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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-07 · Heft 10 (7.3.1882) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 10 (7.3.1882)
Date
1882-03-07
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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Mäßigkeit, den Fleiß, die Arbeitsamkeit nnd Sparsamkeit predigen werden; wenn sie bemüht sein werden, durch ländliche Aushilfs- und Sparkassen dem Volke in der einfachsten und natürlichsten Weise aus seiner Bedrängniß zu helfen; wenn sie die zur Existenz nothw.endigen Kenntnisse verbreiten und das Volk zum Lernen aneifern. Das ist ihre Aufgabe und wenn sie diese erfüllen, wird der Segen nicht ausbleiben. Die Politik sollen sie bleiben lassen; dieser Versuch ist ihnen mißglückt." „Es möge Niemand von einer ungarischen politischen Partei — sei es welche immer — erwarten, daß sie Sondergesetze schaffen werde für einzelne Racen oder Konfessionen, daß sie einen Theil der Bürger des Landes ihres Rechtes am Vaterland berauben werde." „Wir schaffen solche Gesetze, daß unter dem Schutze derselben alle Bürger des Landes, Ungarn, Deutsche, Rumänen, Slaven und Juden in diesem Lande ihr theures Vaterland erkennen, lieben und beschützen. Dieses Eine ist „keine Frage"; hierin sind wir Alle einig." Londoner fltiefe. VH. London, 2Z. Februar. Die Kundgebung der Universität Oxford. Ich beschränke mich heute. Ihnen eine Denkschrift des Senates und der Professoren der Universität Oxford, gerichtet an den Oberrabbiner vr. N. Adler, und dessen Antwort in wortgetreuer Uebersetzung zu senden. Bei der völligen Freiwilligkeit dieses Schrittes und da 245 Professoren und Graduirte unterzeichnet haben, hat dieses Schriftstück einen allgemeinen und großen Eindruck gemacht. Man erwäge, daß zu diesen Männern eine sehr bedeutende Anzahl von Theologen von großem Rufe und anerkannter Gelehrsamkeit gehört, so daß hierdurch die Reihe der englischen Kundgebungen in glänzender Weise ergänzt wird. Das Schreiben lautet: „Sir, wir, die Unterzeichneten Graduirten der Universität von Oxford, wünschen durch Sie unfern Mitbürgern jüdischen Glaubens die Versicherung unsrer Sympathie mit Ihrem Volke in Rußland unter den drückenden Leiden und Angriffen, welche es jüngst zu ertragen gehabt, zu senden. Wir haben mit Ueberraschung und Entrüstung von Ausbrüchen gehört, welche die unvernünftigen Antipathien und barbarischen Grausamkeiten des Mittelalters zurückzurufen scheinen. Wir hoffen ernstlich, daß der Tag nicht mehr fern sein möge, wo in jenem Lande alle loyalen Unterthanen vor dem Gesetze gleich sein werden und die öffentliche Meinung Gerechtigkeit für Me ohne Unterschied der Abstammung oder der Confession sichern wird." Unterschrieben ist voran: E. Evans D. D., Nastsr of Pembroke College, Bicekanzler der Universität, und ihm folgen 245 Unterschriften, welche die Times vom 18. Februar sämmtlich aufführt. Der Oberrabbiner Dr. N., Adler antwortete: „Ehrwürdiger Herr! Ich habe die Ehre, den Empfang, der von Ihnen und 215 ständigen Mitgliedern der Universität von Oxford Unterzeichneten Adresse zu bezeugen, in welcher sie ihre Sympathie mit meinen leidenden Glaubensgenossen in Rußland, ihre Entrüstung über die Grausamkeiten, welche diesen angethan werden, und ihre Hoffnungen für den Anbruch einer Aera religiöser Gleichstellung ausdrückt. Im Namen meiner Gemeinde habe ich Ihnen unsren herzlichsten Dank für diese edle und freiwillige Erklärung zu versichern. Diese Gesinnungen Ihrer alten Universität und von Männern, deren Stellung im Reiche des Gedankens und der Gelehrsamkeit ihren Aeußerungen ein ausnahmsweises Gewicht verleiht, können nicht ermangeln, einen tiefen Eindruck und eine dauernde Wirkung in der ganzen civilisirten Welt zu erzeugen. Eine solche Erklärung kann durch sich selbst nicht verfehlen, die Verwirklichung Ihrer Hoffnungen für den nicht fernen Tag zu beschleunigen, wo überall gleiche Rechte und gleiche Gerechtigkeit als eine gemeinsame Erbschaft des Menschengeschlechts Allen zu Theil wird, ohne Unterschied der Abstammung oder des Glaubens. N. Adler, vr." Möchten sich doch die Theologen andrer Länder ein Muster daran nehmen. Bonn, 26. Februar. Eine „ÄndenLebatte" im preußischen Äbgeordneienhanse. Es ist ein eigenes Geschick, wenn wir gleich hinter den Berichten über die Verhandlung im ungarischen Reichstage und die Kundgebung der Universität Oxford eine Debatte im preußischen Abgeordnetenhause zu besprechen Haben, die zu einer Vergleichung mit den vorhergehenden Dokumenten herausfordert. Im Pester Abgeordnetenhaus kann sich Jstoezy' mit Stöcker im Berliner messen, und beide werden ziemlich als von gleichem Maß und Gewicht anerkannt werden. Aber dort stand Jstoezy ganz isolirt, hatte nur 6 oder 7.Stimmen für sich und wurde sogar von den übrigen Unterzeichnern seines Antrages verleugnet; alle Parteien, von der Rechten bis zur äußersten Linken, verurtheilten und. brandmarkten den Antisemitismus einstimmig. Hier, im preußischen Abgeordnetenhause, standen die ConservativeN auf Seiten Stöckers, das Centrum und die Nationalliberalen verhielten sich stillschweigend, und die Fortschrittspartei allein trat gegen den Antisemitismus auf. Man sieht hieraus,' daß in Preußen leider der Antisemitismus zu einem Moment des Wahl-/ kampfes geworden, und daß man ihn behufs der ml Herbste

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