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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-28 · Heft 13 (28.3.1882) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 13 (28.3.1882)
Date
1882-03-28
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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Arbeiter und Geschäftsleute. Hinzu kommen in den Dörfern und Städten die Brauereibesitzer, Mastviehzüchter, Grundstückspächter, Mühlenbesitzer, Restaurateure, Gastwirthe, selbst die unbegrenzte Anzahl der Bäcker werden davon betroffen. Die meisten dieser Beschäftigungsarten sind besonders in Westrußland in den Händen der Juden. Was die an und für sich" schon so stark herabgekommene Gesammtheit darunter leidet, wenn der vierte Theil plötzlich völlig arm und brotlos wird, ist leicht zn ermessen. -- So weit Dr. Rülf. Nach neuesten Berichten hat der Kaiser den ihm vom Grafen Jgnatieff vorgelegten Entwurf zu obiger Verordnung nicht bestätigt, da sie nicht bloß den Juden, sondern auch den Christen zum größten Schaden gereichen würde. Die Colonisation in Palästina. Wir haben uns stets (vgl. zuletzt Nr. 7, 8) gegen jeden Versuch einer größern jüdischen Colonisation in Palästina erklärt, weil die Beschaffenheit des Landes, der Bevölkerung und der Regierung nur das Mißlingen eines solchen verbürgt. Wir haben heute das Urtheil eines Mannes wiederzugeben, dem, wie Niemandem sonst, die gründlichste Sachkennniß und die. entschiedenste Unparteilichkeit einwohnt. Herr Charles Netter, der Begründer und Beschützer der jüdischen Ackerbauschüle bei Jaffa, sendet uns folgende Erklärung zu, die wir in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben. Die Redaktion. Ist die Kolonisation der russischen und rumänischen Juden in Palästina wünschenswerth? Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage übergehen, wollen wir uns klar machen, welches das Schicksal der Colonieen gewesen, die in den letzten Jahren in diesem Lande versucht wurden. Die erste -wurde vor fünfzehn Jahren von Amerika an den Thoren Jaffa's begründet. ' In weniger als 18 Monaten mußte der Generalkonsul der Vereinigten Staaten, der in Alexandrien wohnt, die Ueberreste wieder zurückexpediren. Die zweite wurde vor zwölf Jahren von Württembergern theils eine Meile nördlich von Jaffa, theils in der Umgegend von Cai'ffa gegründet. Die Mitglieder der beiden Gemeinden führen, nachdem sie die Hilfsmittel, die sie aus ihrer Heimath mitgebracht, erschöpft hatten, eine Prekäre Existenz auf Kosten von Unterstützungen, die in Deutschland und Amerika gesammelt werden. Die dritte wurde vor zwei Jahren von ungarischen Israeliten zwei Meilen von Jaffa gegründet, nach der ersten Saison ist sie auseinander gefallen. - Die Ursachen des Nichtgelingens dieser Unternehmungen find folgende: 1. Die schlechte Beschaffenheit der Grundstücke, die in gesunden Distrikten erworben werden. > 2. Das Gesundheitsschädliche der guten Grundstücke. Alle guten Ländereien in gesunder Gegend sind schon in Händen der Araber, die man - nicht daraus vertreiben kann. 3. Die Schwierigkeit für die Menschen aus dem Norden, bei so glühender Sonnenhitze zu arbeiten. 4. Die Conkurrenz der Araber, welche, da sie keine Bedürfnisse haben, zu Preisen produziren, welche sich für Europäer nicht lohnen. 5. Das Fehlen des Schutzes gegen die Araber, welche, entweder sie selbst oder ihr Vieh, die Culturen verwüsten. 6. Der Modus der Steuererhebung, welcher den Landbebauer mit dem Zehentenpächter in Streit bringt nnd bei Streitigkeiten ihn dem Belieben einer corrumpirten Justiz überläßt. Zu diesen Ursachen des Mißerfolges kommt für unsere Glaubensgenossen noch hinzu: 7. Die religiösen Vorschriften, die besonders den Ackerbau in Palästina betreffen: der Zehenten und Schmitta, vortreffliche Einrichtungen, wenn sie für das ganze Land bestehen, aber nachtheilig im gegenwärtigen Zustande. 8. Die Thatsache, daß Keiner von ihnen Landmann ist und wenn es wenige Beispiele giebt, daß Kaufleute oder Handwerker in ihrer Heimath Ackerbauer geworden sind, so giebt es keines, daß er es in einem so verschiedenen Klima geworden ist. 9. Die pekuniären Verhältnisse der Emigranten, die ihnen den Erwerb von Ländereien, die Abgaben für die Brunnen, die Anlagen, den Ankauf der Äckergeräthschaften, des Viehstandes, der. Sämereien und den Unterhalt ohne Produktion während der ersten beiden Jahre der Niederlassung schwer machen-würden. Eine jüdische Colonie müßte unter Anderem für einen Gebetplatz, eine Schule, ein Bad, eine Apotheke und das für diese Anstalten nöthige Personal sorgen. Verspricht die Colonisation in Amerika mehr Erfolg? Von all' den Schwierigkeiten, die für Palästina bezeichnet sind, gelten nur zwei für beide Länder: die der Unzulänglichkeit des Kapitals und die der Unfähigkeit der Colonisten. Wenn der ersteren auch abgeholfen würde, die zweite, das ist wahr, bliebe bestehen, aber doch mit verminderten Schwierigkeiten. In der Thal, im Falle. des möglichen, wenn nicht wahrscheinlichen Mißerfolges wären die unglücklichen Colonisten Palästinas dazu gezwungen, die Zahl der Theilnehmer an der Haluca zu vergrößern und das unter den Israeliten des Landes schon so große Elend noch zu vermehren, während sie in den Vereinigten Staaten sofort eine Verwendung für ihre Intelligenz und ihren Fleiß finden würden, eine Verwendung, die in diesem wohlhabenden Lande Menschen mit gutem Willen nie. fehlt. '

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