Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1882)
- Date
- 1882-03-14
- Page
- Seite 177 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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-MW 177 Zu- und Umständen, eine sehr ergiebige. Es spendeten z. B. W. Weinbaum, M. Friede, I. Lewinsohn a 500 Rbl., Heller, 250 Rbl., Rechtsanwalt Bernstein, Manulis ä 150 Rbl., Nistermann, Gütler L 100 Rbl. u. s. w. Ueberhaupt wurde am selben Abende circa 3000 Rbl. zusammen colleetirt. In Folge dessen wurde ungesäumt ein Comitö constituirt „zur Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden des Kamenezschen Kreises". Da die bedeutenden hiesigen Finanziers und die Kaufleute mittleren Standes, geschweige schon die Einnehmer der übrigen Ortschaften des Kreises sich bei dieser Sammlung noch nicht betheiligt haben, so ist mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß es gelingen wird, circa 20,000 Rubel zusammen zu collectiren. Wie ist doch hier alles anders geworden! Auf die Einladung des wirklichen. Staatsraths S. S. v. Poläkow, an der Bildung des Fonds „zur Verbreitung von Ackerbauarbeit" unter den Juden theilzunehmen, hat unsere Stadt, vor li/2 Jahren, Alles in Allem ungefähr 50 Rubel gespendet, und jetzt giebt dieselbe Gemeinde zum selben Zwecke aus eigener Initiative fast das 400fache. Dieses Factum bedarf, unseres Erachtens, keines weiteren Commentars. Keidany (Gouv. Kowno). Im Januar. (Verspätet.) Welche unheilvolle Folgen die antisemitische, richtiger gesagt, die antijüdische Bewegung, zuweilen auch für-einen Nichtjuden haben kann, ist aus folgender, vom „Hamelitz" mitgetheilter Geschichte evident zu ersehen: , Am 4. c. beschlossen 3 betrunkene Bauern, ihr Mütchen an Juden zu lühlen. Gesagt, gethan. Sie versahen sich nun mit „tüchtigen Stöcken" und stellten sich in einen Hinterhalt, neben einem Kruge, hin, mit dem festen Entschlüsse, den ersten besten anreisenden Juden zu überfallen und. ihn nach Wunsch durchzuprügeln. Bald darauf kam auch ein Wagen herangerollt, in dem ein Herr, in einen Mantel gehüllt, saß/Die Wegelagerer, die einen Juden vor Augen zu haben glaubten, stürzten sich auf den Anreisenden und bearbeiteten ihn so mit ihren Stöcken, daß sie mit ihrer. Heldenthat recht zufriedensein konnten. Aber ihre Freude währte nicht lange. , Bald stellte es sich heraus, daß der leider so jämmerlich Zugerichtete kein geringerer, als der.allseitig geliebte und geachtete, — locale Pastor sei! Der Geistliche wurde nach seiner Wohnung gebracht, und die Aerzte geben leider jede Hoffnung auf eine Wiedergenesung auf. Welche Ironie des Schicksals liegt nicht in diesem qrä pro quo! Möge dieses unschuldige Blut das letzte sein, das durch die bösen Geister der Intoleranz verspritzt wurde. Ad actum kann ich schließlich mittheilen, daß zwei der Mörder vom Arm der Gerechtigkeit ergriffen und dem örtlichen. Pristav überliefert wurden. Schließlich muß es noch constatirt werden, daß. diese traurige Affaire in einer Ortschaft geschah, die das Eigenthum des Winaschen General- Gouverneurs, des Grafen v. Todleben, ist, welcher diesen Flecken beschützt, sich der dortigen Juden stets freundlich annimmt und sie versichert, daß sie von den modernen „Unordnungen" verschont bleiben werden. Rumänien. Bukarest, 25, Februar, Deputirten-Kammer. Auf eine Interpellation des Abg. Jonescu bezüglich der Auswanderung der Juden, welche von den Londoner Comitss unterstützt werdeantwortete Bratiano, daß der Minister des Innern und der Verkehrsminister Maßregeln getroffen hätten, um die Auswanderung nach Palästina zu erleichtern. Bukarest, 26. Februar. (Orig. Telegr.) Bis heute haben sich 280 Judenfamilien zur Auswanderung angemeldet. Die Regierung unterstützt in humanster Weise die Auswanderer und versieht dieselben mit Freikarten. Amerika. Philadelphia, 20. Februar. In Philadelphia langte am 23. v. Mts. der Dampfer „Illinois" mit 325 russischen Juden an Bord an. Das Bürger-Comits wird für die Flüchtlinge sorgen , bis Heimstätten für sie geschaffen worden sind. Reichliche Landschenkungen sind ihnen in Florida, Tennessee, Texas und anderen Staaten angeboten, und ein Unterstützungsfond von 12,000 Dollars ist für sie aufgebracht worden. Ein großes Gebäude ist als zeitweiliges Heim für die Ankömmlinge hergerichtet worden. Bonn, 5. März. (Notizen.) Wieder ist ein Veteran aus der Reihe der in Kunst und Wissenschaft ausgezeichneten Juden aus dem Leben geschieden. Zu Frankfurt am Main verstarb am 24. Februar plötzlich am Schlagfluß der rühmlichst bekannte Maler Prof. M o r i tz O p p e n h e i m im 81. Lebensjahre. Er war in Hanau 1881 geboren, Schüler der Münchener Akademie, in Paris und Rom ausgebildet. Alsdann nahm er in Frankfurt dauernd seiAen Wohnsitz. Ueberaus bekannt machte er sich in den weitesten Kreisen durch seinen „Cyclus aus dem jüdischen. Familienleben", in welchem er die Scenen aus diesem und den religiösen Eeremonien mit vieler Gemächlichkeit und in sinnigster Weise darstellte. Aber auch sonst hatte, er seinen Pinsel jüdischen und biblischen Vorgängen gewidmet. Eines seiner ersten und sehr gelungenen Bilder war' „die Rückkehr eines jüdischen Freiwilligen aus dem Freiheitskriege", welches die badischen Israeliten dem Dr. Gabriel Rießer als Geschenk überreichten; dann „Moses, wie er Josua zu seinem Nachfolger weiht", ein schönes ausdrucksvolles Gemälde, welches Oppenheim für den Redacteur dieser Zeitung zu dem. von diesem Moses Montefiore gewid-