Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1882)
- Date
- 1882-03-28
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Gottesfurcht (Wh. 6, 25.), denn durch sie hat'auch der Segen größere Dauer (Jsthm. 3, 4.) Er sagt von sich selbst aus: ' ' „Ich will stets die Gottheit, die mich lenkt, Treulich Pflegen und sie verehren nach meiner Kräfte Maß." (Pyth. 3, 108.)2) In schönen Versen feiert er die Allwissenheit des Phöbos, selbstverständlich hiermit die Allwissenheit der Gottheit der« stehend. „Fragst du, o Herrscher, und weißt doch Aller Dinge Weg' und Ausgang: Weißt, wie viele Blätter im Lenze die Erd' hervortreibt, Weißt, wie viele Sandkörner im Meer und in Flüssen Bon der Fluth, von Stößen der Winde gewälzt werden, Siehest klar was künftig ist, Siehst auch von wannen es kommt." (Pyth. 9, 44.) und kein Mensch vermag, was er verübt, Gott zu verbergen (Ol. 1, Str. 3.). Die Geschicke der Menschen werden von den Göttern geleitet, denn „Des Zeus großer Geist steht ja am Steuer Des Geschickes theurer Männer."3) (Pyth. 5, 114.). Ja, alle Tugenden und Kräfte des Menschen kommen von der Gottheit: „Denn von den Göttern gehen alle Anlagen 4) Menschlicher Tugenden aus, Weiser Sinn und Armes Gewalt Sammt der siegenden Zunge Macht." (Pyth. 1/41. vgl. Ol. 9, Ep. 1. Jsthm. 3, 3.) besonders wird der Mensch durch die Gunst eines Gottes „starkarmig, gliedergewandt, voll Kraft ün Blick". (Ol. 0. Ep. 4.) Darum warnt der Dichter „die Götter nicht zu lästern, denn das wäre sträflicher Vorwitz" (Ol. 9, Str. 2.). — Man kann ohne Zwang aus den angeführten Stellen die Begriffe der Allwissenheit, der Vorsehung und daß in der Gottheit der Quell aller Tugenden sei, ziehen. Abseits aber dieser Vorstellungen, welche, wie wir sahen, den Geist des Sängers einnahmen, wandelt er in all dem mythologischen Dunst, wir möchten sagen in all den Verkehrtheiten, welche der hellenische Mythos über die Götterwelt ausgebreitet hat. Pindar liebt es, indem er in seinen Gesängen die einzelnen Gottheiten feiert, Alles in dichterischem Gewände zu erzählen, was im Munde des Volkes von den Göttern lebt. Dabei ist seine Darstellung so plastisch und individuell, daß 2) Wir zitiren hier nach der trefflichen Uebersetzung von C. F. Schnitzer (Stuttgart, Hoffmann 1860), so jedoch, daß wir sie nach dem Texte verändern, wo sie uns nicht wortgetreu erschienen, und es auf den genauen Wortsinn ankommt. Die Zitate aus dein Psalnrbuch sind unsrer eigenen Uebersetzung entnommen. 3) Durch den Ausdruck uvöqwv (plXwv mvb dies allerdings auf die vom Zeus geliebten, begünstigten, geschiitztenMenschen beschränkt. 4) tua %aval tiügul. etwa an Allegorien, an Personifizirung von Naturerscheinungen, an poetische Ausgestaltung bestimmter Ideen nicht im Entferntesten zu denken ist. So werden die Götter vor Allem durch Altar und Opfer, durch den Brand fetter Lämmer erfreut (Ol. 7, Str. 3. '5. Nem. 11, 5.). Sie begaben sich aber auch zu den Festgelagen bevorzugter Menschen (Ol. 1, Str. 2), so daß sich der Dichter sogar einmal verwahren muß, „den Seligen Fr aß gier"/) zuzuschreiben (das. Ep. 2.). Sie rauben schöne Knaben zum Olymp hinauf (das. Ant. 2.) und erzeugen menschliche Kinder, und überlassen dann das Weib einem Gemahl (Ol. 6, Str. 3. 9. Str. »3.). Der Dichter weiß auch, daß „der Groll der Götter" nie erfolglos bleibt (Pyth. 3, 10.); aber was er wiederholt hervorhebt, - das ist der Neid der Götter auf das Glück eines/Menschen (Pyth. 10, 20.). Dem Dichter selbst ist „unaussprechliches Leid " widerfahren, doch ist ihm „heiterer Tag verliehen nach Sturmwetter." Er fährt fort: „Ich singe jetzt, Mit Kränzen das Haar geschmückt; Nur trübe wieder das Glück Der Götter Neid mir nicht." (Jsthm. 6, 38.) Ja, der Sänger spricht als einen Allgemeinsatz aus, daß „die Götter auf ein Gut dem Sterblichen zwei.Uebel geben" (Pyth. 3, 81.). Diese Art, die bösen Geschicke des Menschen zu erklären, ist allerdings weit ab von den Anschauungen des Buches Hiob! Wir erkennen vielmehr in ' allem diesem, wie im hellenischen Geiste das Göttliche und das Menschliche ineinanderflossen und sich die Scheidewand beider kaum erkennen läßt, obwohl auch unser Dichter wiederholt ausspricht, daß Götter und Menschen sehr verschieden seien, und die letzteren verwarnt, sich im Glücke nicht für Götter zu halten — eine Mahnung, die bekanntlich für die römischen Cäsaren eine vergebliche war. Es kann uns darum auch nicht verwundern, wenn unser Sänger, Göttern und Menschen einen und denselben Ursprung zuschreibt. Der sechste Nemeische Siegesgesang beginnt mit den Versen: „Eins ist der Menschen, eins der Götter Geschlecht: Bon einer Mutter athmen wir beiderseits, Aber gänzlich geschieden trennt uns der Kräfte Maß, So daß das Eine ein Nichts, dort der eherne Himmel Bleibt ein ewig sicherer Sitz. ' Dennoch gleichen in etwas, Sei es an hohem'Verstand oder an Wesens, wir den Unsterblichen; ■ Wissen wir gleich nicht, welchem Ziel, - 5) yaotQlpaQyoq Gefräßiger, Schlemmer. . 6) Schnitzer übersetzt „oder an Körperkraft." Wir glauben aber nicht, daß die Worte tfroi <pvwv berechtigen, den Gegensatz zu voov so scharf zu verstehen, daß damit „Körperkraft" gemeint sei, da (pvoLc vielmehr die Natur, die natürliche Beschaffenheit, das Wesen MWtz