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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-21 · Heft 12 (21.3.1882) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 12 (21.3.1882)
Date
1882-03-21
Page
Seite 196 (sequence 16)
Language
German
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phien gegeben und fügt diesen im vorliegenden Hefte 14 andere hinzu, worunter auch 2 Frauen. Die Gegenwart hebt oft Personen in einen gewissen Vordergrund, die einige Zeit später vergessen sind; und umgekehrt bringt nicht selten die Zukunft Menschen zur rechten Anerkennung, welche von ihren Umgebungen nicht gewürdigt worden. Immerhin aber besteht die Reihe der verdienstvollen ungarischen Israeliten, die der Berf. in fein biographisches Beth-El bringt, aus tüchtigen Menschen, von deüen die meisten noch den Vorzug besitzen, das, was sie geworden, selbst, aus sich gemacht, was sie geleistet, aus eigenem Impuls und mit eigenen Kräften geschaffen zu haben. Denn die große Mehrzahl der hier Biographirten entstammt der Übergangsperiode, welche Ungarn überhaupt und die ungarischen Juden insbesondere zur Höhe, der modernen Kultur durchzumachen hatten. Der Vers, ist ein durchaus guter Mensch, der aus dem Grunde seiner Seele Alles gern im rosigsten Lichte sieht, und alle seine Personen mit liebevollem Pinsel malt. Wir trauen ihm zu, daß, wenn ihm Jemand nicht gefällt, und er an ihm derb zu tadeln hätte, er ihn lieber links liegen ließe, auch wenn er noch so bedeutend wäre. Man sage nicht, daß ihn hierzu schon der Titel verpflichte, den er seinem Buche gegeben. Denn das alte Beth-El war ein ominöser Name, den die Könige von Israel in argen Mißkredit brachten. Doch unseres Verfassers Hingebung und Eifer sind lauterer Art. Der Styl des Verf. leidet allerdings bisweilen an zu großer Schwunghaftigkeit, und dann streut er zu viele hebräische Worte und Phrasen ein, so baß er nur gewisse Kreise anzusprechen vermöchte. — Seit fcem Avö-Lallemant im Ulten Theile seines „Deutschen Gaunerthums" (Leipzig, Brockhaus 1862) das jüdisch-deutsche Idiom so trefflich bearbeitet und insbesondere die grammatische Behandlung desselben erforscht und dargestellt hat, sind auf diesem Gebiete zwar einige kleine Broschüren erschienen, aber nichts von Bedeutung geleistet worden. Jetzt liegt uns vor: Jüdisch-deutsche Chrestomatie. Zugleich ein Beitrag zur Künde der hebräischen Litteratur. Von Dr. Max Grünbaum. (Leipzig, Brockhaus 1882.) In einem starken Bande (587 S.) giebt der Berf. theils eine Analyse, theils Auszüge ans jüdischdeutschen Schriften, wobei er selbstverständlich vielfache Gelegenheit zu lexikographischen und etymologischen Bemerkungen hat. Das vorliegende Buch bietet daher eine umfängliche Mäterialiensammlung, aus welcher besonders das Charakteristische des jüdisch-deutschen Idioms erfaßt werden kann, wenn auch das wissenschaftliche Bewußtsein erst noch gesucht und gefunden sein will. Hervorheben wollen wir, daß der Verf. nachdrücklicher als seine Vorgänger auf die Verschiedenheit des polnischen Jüdischdeutsch von dem. in Deutschland selbst gesprochenen Jüdisch-Deutsch aufmerksam macht. Wie umfassend Das ist, was uns bier geboten wird, ersieht man schon daraus, daß in dem Buche die jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen und Glossare, gefolgt von einer Charakteristik der verschiedenen Uebersetzungen, dann die hagadischen Deutungen und Ausschmückungen, wobei auch das Z’ena u-r ena besonders berücksichtigt wird, hierauf die Bücher religiösethischen Inhalts, die Uebersetzungen des Gebetbuches und Techinnoth, die Bücher geschichtlichen Inhalts, Geschichten und Erzählungen u. A. bearbeitet werden. — Unser Freund, Herr Dr. G. Wolf in Wien hat sich ein neues Verdienst durch seine eben erschienene Schrift: „Der Neue Universitätsbau in Wien. Eine historische Studie." (Wien, Holder, 1882.) erworben. Er hat dem, besonders für Wien höchst wichtigen Gegenstände viele, auch allgemein interessante Seiten abzugewinnen verstanden. Wir heben die Anmerkung S. 70 hervor: „Tatsächlich bewilligte der Kaiser mit allerhöchster Entschließung vom 18. August 1870 die Errichtung einer öffentlichen israelitischen theologischen Lehranstalt und zugleich eine angemessene Subvention aus Staatsmitteln zur Besoldung der Professoren rc. Zu diesem Zwecke wurden auch , anfänglich 6000 fl., dann 4000 fl.^ hernach 2000 fl. eingestellt. Diese Lehranstalt wurde jedoch bis jetzt nicht ins Leben gerufen." — Zum Schluffe erwähnen wir heute einer trefflichen Predigt: „Moses' erste Predigt", gehalten im Jsrae-' litischen Tempel in Nordhausen von Rabb. Dr. David Leimdörfer (Nordhausen 1882, Selbstverlag.) Dieselbe knüpft an 2. Mos. 2, 13: „Warum schlägst du deinen Nächsten?" an, in welchen Worten der Redner eine ganze inhaltreiche und eindringliche Predigt findet, was ihm.auch nachzuweisen gelingt. Den schönen Gedanken führt er mit Geist und wärmer Empfindung aus. — Ieuilleton. Dir Lmnr-verbote der jüdischen Gemeinde von Metz ans den Jahren 1688—1697. (Schluß.) Hatten diese Herren Recht, mit diesen Maßregeln vorzugehen, und welche waren die „besonderen Umstände", in welchen sie sich befanden? Um unsren Lesern hierüber ein Urtheil zu verschaffen, citiren wir eine Stelle aus Martin Philippson's „Das Zeitalter Ludwig's des Vierzehnten", (Berlin, Grote 1879 , S. 313) aus dem Fahre 1691, als im Kriege gegen die zweite Koalition trotz vieler Siege Frankreich in eine schwere Ermattung verfiel: „Die Noth -dehnte sich in der That über das ganze Land aus. Die Höhe der Einfuhr- und Ausfuhrabgaben übte auf Ackerbau und Gewerbfleiß den beklagenswerthesten Einfluß. Getreide und

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