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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-21 · Heft 12 (21.3.1882) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 12 (21.3.1882)
Date
1882-03-21
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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Berlin vor Gericht gestanden, sogar Träger sehr illustrer erinnern und sich vielleicht auch davon überzeugen, daß gar Namen. Wenn man daraus aus das Geschlecht oder die Gesellschaftsgruppe, aus der sie stammen, allgemeine Schlüsse machen wollte, dann würde das ja entsetzlich sein." . Ferner: „Herr Stöcker wird nicht in Abrede stellen können, daß es ihm gelungen ist, durch seine Agitation gegen die jüdischen Lehrer, namentlich auch an den höheren Schulen, eine verderbenbringende Stimmung unter den Gymnasiallehrern, namentlich unserer Stadt, hervorzurufen, in einer allerdings unglaublichen Weise, aber t ie Thatsache können wir nicht leugnen. Der Neid, daß hier ein neues Element der Konkurrenz erwächst, ist groß genug gewesen, um, wie ich glaube, Kreise in die Bewegung zu ziehen, die sonst vermöge ihrer Bildung dem sich hätten verschließen sollen. Oder will Herr Stöcker etwa die Herren Förster, Henrici u. s. w. auch verleugnen? Sind sie nicht seine Apostel, die hinausgezogen sind? Vielleicht sind sie ihm nachher etwas zu weit gegangen? Als Herr Henrici in Neustettin seine Reden hielt, und als dann nachher der „Funke" den Zunder entzündete und der Brand losging, ja, da war Herr Henrici allerdings verschwunden aus Neustettin, und Herr Stöcker hatte sich gar nicht sehen lassen. Nachher erst hat er, wie er uns mittheilt, eine seiner besänftigenden Reden gehalten, wahrscheinlich eine solche, wie wir sie heute gehört haben." „Ich fürchte, Herr Stöcker täuscht sich etwas über den Charakter seiner Reden. Er bildet sich ein/ wenn er am Schluffe sagt: wir wollen das aber nicht so schlimm macheu wir wollen friedlich sein, uns mit einander verständigen,— dann wäre der übrige Theil seiner Rede gar nicht gewesen. Für die anderen Menschen erscheint oft der Schluß als etwas konventionelles, was Herr Stöcker vermöge der Gewohnheit seines Amtes an sich hat, aber der eigentliche Kern seines keine Veranlassung vorliegt, mich jetzt zu einer neuen Erklärung zu provoziren. Die Königliche Staatsregierung hat damals durch den Mund des Herrn Grafen v. Stollberg ausgßsprochen, daß sie die am Schluß der Interpellation gestellte Frage dahin beantworte, daß die bestehende Gesetzgebung die Gleichberechtigung der religiösen Bekenntnisse in staatsbürgerlicher Beziehung ausspricht, und daß das Staatsministerium nicht beabsichtigt, eine Aenderung dieses Rechtszustandes eintreten zu lassen. „Bravo! auf allen Seiten des Hauses." Die letzten Worte dieser Erklärung enthalten allerdings den Sinn, daß die Regierung jede Veränderung der Gesetze über die Gleichberechtigung zurückweise, aber ebenso wenig auf dem. Wege der Verwaltung gegen dieselben anstoßen werde. lieber dieses zweite Moment eine besondere Erklärung abzugeben, scheint auch uns, so wünschenswerth sie durch die Complikation der Verhältnisse gewesen wäre, einer Staatsregierung nicht zugemuthet werden zu können, und liegt in dem Stillschweigen über die Forderungen Stöcker's gerade deren nachdrücklichste Verurtheilung. Herr v. Puttkammer wies ferner zurück, daß die Staatsregierung der antisemitischen Agitation „kaltblütig" oder „neutral" zugesehen habe, beschränkte sich jedoch hierbei auf die Excesse in Pommern und Preußen, welche durch die Energie der Lokalbehörden schnell unterdrückt wurden, so daß seine Verfügung vom 5. August gegenstandslos geworden. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß die Frage über die antisemitische Agitation doch noch eine weit größere Ausdehnung als diese Excesse habe. Der Abgeordnete Strosser vertheidigte Stöcker gegen Virchow in seiner Weise und wirft besonders den Juden vor, zur Fortschrittspartei zu gehören und sagt: „Können sie Sinnes und seines Herzens erscheint eben in dem polemischen sich von dem Bunde lösen, treten die Juden aus dem Bunde Theil, der Anfang, Mitte und Dreiviertel des Endes aus-!mit der Fortschrittspartei "und werden wir einst ebensoviel macht und von dem wir heut wieder eine so ausgezeichnete! Juden auf der rechten Seite des Hauses sehen wie dort, Probe gehört haben. Nein, Herr Stöcker, Sie werden uns j meine Herren, dann wird der Friede wahrscheinlich bald da vergeblich den Eindruck hervorzubringen suchen, daß Sie ein sein. Ich weiß nicht ganz genau, ob daraus ein besonderer Apostel des Friedens seien; Sie sind der Apostel des!Bortheil für uns erwachsen wird, aber es ist doch immerhin inneren Unfriedens, derjenige, der nicht bloß den!möglich." Klassenhaß/sondern sogar den Rassenhaß predigt."! Auch bemerkt er: „Den Vergleich mit den geistigen und — Der Aufforderung Virchow's entsprach der Minister des j wissenschaftlichen Leistungen kann, Gott sei Dank, das deutsche Inneren, indem er sagte: „Ich glaube, ich thue doch gut,! Element noch immer mit gutem Erfolge bestehen." Das daran zu erinnern, daß in der zwölften Sitzung der vorigen! geben wir in vollem Maße zu, fragen-aber: „wozu dann Session, am 20. November 1880, aus Anlaß der bekannten! Euer Lärm? wozu Euer Geschrei über die ,>Verjudung?" Interpellation des Herrn Dr. Haenel der damalige Vizeprä- Es nimmt hierauf Abgeordneter Richter das Wort, sident des Königlichen Staatsministeriums ausdrücklich sich 'Es wurde diesem gewandten, gedankenklaren und scharfen darüber ausgesprochen hat, welche Stellung die Königliche Redner nicht schwer einen Strosser zurückzuweisen, indem die Staatsregierung zu der sogenannten Judensrage einnimmt. Juden doch sehr „dumm" sein müßten, wenn sie nach.der Ich will nur die letzten Worte nochmals rekapituliren, und Behandlung, die sie von den Conservativen erfahren, noch der Herr Abgeordnete Dr. Virchow wird sich dann daran zu denselben halten wollten. Er sagt: „Wir vertreten nur

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