Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1882)
- Date
- 1882-03-07
- Page
- Seite 160 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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MMkWMHW 160 Neva. Nur so gelang es Jstoczy 16 solche Mischen über 400 Abgeordneten, sechzehn Stimmen für seinen Antrag mit größter Mühe und Noth als Unterschriften zu gewinnen. Nun fallen sogar von dieser verschwindend kleinen Zahl drei Abgeordnete, die ihn theils vorher öffentlich, theils nach seiner Rede desavouirt, ab, ferner wenigstens noch 5 — 6 Andere, die, als es zur Abstimmung kam, einsehend, welche kolossale Albernheiten und Unwahrheiten Herr Jstoczy mit frivolem Muthe in seiner halb gehässigen, halb stupiden Rede aufthürmte, es trotz ihrer Unterschrift nicht übers Herz bringen konnten, für ihn zu stimmen, und so bleiben von vierhundert ungarischen Abgeordneten wohlgezählte sechs bis acht, die im ungarischen Parlament den Antisemitismus vertreten. Und soviel wären es denn auch'ungefähr, die nach seiner Brandrede für ihn stimmten. Hierüber für heute genug. Demnächst nachträglich noch manches -Interessante über die Geschichte des Jstoczy'schen Antrages und über die Verhandlung selbst. Zur Ehrenrettung des allerwärts als patriotisch und echt hum an denkend anerkannten ungarischen kath. Clerus muß aber schon heute ausdrücklich erwähnt werden, daß sogar die hier in Frage stehenden kath. Pfarrer des durch Jstoczy vertretenen Rumer-Bezirkes bei weitem nicht aus eigenem Antriebe ihre Petition auch auf Aufhebung der Judenemancipation ausdehnte. Sie wollten einfach nur gegen den projektirten Civilehegesetzentwurf petitioniren, und nur auf eindringliche „Bearbeitung" und wer weiß welche Vorspiegelungen ihres Glaubensgenossen und Deputirten Jstoczy ließen sie sich zu einer solchen Ausdehnung für Jstoczy herbei, und ist es hier allgemein verbreitet, daß sie Jstoczy versicherte, die Civilehe sei. ohne Aufhebung der Judenemancipation unmöglich zu verhindern. (!) Nachträglich heute mag wohl der kath. Clerus des Rumer Bezirkes selbst einiges Gefühl der Scham empfinden, so wie es auch gewiß ist, daß ihm auf diesem Wege schwerlich die katholische Geistlichkeit irgend welch anderen Bezirkes in dem von Magyaren bewohnten Theile Ungarns je folgen dürfte. Pest, 22. Febr. (Privatmitth.) Unser Pester?.-Corresp. theilt uns folgenden interessanten Fall aus verbürgtester Quelle mit. Ein Mortara-Fall in Ungarn. Bor einigen Tagen, gegen den 11. —17. d. Monates, wurde ein armes Mädchen, jüdischer Religion, in dem auf der Ofener Seite der Stadt Budapest liegenden kathol. Johannesspital eines Zwillingspaares entbunden. Die Hebamme, christlichen Glaubens, benutzte — vielleicht mehr aus Unwissenheit als aus etwaiger Bekehrungssucht — den hinfälligen Zustand der jungen Wöchnerin, um ohne ihr Befragen die Neugebornen zur Taufe beim katholischen Seelsorger des betreffenden Stadttheiles zu präsentiren. Derselbe — ein hochachtbärer gesetzestreuer Priester — verweigerte rundweg die Taufe der Neugebornen mit dem Bemerken, er habe keine Beweise in Händen, daß die Mutter der unehelich geborenen Kleinen katholischer Eonfession sei. In ihrem christlichen Glaubenseifer wandte sich nun die Hebamme an den reformirten Geistlichen Hest (X. Bezirk) und log — einen ähnlichen abweislichen Ausgang vermuthend — demselben die protestantische Eonfession der Mutter vor. Der betreffende reformirte Hilfspriester nahm auch demgemäß die Taufe an den Zwillingen nach dem Ritus seines Glaubens thatsächlich vor. Dem israelitischen Gemeindevorstand in Ofen wurde die Angelegenheit bald hinterbracht und beauftragte sie ihren Rabbi- . ner Herrn vr. Rafael Goldberg dahin zu wirken, die ungesetzliche Taufe annulliren zu lassen.- Dies geschah auch. Herr vr. Goldberg nahm sich sehr warm des Falles an, und sprach alsbald bei dem Vorgesetzten, Superintendenten des betreffenden reform. Seelsorgers vor, dem er die Sachlage vorlegte, und dabei die israelitische Eonfession der Mutter dokumentarisch nachwies. Sogleich ließ der würdige und freisinnige Superintendent (der in Budapest hochgeachtete reform. Bischof Török) die gesetzwidrige Taufe der Zwillinge mit den schönen Worten aus dem Register streichen: „Auf solche Weise das Christenthum vermehren zu wollen, fällt einem wahren Christen gar nicht ein." So steht nun die Sache. Die Kleinen werden nun dem jüdischen Glauben zurückgegeben/ die unüberlegte Hebamme aber dem Gerichte überliefert werden, da nach ungarischem Gesetze „uneheliche Kinder der Religion ihrer Mutter zu folgen haben." Allerdings ist der Fall nicht ausgeschlossen, daß selbst, die Hebamme nicht wußte, daß die Mutter israelitischer Confession ist, das dürste die Gerichtsverhandlung ergeben, da die Ofener Jsraelitengemeinde gegen die Hebamme den Prozeß anstrengen dürfte. Der Protest. Geistliche, der die Taufe vornahm, handelte in gutem Glauben, und wird wohl frei aus der Sache hervorgehen. Großbritannien. London, 20. Februar. Unterhaus. Unterstaatsfecretär Dilke erklärte auf eine Anfrage, welche der Baron de Worms in der Angelegenheit des Israeliten Levysohn gestellt hatte, die Frage wegen der Förmlichkeiten, welche die Rußland besuchenden englischer Israeliten zu befolgen hätten, sei noch Gegenstand des Schriftwechsels mit Rußland. Die englischen Unterthanen jüdischer Religion würden indessen den Schutz der englischen Regierung, zu dem sie berechtigt seien, haben, soweit dies mit den Vertragsverpflichtungen vereinbar sei. London, 19. Febr. Unter der Ueberschrift „Hebräische Pairs" veröffentlicht die „Daily News" folgende an ihren Redacteur gerichtete Zuschrift: „Mein Herr! Ich sandte jüngst dem Grafen Shaftesbury zwei Briefe, die ich zu Gunsten, der Creirung von einem oder zwei hebräischen Pairs, was,