehren konnten, sich sogar öfter recht starker Bilder bedienen, so ist dies doch auch für die Sprache selbst des modernen Menschen, und am wenigsten des modernen Dichters unvermeidlich. Das Material, welches für diese Lehren in den Psalmen aüfgehäuft ist, ist so reichhaltig und. zugleich für jeden Leser so zugänglich, daß wir uns mit wenigen Strichen begnügen müssen und können. Wer kennt nicht das unübertreffliche Naturgemälde, welches Ps. 104 bietet, mit dem bestimmten Lehrzweck, daß alles in der Natur Bestehende seine Schöpfung, Einrichtung und Erhaltung von und in Gott hat, der es nach seinem Willen, seiner Weisheit und Güte werden, bestehen'und vergehen läßt. Es tritt uns in diesem Psalm besonders Dreifaches entgegen: 1) die Freude an der Natur überhaupt, die Innigkeit, mit der sie betrachtet und aufgefaßt wird; 2) die Auffassung der Natur als einer unendlichen Einheit, in welcher Alles in vollkommener Zweckmäßigkeit als Glieder des Ganzen einander eingeordnet ist, Eines dem Anderen zum Dasein dient; 3) die völlige Abhängigkeit der Natur vom ewigen Gotte, so daß alles Sein seinen Grund nur in Gott, jedes einzelne Sein seinen Bestand nur im Willen Gottes' hat. Das ganze Gemälde beruht wesentlich auf der mosaischen Schöpfungsgeschichte; der Dichter waltet aber frei über seinen Stoff,- fügt hinzu, greift.heraus und malt aus nach seiner Intention. Mitten in seiner Schilderung unterbricht ihn die Fülle seiner Gefühle und er ruft aus (V. 24): „Ewiger, wie viel sind deiner Werke! Alle hast du mit Weisheit bereitet, Voll ist die Erde deiner Güter!" r Er betrachtet dann die weite Fläche des Meeres und das „Gewimmel der Thiere darin, ohne Zahl, so klein wie groß." Und nun erst gelangt er zu seinem Dogma: „Sie Alle harren dein, Zu geben ihre Speise zur rechten Zeit; Du giebest ihnen: sie lesen auf; Du öffnest deine Hand, sie sätt'gen sich des Guten; Du birgst dein Antlitz, sie verschwinden; Nimmst ihren Odem: sie verscheiden, Zu ihrem Staube kehren sie. . Du sendest deinen Odem: sie werden geschaffen, Und du erneust der Erde Angesicht. Auf ewig ist des Ew'gen Herrlichkeit, Der Ewige freut sich seiner Werke!" Mit einem kurzen Blick aus die moralische Welt schließt der Sänger wie er begonnen: ,-Preise meine Seele den Ewigen — Hallelujah!" — Diese Vorstellung des Universums als einer sorgfältig geordneten Einheit und als Werk Gottes kehrt in den Psalmen oft wieder. So in dem großen Dankliede Ps. 136, in der Aufforderung an alle Wesen zum Lobpreis Gottes, Ps. 148 (V. 5.). „Sie sollen loben des Ewigen Namen, Denn er gebot und sie wurden geschaffen; Er stellte sie fest auf immer und ewig, Gab ein Gesetz, das Keiner überschreitet." Aber auch jedes einzelne Werk dieser Schöpfung ist eine Verkündigung der Allmacht, Weisheit und Güte Gottes. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, Und seiner Hände Werk verkündet die Veste. Tag strömt Tag die Rede zu, Nacht zeigt Nacht Erkenntniß an. Durch die ganze Erde geht ihr Klang aus. An des Erdballs Saum ihr Ruf." (49, 2 ff.) Der Donner ist die Stimme Gottes, durch die er zu den Empfindungen der Wesen spricht: „Des Ewigen Stimme über den Wassern, Der Gott der Ehren donnert, Der Ewige über gewaltigen Wassern. Des Ewigen Stimme mit Kraft,. Des Ewigen Stimme mit Pracht." (29,3.) und nun lese man die folgende Schilderung, wie die Cedern zerschmettert werden, die Berge erzittern, , die Wüste .erbebt, die Hindin kreist , , und die Wälder entblättert'werden'von dem Donner und seinen „sprühenden Feuerflammen" — „in

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