Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1882)
- Date
- 1882-03-21
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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183 gegen den Wunsch der übrigen Mitglieder des Russe Jewish Committee fteittt House of Commons eingebracht, und von Mr. Slagg unterstützt. Serjeant Simon (liberal) bedauert die Einbringung der Interpellation in Uebereinstimmung mit allen, jüdischen Mitgliedern des Hauses, da sie den Anschein hat, als wollte das Haus in die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates interveniren. Baron de Worms in der Begründung der Interpellation erwähnte, daß das Reuse of Commons, bei Gelegenheit des Todes Alexander II., auf Ersuchen des Premierministers, fein Beileid der kaiserlichen Familie ausdrückte, er appellire daher an den Premierminister, auch jetzt Worte der Sympathie, wenn auch nicht mit einer so hochgestellten Persönlichkeit, wohl aber mit menschlichen Wesen auszusprechen. Er könne nicht glauben, daß der Premierminister einem ermordeten Monarchen eine Sympathie zu Theil werden lasse, die er einem ermordeten Bauern versage. Wenn es dem Baron Worms gelang, die Widerspenstigen zu fesseln und sich Beifall zu erringen, so verdankt er dies der packenden und warmen Art seines Vortrags. Es theilte sich diese Wärme nicht allein dem Publicum auf den Galerieen mit, wo sogar einmal ein ordnungswidriges Klatschen laut ward,^sondern auch dem Premier selbst; denn als dieser sich erhob, um auf die Rede zu antworten, sagte er: „Jedes Wort derselben, mag ich es bedauern oder nicht, beweist, daß sie aus dem Herzen geflossen ist." Mit dieser Anerkennung hatte Worms schon bei dem Gefühlsmenschen Gladstone gewonnenes Spiel; und in der That trug alles, was Gladstone zu diesem Lobe hinzufügte, den Stempel der Hochachtung. Die Worte des Herrn Gladstone bestätigen zur Genüge die in meinem letzten Berichte ausgesprochenen Ansichten. Er sagte, hier kann kein Zweifel obwalten, daß die Ausschreitungen eine Höhe erreicht haben, die ein schreckliches und bedauernswerthes Ereigniß in der Geschichte eines Landes und der Menschheit ausmacht. Er erlaube sich hinzuzufügen, was seiner Ansicht nach das ganze Haus fühle; wenn sie (die Mitglieder des Hauses) eine Versammlung seien, die im Allgemeinen sich zum Christenthum bekenne, wenn sie glauben, was thatsächlich der Fall ist, daß Aufgabe des Christenthums fei, ein höheres Maas (Standard) der Civilisation und Humanität aufzustellen, so müssen sie fühlen, daß diese Ausschreitungen, wenn geschehen, wie sie auch geschehen sind, mehr zu vermtheilen seien, wenn gethan bei Christen denn bei Andern. Das aber ist alles, was seine Pflicht ihm erlaube,' über die Natur der furchtbaren Ereignisse zu sagen. Es wäre für dieses Haus unmöglich, eine Adresse gemäß der Interpellation an die Krone ergehen zu lassen, ohne Unheil zu bringen. Es ist wahr, daß offizielle britische Repräsentanten Gelegenheit finden können, diesen Gegenstand zü berühren, und dieselben benutzen sollen, aber das muß losgelöst sein von jedweder öffentlichen parlamentarischen oder^ diplomatischen Action. Sein (Gladstone's) Verhalten bei Gelegenheit der bulgarischen Frage basirte nicht auf einem Parteistandpunkte, da, als sein diesbezügliches Auftreten begann, er nicht wußte, daß hier irgend eine Verschiedenheit des Parteiftandpunktes über diesen Gegenstand herrsche. Mag es recht oder unrecht gewesen sein, seine Thätigkeit basirte auf der Ueberzeugung, daß durch den Krimkrieg und den Pariser Vertrag, die unterjochten Racen der Türkei des Rechtes Rußlands zu ihren Gunsten zu interveniren, beraubt worden sind. Wir zerstörten dieses Recht des allgemeinen Friedens und der Sicherheit Europas wegen, aber vom Pariser Frieden an ist überall zugegeben worden, daß wir uns der Verantwortlichkeit nicht entziehen können, da die Consequenzen des Krimkrieges zu einem europäischen Rechte geworden sind. Auf diesem Grunde waren seine Handlungen basirt, ein Grund der hier nicht vorhanden ist. Die Intervention zu Gunsten der Polen war eine Vorstellung der europäischen Mächte, und er fühle sich genöthigt zu sagen, daß diese Vorstellung, obwohl von verschiedenen Regierungen gethan, eine verfehlte war. Im Falle Neapels habe er sorgfältig jeden officiellen Schritt feindseligen Characters vermieden. Aber Lord Aberdeen ',im Besitze eines großen Einflusses bemühte sich, seinen Vorstellungen einen Effect zu verleihen. Im Hause habe er kein Wort von der Natur einer Appellation gesprochen; er appellirte nur an die öffentliche Meinung Europas durch das Medium der Presse. Es wäre unklug der russischen Regierung die Vermuthung zu erlauben, als fympathisiren wir mit den Ausschreitungen rc. Bei früheren Gelegenheiten waren Lord Granville sowohl als Redner sorgfältig bemüht, den einen Modus zu bezeichnen, nämlich bei günstigen Gelegenheiten freundlichen Rath in dieser Sache der russichen Regierung zu ertheilen; darüber hinaus würden sie ihren Zweck verfehlen, nicht als sympathisire die Regierung mit diesem Zwecke nicht, nicht weil sie dessen Tragweite unterschätze, sondern weil sie der Ansicht sei, der vorgeschlagene Schritt würde" das in Aussicht habende Object vernichten. Eine glänzende Verteidigung, die sicherlich anders ausgefallen oder zu der Herr Gladstone gar nicht gekommen wäre, wenn nicht Rußland die betreffende Regierung wäre. In ähnlichem Sinne sprach Sir Charles Dilke; und Baron de Worms konnte daher mit bestem Gewissen seinen Antrag zurückziehen, da er das erreicht hatte, was erwollte: ein Tadelsvotum des Premierministers gegen die russische Regierung; wobei es gleichgültig blieb, ob dieser Tadel sich bloß in die Form einer parlamentarischen Rede oder einer officiellen Vorstellung kleidete. E. R. Z. v Bonn, 8. März. Nicht bloß Oxford, sondern auch die alte Universitätsstadt Cambridge hat auf Veranlassung und unter dem - . 12* " . -■