Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1882)
- Date
- 1882-03-14
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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173 dem Berliner Verein von Zeit zu Zeit Bericht überden Befund desselben. Zu diesem Co mite gehört u. A, Herr M. Pines, Vertreter des. Sir Moses Montefiore Testimonial- Fonds in Jerusalem, ein wohldenkender, wahrhaft frommer Mann, der fast jäglich die Anstalt besucht, und derselben in uneigennütziger Weise seine dankbar anzuerkennende Thätigfeit zuwendet, auch. mit dem Vorstande des Vereins in fortdauernder Correspondenz steht. Die körperliche Pflege der Zöglinge steht unter der Aufsicht des Herrn Dr. Schwarz, Arzt am Rothschild-Hospital daselbst. Beschuldigungen, welche gegen dieselbe besonders vom religiösen Gesichtspunkte aus erhoben werden, beruhen auf Entstellung oder geradezu auf Erdichtung. Der Verein hält es unter seiner Würde, jede dieser in die Oeffentlichkeit gebrachten Anklagen zu widerlegen-; er wird in seiner geräuschlosen aber segensreichen Arbeit fortfahren, mit um so größerem Muthe, als es auch an Anerkennung edler Helfer njcht fehlt. Bon Seiten eines Wohlthäters, der ungenannt bleiben will, ist der Anstalt ein Geschenk von mehr als 40,000 Mark gemacht worden, und dankbar wird der Verein die Namen derjenigen Männer gedenken, auf deren Bemühungen diese namhafte Gabe dem Verein zugeführt worden. Es sind dies die Herren Rabbiner vr. Horowitz, Adolph Baer-Goldschmit und Henry A. Franklin, sämmtlich zu Frankfurt a. M., die nun auch in den Berwaltungsrath eingetreten sind. Die an jene Schenkung geknüpfte Bedingung, daß Möglichst bald ein geeignetes Grundstück für die Anstalt erworben werde, kommt den Intentionen des Vereins in höchst erwünschter Weise entgegen, da ihm die im Statut in Aussicht genommene Erwerbung eines eigenen Hauses in Jerusalem jetzt erleichtert wird. Der Vorstand steht auch bereits in Unterhandlung über den Ankauf eines passenden. Hauses in Jerusalem und wird, sobald der Kauf perfekt geworden, nicht verfehlen, darüber Mittheilung zu machen. Eben so ist der Plan, die Anstalt auch auf das weibliche Geschlecht auszudehnen, bereits in's Allge gefaßt." Die Einnahmen beliefen sich auf Mk. 53,537, wovon Mk. 5581 für die. Zwecke des Vereins verausgabt wurden. Der Effectenbestand belief sich auf Mk. 51,100. Berlin, 2. März. Bevor in der gestrigen Sitzung das Abgeordnetenhaus in die Tagesordnung eintrat, erklärte Graf Clairon d^Hausspnville mit Bezug auf seine Ausführungen von Samstag, worin er behauptet, der Tempelbrand in Neustettin sei. wahrscheinlich durch eine Unvorsichtigkeit des bereits in Untersuchung befindlichen Tempeldieners herbeigeführt worden, daß nach ihm zugegangener telegraphischer Mittheilung die Anklöge gegen den Tempeldiener auf Beschluß des Gerichts abgelehnt worden sei. Was folgt hieraus? Daß, wenn es nicht gelungen ist, auf gerichtlichem Wege Beweise dafür heranzubringen, daß die Synagoge in Neustettin böswillig angezündet worden, doch auch der Beweis nicht gelungen istdaß der Brand auf eine andere Weise entstanden sei. Im Laufe der Debatte, die sich über die Nothstände des kleineren Bauernstandes erstreckte, sprach der betr. Antragsteller, Landrath Knebel, über den Mangel von Banken für diesen Stand und daß der kleine Bauer dadurch den Geldverleihern in die Hände falle. Er erzählte von einem Manne, der sich auf dieses Geschäft geworfen und ohne gerade unredliche Praktiken dabei auszuführen, es von fast nichts bis zu einem Vermögen von l1/^ Millionen Mark gebracht habe. Aus der Reihe der Conservativen erscholl der Zuruf „Lauter Juden!" Da erklärte Landrath Knebel, daß der Mann, von _dem er soeben gesprochen, kein Jude gewesen. Berlin, 5. März. Die Gesellschaft jüdischer Handwerker und" Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen zählte am letzten Jahresabschlüsse 498 Mitglieder,' wovon 218 ordentliche Mitglieder und 280 Ehrenmitglieder sind. An Jahresbeiträgen wurden von den Mitgliedern 4265 Mk. aufgebracht und betrugen die Gesammt-Einnahmen der, Gesellschaft, mit Einschluß eines baaren Cassenbestandes von 117. Mk. 50 Pf., 5967 Mk. 99 Pf. Die Gesammtausgaben beliefen sich, mit Einschluß eines baaren Kassenbestandes am Jahresschluß, auf 5967 Mk. 99 Pf. Die mit der Gesellschaft in Verbindung stehende Hilfsanstalt für Wittwen nud Waisen zählte am Jahresschluß 288 Mitglieder und brachten dieselben an Beiträgen 1922 Mk. 50 Pf. auf. Die Gesammt-Einnahmen betrugen, mit Einschluß eines Cassenbestandes aus dem Vorjahre von 273 ML 15 Pf., zusammen 4253 Mk. 82 Pf., die Gesammt-Ausgaben, mit Einschluß eines Cassenbestandes am 1. Januar d. I. von 302 Mk. , 87 Pf., ebensoviel. Aus dem Fürstenthum Birkenfeld, im Febr. (Privatmittheilung.) Dem Lehrer Kohn zu Sötern wurde von unserem Großherzog (von Oldenburg) das Allgemeine Ehrenzeichen n. Classe verliehen, und heißt es u. A. in dem desfallsigen Diplom: „Wir Nicolaus Friedrich Peter von Gottes Gnaden Großherzog von Oldenburg, Erbe zu Norwegen, Herzog von Schleswig-Holstein, Stormare, der Ditmarschen und Oldenburg, Fürst von Lübeck und Birkenfeld, Herr von Jever und Kniphausen rc. Wir u. s. w. haben uns bewogen gefunden, dem israelitischen Lehrer außer Dienst Michel Kohn von Sötern ein Zeichen Unserer Anerkennung seiner langjährigen musterhaften und s egensreichen Lehrthätigkeit in der Gemeinde Sötern zu geben, und. verleihen ihm daher das mit Unserm Haus- und Verdienst-Orden verbundene Allgemeine Ehrenzeichen II. Classe." Das Ehrenzeichen trägt die Inschrift: Ein Gott, ein Recht, eine Wahrheit. Treu diesem Wählspruche wird in unserem Lande gehandelt und haben wir Juden in keiner ii