Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1882)
- Date
- 1882-03-14
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Hinsicht Ursache, zu klagen. Wir sind in jeder-Hinsicht den übrigen Bürgern gleichgestellt. 'Unser Landrabbiner, der seinen Sitz in Birkenfeld' hat, hat in jeder. Beziehung die gleiche Stellung, wie jeder andere Geistliche. Unsere Schulen sind da, wo die gesetzliche Kinderzahl ist, öffentliche,und sind die Lehrer an denselben vom Staate angestellt. Die israelitischen Lehrer haben dieselben Rechte, wie jeder andere Lehrer. Wie schon in Nr. 1 dieser Zeitung gemeldet , bezieht der pensionirte Lehrer Kohn 1140 Mk. Pension aus der Staatskasse. Zwei israelitische Lehrers-Wittwen beziehen aus der Staats- und Lehrer - Wittwen-Casse. ihr Wittwengehall. Um so recht zu zeigen, daß man dem Wahlspruche: „Ein Gott, ein Recht rc." nach handelt, muß ich noch Folgendes anführeü. Es besteht für das Fürstenthum Birkenfeld eine Stiftung der weiland Großherzogin Cäcilie aus 'dem Jahre 1844, aus welcher laut § 2 die Zinsen des Capitals an bedürftige Lehrer-Wittwen beider Confessionen zu vertheilen sind. Trotz § erhalten auch jetzt zwei jüdische Wittwen diese Unterstützung. Zu Synagogenbauten erhalten die israelitischen Gemeinden von der Regierung dieselbe Unterstützung, wie jede andere Confession. - So erhielt die israelitische.Gemeinde Oberstem vor einigen Jahren zum Synagogenbau eine Unterstützung von 2400 Mk. und die Gemeinde Bosen hat vor wenigen Wochen als Unterstützung zu ihrer nun Unter Dach stehenden neuen Synagoge 750 Mk. ausgezahlt erhalten. Zahlen beweisen und Thatsachen sprechen! Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. Februar. Gestern Abends traf hier mit dem Krakau-Oderberger Personenzuge der zweite Transport der armen russischen jüdischen Kinder ein, 24 Knaben und 3 Mädchen im Alter von anderthalb bis vierzehn Jahren.. Die Kinder werden hier bei verschiedenen Glaubensgenossen untergebracht und zwar bleiben die Mädchen dauernd hier, wogegen die Knaben nach zwei Monaten die Reise nach Jaffa fortsetzen sollen.;— Das in Bukarest erscheinende israel. Blatt „Aparatorul" veröffentlicht das Programm der rumänisch-jüdischen Auswanderung nach Palästina. Wien, 2. März. (Privatmitth.) Herr vr. Ludwig August Frankl Ritter v. Hochwart ist nach 44jähriger Amtsthätigkeit als Secretär der israelitischen Cultusgemeinde in den Ruhestand getreten. Seine Stellung als Secretär war nicht wie die eines andern derartigen Gemeindebeamten, da er auch sonst eine sociale Stellung einnahm und mit den Mitgliedern des Vorstandes nicht blos in freundlichem-, sondern in freundschaftlichem Verkehre stand. Tatsächlich besaß er großen Einfluß, Frankl ist körperlich und geistig rührig und rüstig, und wir wünschen ihm, daß er nun seine Muße behaglich genießen möge. :■ In Lemberg war jüngst eine Rabbinerversammlung, b welcher auch Delegirte einiger kleinen Gemeinden/erschienen. Wenn wir sagen, daß diese'Versammlung von Herrn Rabbiner Schreiber in Krakau einberufen wurde, so haben wir sie auch gekennzeichnet. Herr Schreiber will durchaus den jüdischen Gemeinden ein hierarchisches Gepräge geben und soll alles in den Gemeinden, den Vorstand mit inbegriffen, vom Rabbiner abhängen und von-welchen? War doch Herr Schreiber genöthigt, Herrn Rabbiner Dr. Guggenheim aus Kolin kommen zu lassen, welcher als Schriftführer fungirte, da keiner von den anwesenden, hochgelehrten Herren in der Lage war, dieses Amt zu übernehmen. Wie man übrigens weiß', spielt Herr Schreiber diese Rolle, die er übernommen , nicht als Krakauer Rabbiner, sondern als Reichsrathsabgeordneter, denn Herr Schreiber selbst ist ein herzlich unbedeutender Mann, der selber nicht weiß, was er will. Kam es doch im vorigen Jahre bei der Enqutzte im Ministerium vor, daß er gegen seine eigenen Gesinnungsgenossen stimmte. Die Wirksamkeit des Herrn Schreiber im Reichsrathe beschränkt sich übrigens / wie man weiß, blos darauf, mit den Polen zu stimmen. Er steht auf, wenn seine Partei sich zum Abstrmmen erhebt, und bleibt sitzen, wenn sie sitzen bleibt. Als Entschädigung verlangt er nun, daß sie auch ihn unterstütze. Trotz all' dem glauben wir nicht, daß Herr Schreiber durchdringen werde. Lemberg,, 20. Februar. Fünfzig jüdische Universitätshörer erklären in den hiesigen Journalen, daß sie sich dem Proteste der jüdischen Polytechniker gegen die fortschrittsfeindlichen Beschlüsse des OrthodoxenRabbinentages anschließen und unter der Devise „Fortschritt und Polenthum" ausharren werden. — Während des Lemberger Orthodoxen-Rabbinentages erschien ein Herr Markus Rosenfeld in der Redaction des „Dziennik Polski" und versicherte, so viel man eben nach seinem Polnisch verstehen konnte, daß sein Vater, Rabbiner in Mosciska, niemals ein „Cherem" über die dortige polnischjüdische Privatschule ausgesprochen habe. Die Redaction ersuchte Herrn Rosenfeld, sein Anliegen schriftlich aufzusetzen, woraufhin derselbe folgendes Opus zu Papier brachte: „Löbliche Redaktion In Erfahrung daß löbli. derselbe durch Einner falscher Angabe dem Hrn. Leib Rosenfeld Rabbinner zu Mosciska beschuldiget wegen Verbannung der jungen welche die Polnische-Schule besuchen, benötige daher meine Bitte im Nammen meinen Vater H. Rabbi darzustellen diesen Artikel rückrufen zu wollen/welch.es ganz falsch und erdichtet ist da. wir unsere Landsprache dengegentheil unsere Kinderen zu lernen mit aller Fleiß .anbeföhlen, bitte, mir dem Nammen den falschem Anzeiger vorzuweisen damit demselben wegen Verfeindung anzuktagen Ergebester Markus Rosenfeld-Rabiner Sohn." Auf die Frage, warum er Obiges nicht polnisch ver-