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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-07 · Heft 10 (7.3.1882) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 10 (7.3.1882)
Date
1882-03-07
Page
Seite 161 (sequence 13)
Language
German
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wie ich dafür halte, schon lange hätte geschehen sollen, veröffentlicht hatte. Ich hatte die Ehre, eine Antwort von Sr. Herrlichkeit zu erhalten,-die ich, wie ich hoffe, ohne dem Anstande zu nahezu treten, zum Vortheil unserer hebräischen Mitbürger, sowie des übrigen Gemeinwesens, der Oeffentlichkeit übergeben darf. Dieselbe lautet wie folgt: „Ich danke Ihnen für Ihr Schreiben. Das beigelegte Schriftstück ist gänzlich im Einklage mit meinen Anschauungen. Ich habe lange gewünscht, einen Mann wie Sir Moses Montefiore im Hause der Lords zu sehen." Es würde, wie ich glaube, nicht schwierig sein, sich einen jüdischen Pair zu denken, dessen Worte der Weisheit und Würde im Oberhause zu Gunsten der Israeliten und nicht weniger 'zu Gunsten des wahren Christenthums und der religiösen und bürgerlichen Freiheit mit der wohlthätigsten Wirkung durch ganz Rußland und zu jeder Zeit einen Widerhall finden dürften. Ich verbleibe, mein Herr, Ihr sehr gehorsamer Diener G. B." London, 21. Februar. Die offizielle Correspondenz (Berichte von diplomatischen und Consularbeamten) über die Mißhandlungen gegen die Juden in Rußland ist heute ausgegeben und dem Parlamente vorgelegt worden. Die Reihe der 21 Depeschen reicht vom 16. Mai 1881 bis zum 25. Januar 1882 und enthält die Berichte von Sir Edward Thornton, Mr. Wyndham und dem Vice-Consul Law in St. Petersburg, dem Obersten Maude in Warschau dem Generalconsul Stanley in Odessa, dem Consul Wooldridge zu Taganrog, sowie dem Vice-Consul Wagstaff in Nikolajeff. Der Inhalt läßt sich wie folgt zusammenfassen:*) In gewissem Sinne mildern die Berichte die bisher veröffentlichten Mittheilungen hinsichtlich des extremen Grades der anti-jüdischen Verfolgungen. Der Verlust an Menschenleben und die Gewaltthätigkeiten gegen Frauen und Mädchen, welche in verschiedenen der veröffentlichten Zeitungsberichte umständlich geschildert worden waren, werden zwar in Abrede gestellt, aber Oberst Maude constatirt doch, daß während der Warschauer Krawalle an hundert Juden persönliche Gewaltthätigkeiten und Grausamkeiten verübt wurden. Auch die Zerstörungen des Eigenthums und die Plünderung der Häuser der Juden werden vollständig bestätigt. Das interessanteste Schriftstück der Correspondenz-Sammlung ist der Bericht des Vice-Consuls Wagstaff]in Odessa, in welchem derselbe den ganzen Verlauf der antisemitischen Bewegung von ihrem Entstehen an in Neu-Rußland schildert. Der General- Consul Stanley sagt in seinem Begleitschreiben an Lord Granville, daß Mr. Wagstaff der ganzen Angelegenheit eine 1) Die „Köln. Ztg." gefällt sich darin, Ausführliches aus dem, von Beschuldigungen gegen die Juden strotzenden Berichte des Biceconsuls Wagstaff in Nikolajew mitzutheilen, während sie die günstigen Referate des Generalconsuls und der übrigen Consnlen nur kurz berührt. Wir werden übrigens auf dieses Schriftstück zurückkommen. Redaktion. sehr große Aufmerksamkeit zugewendet hat und daß dessen Mittheilungen besonderer Beachtung werth sind. „Ich kann jedoch", fügt Mr. Stanley hinzu, „nicht mit allen aus den Thatsachen gefolgerten Schlüssen übereinstimmen." In einer der letzteren Depeschen des General - Consuls Stanley vom 13. des vorigen Monats sagt derselbe, daß die in der „Times" vom 11. und 13. Januar veröffentlichten Schilderungen der Mai-Aufstände in Odessa „unrichtig und übertrieben sind" und daß den Beschreibungen der Vorfälle an anderen namentlich angeführten Orten, welche die Schrecken derselben um Vieles schlimmer dargestellt haben, als ihm von Augenzeugen der betreffenden Orte angegeben wurde wenig Glauben geschenkt werden kann, namentlich was die berichteten Schändungen weiblicher Personen betrifft. Oberst Maude. giebt in seinem vom 30. Dezember datirten Berichte aus Warschau an, daß der augerichtete Schaden sich auf nahezu 100,000 Lstr. belaufe, der meistens die ärmeren Klassen der Juden betroffen habe, und daß an etwa einhundert Juden persönliche Grausamkeiten verübt wurden, unter denen 10 bis 12 ihr Leben eingebüßt hätten. Mr. Law, der frühere Vice- Consul in St. Petersburg spricht ebenfalls von brutalen Mißhandlungen, welche an verschiedenen Juden verübt wurden, schenkt aber den Erzählungen von Frauen- und Mädchen-Schändungen keinen Glauben. Seine Eindrücke über die Vorfälle resumirend, bemerkt General-Consul Stanley, daß die russischen Behörden während dieser Ausbrüche höchst apathisch und nachlässig in der Erfüllung ihrer Pflicht waren; dem brutalen Pöbel ruhig gestatteten, Juden zu plündern und zu mißhandeln, daß diese ganz entsetzlich durch den Verlust ihres Eigenthums und ihrer Heimwesen gelitten haben, und daß denselben bisher noch keine ^Entschädigung gegeben worden ist. Daß dieselben noch immer in begründeter Furcht vor ähnlichen Auftritten leben, darüber kann gar kein Zweifel herrschen. Aber während dieser ganzen Ausschreitungen haben nur wenige Verluste an Menschenleben stattgefunden, und Schändungen von Frauen sind, wie ich glaube, nur höchst selten vorgekommen. Es ist möglich, wie die „Times" angegeben hat, daß dergleichen stattgefunden haben. Es ist mir auch ein solcher Fall aus Elisabethgrad bekannt, wo ein gemeiner Soldat eine Jüdin nothzüchtigte, welche von einem Offizier unter seinen Schutz gestellt worden war. Viele Juden haben mir diesen Fall erzählt, aber Keiner von denen, die ich gesprochen, hat von anderen ähnlichen Fällen gehört." lieber den Ursprung der Gewaltauftritte ist Generalconsul Stanley der Meinung, daß die russischen Bauern nur als Werkzeuge für politische Zwecke benutzt worden sind. Rußland. Petersburg, 18. Februar. In der Unterredung Jgnatieff's mit dem Petersburger Rabbiner Drankin bezeichnete

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