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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-07 · Heft 10 (7.3.1882) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 10 (7.3.1882)
Date
1882-03-07
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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151 christlichen Wucherer in Gyöngyös, in Erlau sind notorisch. (Rufe: LläU! Großer Darm.) Ja, selbst unter den Bauern hat der Wucher um sich gegriffen; der besser gestellte- Bauer bewuchert den Häusler. Jstoezy hätte auch die guten Seiten der Juden studiren sollen: ihre Eintracht,' ihre Ausdauer, ihren Fleiß, ihre Liebe zu den eigenen Glaubensgenossen. (Rufe: LIM!) Wenn es in einem Dorfe drei Juden giebt, so nehmen sie einen Erzieher zu ihren Kindern. Jstoczy soll dahin wirken, daß auch die Christen ihre Kinder unterrichten lassen, damit sie die Juden überflügeln; denn die Sucht nach Gewinn und Reichthum ist bei allen Konfessionen zuhause. Der Vernünftige und Kluge überflügelt den Schwachen. Ich nehme den Ausschuß-Antrag an. — Hierauf nahmen Abg. Abonyi und Rohouczy, die den Antrag Jstoczy's mit unterzeichnet hatten, ihre Unterschrift förmlich zurück. Nachdem noch Jstoczy sein Schlußwort gesprochen, wurde über das Gutachten des Petitions-Ausschusses abgestimmt. Der Beschluß-Antrag Jstoczy's fiel schmählich durch: für das Gutachten erhob sich das gesammte Haus ohne Unterschied der Parteien, nur vier bis fünf Abgeordnete blieben sitzen, und die ganze Stimmung des Hauses bewies, daß man die Sache verabscheue. — Diesen Ansichten gab auch der Abg. Moritz Jokai, der berühmte ungarische Dichter, einen Ausdruck in einem Artikel des „Hon", den wir hier wiedergeben. „Sind wir Ungarn so dicht von guten Freunden umgeben, daß wir uns nur darüber den Kopf zerbrechen müßten, wie wir uns einen Feind suchen sollen? Haben wir eine solche Uebervölkerung, *ein solches Uebermaß an Kräften und Fähigkeiten, daß wir es uns zur Aufgabe machen müßten, wie wir uns des Ueberflusses an Bürgern entledigen sollen? Jeden Tag kommt irgend Jemand mit einem weisen Antrag, mit welchem eine kleine Nationalitäten-Hetze eingeleitet werden kann." „Heute kommt Einer, der wegen der Molestirungen einer sächsischen Fraktion die SiebenLürger Sachsen aus dem Lande jagen möchte; morgen will ein Anderer die patriotischen Bäcskaer oder Theresiopler Serben wegen der Demonstrationen einiger unreifer Omladinisten über die Grenze jagen; ein anderesmal wieder, hat Jemand einen Einfall, welcher der deutschen. Handels- und industriellen Welt Budapests, ja des ganzen Landes den Vernichtungskrieg erklärt; — heute hatten wir zur Abwechslung eine kleine Judenhetze." „Es wäre traurig, wenn es nöthig wäre, aber es ist ein ganz überflüssiges, weil unnöthiges Beginnen, die ungarländischen Juden gegen diese Hetzerei in Schutz zu nehmen." „Es giebt unter den Juden gute Menschen und schlechte Menschen, wie bei allen Racen und Konfessionen; es giebt unter ihnen reiche Leute und arme Teufel; es giebt Solche, die auf ehrbarem Wege sich ein schönes Vermögen erworben haben, und es giebt wieder Andere, die zugrunde gegangen sind, wie andere Sterbliche." „Es leugnet Niemand, daß es jüdische Wucherer giebt, allein, da muß nicht der Jude verfolgt werden, sondern der Wucher. Und das wird geschehen." ,)Das Wuchergesetz wird geschaffen werden, aber nicht, um den Juden den Wucher zu verbieten und dem christlichen Wucherer ein Privilegium zu geben, sondern um die Einen, wie die Anderen auf den Weg des ehrlichen Erwerbes zu drängen," „Die Juden haben auch ihre speziellen Fehler: allein, wegen dieser Fehler die 600.000 Seelen betragende, getreueste Bevölkerungsklasse des Landes, eine Klasse, die über so hervorragende geistige und materielle Fähigkeiten verfügt, an den Pranger zu stellen, ist eine so hochgradige Ungerechtigkeit, daß die Strafe dafür nichts Geringeres sein kann, als Dasjenige, was heute der von Jstoczy befürworteten Petition der Eisenburger Dechantei zu Theil geworden, nämlich: von allen Seiten verlacht zu werden. Das ganze Haus hat über diese Petition gelacht, das ganze Haus — mit verschwindenden Ausnahmen — hat sich dagegen erhoben." „Doch frage ich: Hat Ungarn eine kleine Judenhetze nothwendig? Ist es unserer so schwer wieverhergestellten Reputation, unserer so vielseitig angefochtenen Autonomie, unserem Kredit erwünscht, daß wir selbst das Kainszeichen der religiösen Verfolgung uns auf die Stirne drücken?" „Haben wir nicht das Beispiel Rußlands vor uns, wo eine große Nation durch die Judenverfolgung die Freundschaft und Sympathie ihres getreuesten Verbündeten, Englands, in das Gegentheil zu verwandeln wußte? Uud hat nicht jede Nation, die dergleichen begangen, dies bitter empfinden müssen?" „Sollen wir Ungarn jetzt, dem Beispiele Rußlands folgend, uns Feinde in der Welt suchen?" „Bei einer großen Nation respektirt man selbst die Sünden; eine kleine Nation wird selbst wegen ihrer Fehler verurtheilt." „Wir glauben, daß im ungarischen Parlament diese Hetze mit dem Empfang, der ihr heute geworden, für immer begraben ist, und daß der Abgeordnete, der diese Frage wiederholt vorgebracht hat, sich nicht angeeifert fühlen werde, sie noch einmal vorzubringen, sondern bestrebt sein wird, seine sonst so schönen Fähigkeiten und seinen untadelhasten Patriotismus auf einem anderen, würdigeren Gebiete zur Geltung zu bringen." „Den petitionirenden Seelsorgern aber geben wir zu bedenken, daß sie ihrem Berufe viel würdiger entsprechen werden, wenn sie sich bemühen, die wahre Quelle der vorhandenen Uebel im Volke selbst aufzusuchen und zu saniren, anstatt die bösen Neigungen noch zu vergiften; wenn sie dem Volke die 'io*

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