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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-03-07 · Heft 10 (7.3.1882) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 10 (7.3.1882)
Date
1882-03-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Sir.' 92) und Oesterreich bei allen Postämtern , außerdem durch den' Buchhandel. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippssn in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Zn redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. ' 46. Jahrgang. Leipzig, den 7. März 1882. JVo. 10. lnkslt. Leitende Artikel: Die Judenfrage vor dem ungarischen Reichstage. — Londoner Briefe. VII. — Eine „Judendebatte" im preußischen Abgeordnetenhause. — Russische Briefe. I. — Vom Religionsunterrichte. II. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Hamburg. — Oesterrerch-Uugarn: Pest. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. Pest, 19. Februar. Die Zudensrage vor dem ungarische» Reichstage. Die von Victor Jstoczy im Namen der Geistlichkeit des Vasvarer Bezirkes eingereichte Petition, worin, wie in b. Zeit, bereits mitgetheilt, das Verlangen gestellt wird, daß der Gesetzentwurf über Ehen zwischen Christen und Juden zurückgewiesen und das Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden (G. A. XVII.: 1867) aufgehoben werde, gelangte in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses zur Verhandlung. Die Juden hatten gestern einen „großen Sabbath" und unser Jstoczy, dem es mit dem zweiten Theile der Petition selbst nicht Ernst war und wahrscheinlich nur die Gesinnungen und Ansichten des ungarischen Abgeordnetenhauses über die Judenfrage kennen lernen wollte, unser Jstoczy konnte sich überzeugen, daß in Ungarn eine Judenfrage nicht existirt und daß Ungarn für Judenhetzen Nicht der geeignete Boden ist. Die Verhandlung nahm einen sehr günstigen Verlauf. Der Petitions - Ausschuß wies die Zumuthung selbstverständlich zurück; er beantragte, daß das Haus in dieser Frage mit ganzer Entschiedenheit Stellung nehmen und aussprechen möge, daß es die verlangte Maßregel als eine verwerfliche ablehne. Der Referent des Petitions-Ausschusses, Herr Abgeordnete Berzewiczy vertrat das Gutachten in einer vortrefflichen Rede. Er sagte u. a.: „ G.. Haus! Im Leben einer jeden Nation können Krisen eintreten, die auch außerordentliche Verfügungen erheischen. Es kann Zeiten geben, in welchen eine Suspendirung gewisser politischer oder ' bürgerlicher Rechte, eine Beschränkung der wirthschaftlichen Freiheit begründet erscheint: ich will nicht im Prinzip billigend oder tadelnd über solche Maßregeln urtheilen; ich glaube: wer mitten Thatsachen der Geschichte nicht in Widerspruch gerathen will, kann die in verhängnißvollen Augenblicken bewährte rettende Kraft solcher Verfügungen nicht leugnen. Aber es giebt ein Prinzip, von welchem, wenn es ein« mal von einem Staate angenommen ist und hiedurch die erste Bedingung eines modernen Rechtsstaates geschaffen wurde, nicht mehr abgewichen.werden kanndenn von diesem Prin« zip abzuweichen hieße so viel, als die tiefsten Grundlagen der Staatsverfassung zu erschüttern, das leitende Prinzip des Staatslebens zu verleugnen, die ewig lebendigen Kräfte des Staates zu lähmen, — und das ist das Prinzip der bürgerlichen Rechtsgleichheit. Das vorliegende Gesuch bezweckt eine flagrante, Verletzung dieses Prinzips, und darum hielt es der Petitions-Ausschuß für seine Pflicht, dem geehrten Hause eine abweisende Erledigung zu beantragen." Hierauf ergriff Victor Jstoczy das Wort, in seinem Eifer vergaß, er sich so weit, daß er die Juden eine „parasitische Schacherhorde" nannte, weshalb ihn der Präsident ermahnte, i in seinen Ausdrücken vorsichtiger zu fein. Zum Schluß reichte io

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