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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-28 · Heft 13 (28.3.1882) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 13 (28.3.1882)
Date
1882-03-28
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
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212 Remunerationen sehr bescheiden bemessen, da sie sämmtlich für das Jahr nllr fl. 2300 betragen. Es versteht sich, daß in dem Vorwort des Berichtes das Hinscheiden Szanto's mit tiefempfundenen Worten beklagt wird. Nicht minder schmerzlich war dem Institute der Tod des Vorstehers Simon Apfel, welcher sowohl bei der Gründung als während des ganzen Bestandes des Bet ha-Midrasch sich wesentliche Verdienste erworben hatte. Als eine „freudige Manifestation" wird die vom Bet ha-Midrasch an Dr. Ludwig Philippson zur Feier seines siebzigsten 'Geburtstages gerichtete Adresse besprochen. Pest, im März. Um die an der hiesigen Hochschule erledigte Professur um neuere Geschichte bewarben sich zwei Juden, geborene Ungarn, die jungen Historiker Marczali und Wertheimer und ein Christ, der Sohn eines getauften Juden. Es wird sich nun zeigen, ob das Bekenntniß der Erlangung einer Professur nicht hinderlich ist, wie der Minister Trefort erst jüngst wieder versicherte. - Aus Steinamanger wird geschrieben: In der hiesigen Synagoge wurde die alte Gasuhr in der vorigen Woche durch eine neue ersetzt; bei dieser Gelegenheit war eine größere Quantität Gas ausgeströmt, welche am Freitag Abend, als der Tempeldiener die Lampen anzünden wollte, unter hefttger Detonation explodirte. Glücklicherweise kamen die Tempeldiener sowohl als die zahlreichen Gläubigen, welche sich bereits in der Synagoge befanden, mit dem bloßen Schrecken davon. Rußland. Warschau, 13. März. Die russische Regierung verfügte die Aufhebung der Lesondern Bildungs-Institute für Israeliten, um den socialen Separatismus der Juden zu beseitigen, dagegen soll denselben der Zutritt zu den öffentlichen Bildungsanstalten erleichtert werden. Moskau, 8. März. Von hier schreibt der Correspondent der „Pr.": Die vorgestrige Nummer des „ Moskowskij Listok" brachte folgende Mittheilung: „Unter Verfügung des Ober- Polizeimeisters wurden 300 Juden aus Moskau ausgewiesen. Dieselben wurden am Schabbes eingefangen. Gebe Gott, es gelänge den Anstrengungen unserer Polizei, die Hauptstadt Rußlands von den in allen Stadttheilen verbreiteten Juden zu befreien." — Ich telegraphirte Ihnen den Inhalt dieser Notiz, doch merkwürdigerweise ließ die Censur die Depesche nicht passiren . ... . Liegt schon in der Stylisirung dieser Notiz die ganze Gehässigkeit gegen den von allen Seilen angefeindeten Volksstamm, so muß es noch viel mehr Wunder erregen, daß die Censur eine solche Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen die Juden in Moskau drucken läßt. Der „Moskowskij Listok" hat in Moskau allein an 8000 Abonnenten, welche sich aus dem Kteinbürgerthnm und ans der Hefe des Volkes recrntiren. Diese rohe Volksklasse schwört zur Fahne Pastuchow's, des Redacteurs dieses Blattes, welches in Folge seiner Hetzartikel gegen Deutsche und Juden in kaum einem Jahre die Auflage aller Moskauer Blätter überflügelt hat. Noch einige ähnliche Mittheilungen im „Listok" und wir haben zu Ostern eine Judenhetze in optima forma. Daß Moskau bisher von Judenverfolgungen durch den Mob verschont blieb, ist ausschließlich dem Generäl-Gouverneur Fürsten Wladimir Andrijewitsch Dolgorukow zu verdanken. Allein, seiner edlen Gesinnung spottend, führt die PoMi und die Tagespresse a la „Listok" den Krieg gegen die Juden. Bon den meisten Maßnahmen gegen.die Juden weiß Fürst Dolgorukow nichts und 'die aufreizenden Artikel liest er kaum, da seine Zeit so vielseitig in Anspruch genommen wird. -Unter den früheren Oberpolizeimeistern fanden Klagen gegen die Polizei ein williges Ohr beim Fürsten Dolgorukow; gegenwärtig fürchtet man, gegen Verfügungen des Polizeichefs au den General-Gouverneur zu appelliren, weil es bekannt ist, daß der Polizeichef Generalmajor Jankowsky eine persona gratissima bei Jgnatiew ist. Odessa, im März. Ein Correspondent der „Köln. Z." schrieb dieser zuerst aus Moskau, dann aus Odessa, daß sich hier eine jüdische Sekte gebildet habe, welche sich „Neu- Jsrael" nenne. Wir glauben/daß das Ganze das Produkt irgend eines phantasiereichen Individuums ist. Den Beweis' hierfür liefert das vom Correspondenten mitgetheilte Glaubensbekenntniß der neuen Sekte in zwölf Paragraphen, die sich unter einander in Widersprüchen bewegen. Der erste Artikel nämlich besagt, daß unter Verwerfung des Talmuds „sie den Glauben an die fünf Bücher Mosis im buchstäblichen Sinne fefthalten," während im zweiten der Sabbath auf den Sonntag verlegt, im dritten die Beschneidung verworfen, im fünften auch die mosaischen Speisegesetze abgeschafft werden. Abgesehen von diesen, nur durch einen völligen Ignoranten zusammengestellten Widersprüchen zeigt auch der zwölfte Artikel das Ganze als eine Fabel. In ihm heißt es: „Zur Unterscheidung von den Talmudisten wird die Sekte „Neu-Jsrael" ein Abzeichen an der Kleidung tragen." Kann ein Vernünftiger auf einen solchen Gedanken kommen und annehmen, daß ihm Anhänger zufallen würden? Kann Jemand in Rußland meinen, daß der die Juden verfolgende Pöbel an diesen! „Abzeichen" nicht erst recht den Juden erkennen und einen Unterschied zwischen ihm und seine Stammesgenossen machen würde? . Odessa, 5. März. Bekanntlich ist der General Gurko gegenwärtig General-Gouverneur Hierselbst. Als Gurko sich bei seinem Amtsantritte die Redacteure der hiesigen Blätter; vorstellen ließ, wendete er sich besonders an den Redacteur! des antisemitischen Hetzblattes „Novo-rossiski-Telegraph", Herrn Osmidow, und ersuchte ihn, in seinem Blatte nicht mehr, wie bisher, den Kreuzzug gegen das Judenthum zu predigen :

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