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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-14 · Heft 11 (14.3.1882) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 11 (14.3.1882)
Date
1882-03-14
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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um die Coneession nachsuchte, für ihre Jugend eine regelrechte Schule eröffnen zu dürfen, und diese Petiüon zwei Jahre lang in verschiedenen Ressorts ohne Resultat geprüft wurde, — da fand es der humane Fürst für gut, um den jüdischen Lernenden hinfort nicht die Segnungen des Schulunterrichts zu entziehen — die provisorische Eröffnung der qu. Schule einstweilen aus eigener Machtvollkommenheit zu gestatten. Wir vermögen übrigens nicht, hier Alles, was Suworow für die Juden gethan hat, zu skizziren, und müssen es einer anderen Zeit und einer anderen Gelegenheit aufsparen. Für diesmal sei es genügend, wenn es constatirt wird, daß der Verblichene,, durch seine mächtige Protection in verschiedenen Sphären, mehr als eine gute jüdische Sache in's Leben rief und durch sein , mächtiges Wort mehr als ein Unglück von uns abwandte! . . In Folge dessen kann es auch Niemand Wunder nehmen, daß der Schmerz um den Verlust eines solchen Mannes auch im jüdischen Lager ein allgemeiner ist. Ja, das Andenken an den Fürsten A. A. Suworow muß und wird bei uns heilig sein. Sind doch wir Juden weniger als alle Anderen geneigt, die uns von Seiten eines edlen Nichtjuden erwiesenen Wohlthaten zu vergessen. Entsprechend diesen Gefühlen war auch die Betheiligung der Juden bei den Beerdigungsfeierlichkeiten eine allgemeine. Unter den zahlreichen Deputationen von verschiedenen Refforts, Institutionen, Corporationen und Ständen, befand sich.auch eine solche von Seiten der Petersburgschen Juden mit einem Kranze. -In der Synagoge wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Die Verwaltung der Ebräergemeinde beschloß: in ihrem Sessionssaale das Bild des verewigten Fürsten zu placiren und auf den Namen des theuren Verblichenen acht Stipendien zu stiften und zwar zwei in der Gemeindeschule für Knaben, zwei in solcher für Mädchen und vier im jüdischen Waisenhause. Am 30. Todestage wird wiederum in der Synagoge ein Gottesdienst abgehalten werden. Auf Initiative des Herrn A. Kaplun versammelten sich ferner die jüdischen Handwerker Petersburgs und spendeten sogleich 100 Rubel, für welche Summe ein mit frischen Blumen besteckter Lorbeerkranz bestellt wurde, der lll2 Arschin breit, 3 Arschin hoch und mit folgender Aufschrift versehen war: „Dem Grafen A. A. Suworow von den, dankbaren jüdischen Handwerkern zu Petersburg." Eine große Masse Juden nahm an der Beerdigungsprocession theil. Die jüdische Deputation waren neben her der Petersburgschen Stadtverordneten plaeirt und begleitete, gleich den übrigen, den theuren Dahingeschiedenen bis in's Sergius- Kloster, wo der genannte Herr Kaplun den Kranz zu Häupten des Verewigten hinlegte. Nach beendigtem Trauergottesdienste kam die Tochter des Fürsten, Frau Koslow,- auf Herrn Kaplun zu, dankte mit tiefgerührten Worten -ut seiner Person allen Juden, die an der Feierlichkeit so warmen Antheil nahmen, und fügte-schließlich hinzu: „Nicht umsonst .hat Papa. Euch Alle so heiß geliebt." . . . So ist ein Philanthrop, in vollem Sinne des Wortes, ein Menschenfreund, der keine Unterschiede der Religion und des Standes kannte — weniger auf dem Boden Rußlands... „Alles hat einen Ersatz", sagt ein tälmudisch-rabbinischer Spruch — „wenn nun aber ein Gerechter (Zadik) das Zeitliche segnet, wer soll ihn uns ersetzen"? — — -- Aber nein, Suworow ist nicht todt. Nach unseren Religionssatzungen (Tal. Tr. Sabbath) lebt er durch das Gute, das er stiftete, in alle Ewigkeit. Demnach wird es uns wohl gestattet sein, mit den Worten, welche vor einigen Tagen an einenl anderen uns theuren Grabe gesprochen wurden, vom Fürsten A. A. Suworow, Abschied zu nehmen, nämlich: „Lebe wohl, Lebendiger!" Kamenez-Podolsk. Ende December. (Verspätet. Prü vatmitth.) Gegenwärtig wird bei uns ein Unternehmen örganisirt, dem jeder vorurtheilsfrei Denkende seine Sympathie nicht versagen kann. Bor etwa einer Woche versammelten sich nämlich mehrere Notablen unserer jüdischen Gemeinde bei Herrn. I. Herrmann, zur Erörterung der Frage, auf welche Weise, und in welcher Form soll, in Anbetracht der gegenwärtigen Lage der Juden in unserem Reiche die Hilfeleistung der hiesigen Ebräergemeinden ihre nothleidenden Glaubensgenossen 'erwiesen werden. Der beeidigte Rechts- Anwalt, Hr. K. Bernstein, hielt bei dieser Gelegenheit eine warme, schwungvolle Rede, in welcher er die derzeitigen, traurigen, jüdischen Zustände mit ergreifenden Worten schilderte und dabei auf die unumgängliche Nothwendigkeit hinwies, einen Ausgang aus. diesem Dilemma ausfindig machen zu müssen. . Ueberzeugend führte nun der Redner den Beweis, wie die Rettung der Juden sich in ihren Händen befindet. Zu diesem Behufe-müssen aber sämmtliche jüdische'Gemeinden all' ihre Kräfte dazu verwenden, um unter ihren hungerleidenden Brüdern productive Arbeit und Ackerbau zu verbreiten. Hierauf führte Redner evident aus, ..daß man zu diesem Zwecke gar nicht jener ungeheuren Summen bedürfe, durch deren Angabe man schon so oft von diesem Unternehmen zurückschrak und jeden ernsten Gedanken an die Realisirung derselben fallen ließ. Man muß sich nur solch' eine Aufgabe stellen, die den disponiblen Mitteln entspricht. „Für uns, fuhr Herr Bernstein fort, wird es einstweilen hinreichend sein, wenn es uns nur zunächst gelingen soll, wenigstens 40 unserer armen Familien zur Landarbeit anzuhalten. Ein solches Beispiel wird nicht ohne Nachahmung bleiben." Die Rede des Herrn. Bernstein wirkte zündend. Die Betheiligung bei der hierauf zu diesem Zwecke veranstalteten Geldsammlung war eine allgemeine und, bei den gegebenen

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