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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-07 · Heft 10 (7.3.1882) · p. Seite 157

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 10 (7.3.1882)
Date
1882-03-07
Page
Seite 157 (sequence 9)
Language
German
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157 die betreffenden Kinder, wenn sie nicht an.dem Religionsunterrichte der christlichen Schule theilnehmen, Religionsunterricht durch einen qualificirten Lehrer erhalten. " Die Betheiligung der schulpflichtigen isr. Kinder am Religionsunterrichte hängt also nicht blos vom guten Willen der Eltern ab, sondern kann gesetzlich erzwungen werden, wie es auch in unserer Gemeinde tatsächlich eingetreten ist, wo bereits die früher renitenten Eltern ihre Bereitwilligkeit, ihre Kinder zum Besuch des Religionsunterrichtes anzuhallen, erklärt haben. Das Vorgehen unseres Herrn „Rabbiners, die renitenten Eltern durch energische Handhabung der gesetzlichen Mittel zu ihrer Pflicht zurückzurufen, wäre allen Rabbinern und Lehrern derjenigen Gemeinden zu empfehlen, in welchen ähnliche Erscheinungen hervortreten. (Würde eine gleiche Verordnung von allen preuß. Provinzialregierungen erlassen, so erhielt der jüd. Religionsunterricht mit einem Male eine ganz andere Stellung. Redaktion.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 16. Februar. Man konnte voraussetzen, daß der Tod Berthold Auerbachs eine Menge Federn in Bewegung setzen werde, um für die verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften biographische, literarische und kritische Skizzen zu liefern. Aber schon vorher hat die Nähe des siebzigjährigen Geburtstages Auerbachs, den er leider nicht mehr erleben sollte, einen Essay gebracht, von welchem wir hierMtiz nehmen müssen: „Berthold Auerbach, ein Gedenkblatt zu seinem siebzigsten Geburtstag von Wilhelm Goldbaum" in der Westermann'schen Monatsschrift, Nr. 305, S. 606 ff. Wir gestehen gern, daß diese Abhandlung viel Gutes und Zutreffendes enthält; aber in dem leitenden Grundgedanken erscheint sie uns verfehlt. Ueberhaupt ist es eine etwas zweifelhafte Sache um die modernen kritisch - literarischen Essays. Dieselben pflegen tiefer in den Geist des Autors einzudringen, während man sich früher mehr mit äußerlichen Momenten begnügte. Aber in diesem Bestreben verfolgen sie allzusehr eine analytische Methode, zerlegen und zersetzen den Genius, der das Objekt ihrer Untersuchung ist, bannen ihn an die vermeintlichen Kausalmomente fest und verlieren darüber das Original, das in diesem individuellen schöpferischen Geiste sich herausgebildet und entfältet hat. So müssen Herrn Goldbaum, weil Auerbach in seiner Jugend etwas Talmud studirt haben soll, und weil er als junger Mann Spinoza studirte, der Talmudismus und der Spinozismus die beherrschenden Faktoren in der Seele Auerbachs, die Widersprüche gewesen sein, die in ihm zur Ausgleichung kamen, aus denen heraus er seine Gebilde gestaltete; sie sollen es sein, die er inhaltlich seinen dichterischen Figuren eingesenkt und formet! zum Ausdruck gegeben habe. Wir glauben dies bestreiten zu müssen. Thatsächlich hat sich Herr Goldbaum die talmudischen Studien Auerbachs wohl so gedacht, wie sie in Polen, Galizien und in streng orthodoxen Kreisen Ungarns noch heute betrieben werden und da allerdings einen bestimmenden Einfluß auf die Entwickelung der Jünger üben. Davon war aber in Nordstetten keine Spur; der Vater Auerbachs war kein Lehrer, wie Goldbaum meint, und es war bereits ein deutsch gebildeter Lehrer, Frankfurter, bei dem, so wie bei einem evang. Geistlichen, Auerbach den ersten Unterricht erhielt; und in Hechingen ließ er bald von den ersten talmudischen Studien ab und wandte sich zu den Gymnasialfächern. Auch waren unsrem Auerbach in späteren Jahren wenige Erinnerungen aus dem Talmud selbst verblieben. Aber abgesehen hiervon, faßt Goldbaum die etwaigen Wirkungen des Talmudismus auf Auerbach, wie es uns scheint, ganz falsch auf. S. 610 sagt er:. „Das Dorfkind kommt in die Talmudschule in Hechingen; da muß es lernen, was Rabbi Akiba behauptet, und Rabbi Eliesar bestritten, Rabbi Josua vermuthet und Rabbi Tanchum verworfen hat, tausend Wenn und Aber und Trotzdem, Schluß auf Schluß, Syllogismus auf Syllogismus, ein Labyrinth von Gedanken, in das die Sonne niemals hineinscheint." „Ach, und daran hat es.hinfort immer zu tragen. Wenn es so recht aus der Seele heraus sprechen will, frei und gerade wie daheim in Nordstetten die Bauern sprechen, da legt ihm der Talmud seine knöcherne Hand auf die Schulter und die Zunge wird zaghaft, vorsichtig; der Satz, den sie spricht, wird spitz, scharf, pointirt." S. 616 sagt er: „Das führt zweifellos auf die Einwirkung der jüdischen Bibelexegese und aus die des Talmuds zurück, welcher das Denken auf Kosten der Empfindung entwickelt. Und zwar eine bestimmte Form des Denkens, nämlich die dialektische." Was hier Herrn Goldbaum vorschwebte, war der halachische Theil des Talmuds, aber gerade Dialektiker war Auerbach nicht; er war eine didaktische Natur, aber keine dialektische. „Schluß auf Schluß, Syllogismus auf Syllogismus" findet sich bei ihm gar nicht vor. Selbst wo er, wie z. B. in „Auf der Höhe" einigen seiner Figuren spinozistische Gedanken in den Mund legt, geht er nicht dialektisch vor, sondern einfach didaktisch. Er läßt sie reden, was er für sich aus dem Spinozismus mitgenommen, ohne jede dialektische Entwickelung. Herr Goldbaum übersieht vielmehr, daß es noch einen ganz anderen Zweig des Talmudismus giebt, der mit Syllogismen und Dialektik gar nichts zu thun hat, und der einen sehr bedeutenden Raum im Talmudismus und in talmudisch gebildeten Geistern einnimmt, die Agada. Und an diese gerade läßt sich. Auerbachs Wesen eher schon anknüpfen. Brauchen wir an dieser Stelle das Wesen der Agada zu charakterisiren? Ohne Pathos, ohne io

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