Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1882)
- Date
- 1882-03-07
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
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Redner folgenden, von 17 Abgeordneten mitunterzeichneten Beschtußantrag ein: . „H. Abgeordnetenhaus wolle den 1. Theil der Petition dem Petitions-Ausschuß, den 2. Theil aber dem Justiz- und Cuttusminister zum Studium überweisen." In kurzer, aber gehaltvoller Rede trat dann Minister- Präsident Tis za für die Postulate des Rechtes und der Freiheit gegen jene sinnlose Verirrung in die Schranken. Die Rede lautet: . „G. Haus! Im Anhänge zu dem Ausschuß-Anträge möchte ich einige kurze Worte Vorbringen, denn es ist nicht notwendig — denke: ich — und man erwartet wohl hier auch nicht, daß ich den Ausführungen des Einreichers des Gegenantrages Schritt für Schritt folge. Ich schätze jede Nation hoch; allein in Betreff jenes Vorgehens, welches die vom Herrn Abgeordneten als Beispiel angeführten Nationen in dieser Angelegenheit befolgt' haben, muß ich bemerken, daß ich jenes ruhmreiche Vorgehen Rußlands, welches dort den Israeliten gegenüber befolgt" wurde, und jenen Ruhm, daß dort ein Ukas des Czars genügt, um etwas anzuordnen, endlich, daß es dort keine streitenden Parlaments - Parteien gebe — nicht nur nicht beneidenswerth finde, sondern daß ich Dasjenige, was dort vorgeht, aüH nicht als nachahmenswerthes Beispiel acceptire. (Allgemeine Zustimmung.) In vielen Hinsichten schätze ich die große deutsche Na^ tion hoch (Hört! Hört!); allein daß in der Mitte derselben zeitweilig ebenfalls krankhafte Bewegungen zu Tage treten, das haben ja gerade wir Ungarn jüngst sehen und erfahren müssen. (Zustimmung.) Ich kann demnach nicht zustimmen, daß wir etwas befolgen sollet blos weil es auch dort geschieht. (Allgemeine Zustimmung.) Das Zweite, was ich bemerken will, ist Folgendes: Es wird wohl Niemand behaupten wollen, daß die Israeliten, oder — wie es dem Herrn Abgeordneten besser gefällt — die Juden niemals Wucher treiben, sich in keinen Schwindel einlassen, sich nicht an dem Zustandekommen eines Krachs betheiligen. Andererseits kann Niemand, ohne ungerecht zu sein, behaupten, daß die Christen keinen Wucher, keinen Schwindel treiben und keinen Krach Hervorrufen. (Beifall.) Sind ja meines Wissens jene ziemlich starken Börsenwirren, welche heute in einem Theile Europas herrschen, vielleicht nicht ge rade von Juden hervvrgerufen worden, sondern von Solchen, welche die judenfeindlichen Bestrebungen unterschreiben. (Heiterkeit.) Drittens will ich -Folgendes bemerken: Der Herr Abgeordnete sagte, es sei hier von keiner Rechtsgleichheit die Rede, sondern von einem Privilegium; denn vergebens bestehe den.Juden gegenüber die Rechtsgleichheit, kein Christ vermag sie zur Geltung zu bringen. Viktor Jstoczy (ruft dazwischen): Ich kann mit Beweisen dienen! Minister-Präsident Tißa: Der Herr Abgeordnete kann vielleicht vereinzelte Fälle anführen, welche Israeliten und Christen gleichmäßig betreffen; der Beweis für seine Behauptung aber ist, gottlob, schwer, wenn nicht unmöglich. Denn ich frage: was wären wir 13 Millionen Bewohner dieses Landes, wenn wir bei gleichen Gesetzen nicht im Stande wären, unsere Gleichberechtigung 600,000 Seelen gegenüber zür Geltung zu bringen? Es müßte uns ja den Stempel der Schmach ausdrücken, wenn dies bewiesen werden könnte. Ich habe, geehrtes Haus, versprochen, daß ich nur einige Bemerkungen machen werde; ich halte auch mein Versprechen. Ich kann nichts dafür, wenn ich auch in den Verdacht komme, zur Bertheidigung der jüdischen Umtriebe in die Schaar Jener eingetreten zu sein, welche die Ansichten des Herrn Abgeordneten nicht unterstützen. Ich kümmere mich nicht darum, wenn er mich dessen beschuldigen wird, wie er alle Parteien dieses Hauses beschuldigte, daß, weil wir einen Parlamentarismus haben, wir den Voten zu Liebe Solches thun, was unserem Vaterlüttde Verderben bringt. Ich bedaure, wenn dies seine Ueberzeugung ist, ich kann nichts dafür und kann mich darum nicht kümmern. Allein, nachdem es meine Ueberzeugung ist, daß Ungarn einen großen, richtigen und für seine Zukunft wichtigen Triumph geerntet hat, als es nach Jahrzehnte langen Kämpfen aus seinen Gesetzbüchern jene Ungerechtigkeit zu eliminiren wußte, welche darin bestand, daß ein Theil seiner Bewohner wegen seiner Religion von dem Genuß der politischen Rechte ausgeschlossen war, halte ich dafür, daß ich eine patriotische Pflicht erfülle, indem ich dagegen protestire, daß von welcher Seite immer auch nur der Schein auftauche, als wollte man den nach so langen Kämpfen so richtig gethanen Schritt ungeschehen machen. (Zustimmung.) Und eben weil ich nicht will, daß auch nur der Schein eines solchen Beginnens auf das Abgeordnetenhaus falle, nehme ich den Antrag des Petitions-Ausschusses an, wonach die Nothwendigkeit eines Studiums der fraglichen Petition nicht vorliegt, sondern dieselbe einfach abzuweisen sei. (Zustimmung und Beifall.)" Zur Bertheidigung erhebt sich dann unter großer Unruhe des Hauses Alexander Almassy, der ungefähr folgendes sagt: Die Agitationen des Abg. Jstoczy sind vor dem Hause lächerlich geworden, für gefährlich hält sie Redner nicht. Nicht die Umtriebe der Juden seien Schuld an der trostlosen Lage des Landes, sondern jene Politik, welche auch Jstoczy seit Jahren unterstützt. Nicht nur die Juden wuchernsondern fast jeder Christ der Geld hat. (Stürmische Rufe von allen Seiten: Das ist nicht richtig! Größer Lärm.) Die