Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1882)
- Date
- 1882-02-28
- Page
- Seite 142 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Odesa 1× ep/1000834
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Wurde ihm geantwortet, es sei ganz überflüssig, daß Jüdinnen Hochschulen - besuchen'. : — Die 'Judenhetzen' in Rußland und damit verbundenen barbarischen Grausamkeits-Akte haben, trotz aller Versicherungen des offiziellen Rußland, noch immer nicht ihr Ende erreicht. Wie dem „Golos" aus Grodno gemeldet wird, wurde in der benachbarten Ortschaft Novodvor eine jüdische Familie ermordet, bestehend aus einem siebzigjährigen Manne, seiner Frau, zwei erwachsenen Söhnen und zwei' Töchtern im Alter von 20 und 12 Jahren. Diese sechs Personen wurden in brutaler Weise durch eine Bande von Muschiks ermordet, und nur eine achtjährige Tochter blieb am Leben. Es heißt, daß die Polizei der Mörderbande auf der Spur ist, aber die gesammte jüdische Bevölkerung ist in beständiger Aufregung und lebt in steter Furcht vor einem allgemeinen Angriffe der übrigen Bevölkerung. (Auch aus Odessa schreibt man uns, daß „man geradezu auf einem Vulkane wohne!" Redakt. der A. Z. des Judenth.) Petersburg, 14. Febr. Aus Petersburg wird folgender, freilich noch sehr dunkler Artikelder die Welt .auf die Lösung der Judenfrage in Rußland vorbereiten soll, in der „Pol. Corr." veröffentlicht: Unter den wichtigen inneren Fragen, die gegenwärtig in Specialcommisfionen berathen werden, steht die Judenfrage in erster Linie. Ein bemerkenswerther, diesen Gegenstand behandelnder Artikel, der kürzlich in der '„Moskauer Zeitung" des Herrn Katkow erschien und Herrn Dr. Mandelstam zum Verfasser hat, hat vielfaches Aufsehen erregt, vr. Mandelstam ist jüdischer Confession, ein ehemaliger Studirender der St. Petersburger Universität,' Doctor der Philosophie und politischen Oekonomie, gab eine Bibelübersetzung heraus und stand ehemals beim Ministerium des öffentlichen Unterrichts bei der Abtheilung für das jüdische Schulwesen in Rußland in Verwendung. Er schlägt nun in dem, gedächten Artikel für die Lösung der Judenfrage einen Plan vor, durch dessen Annahme und Verwirklichung seitens der Regierung die zahlreichen Juden Rußlands mit einem Schlage zum großen Bortheile des Landes zu vortrefflichen und nützlichen russischen Bürgern gemacht würden. Sein Vorschlag geht im Wesentlichen dahin, daß man den armen Juden unter leicht ausführbaren Bedingungen, die in dem Projekte näher bezeichnet sind, Grundstücke überlasse, so daß sie in den weniger bevölkerten < Provinzen zu ackerbautreibenden Bodeneigenthümern würden. -Das Projekt ist, was seine finanzielle Ausführung betrifft, durch einen geradezu , ingeniösen Vorschlag ergänzt, durch welchen Rußland sich in wenigen Jahren von seiner auswärtigen Schuld, welche aus den für den Bau der russischen Bahnen aufgenommenen Anleihen entstanden ist, befreien könnte und in die Lage versetzt würde, die 50 Millionen Rubel, welche die russische Regierung alljährlich in Folge dieses Anlehens >an das Ausland s zu zahlen hat, zur Erploitirung seiner inneren Reichthümer und zur Hebung der. nationalen. Arbeit zu verwenden. Die Thatsache, daß dieser Artikel in dem Blatte des Herrn Katkow erschien, beweist zur Genüge, daß er seinem Inhalte und seiner Tendenz nach den Ideen - der Regierung ziemlich entsprechen dürfte. Es wird denn > auch versichert, daß das Projekt des vr. Mandelstam in den Ministerien der Finanzen, der Domänen und des Inneren viel Anklang gefunden habe. Es ist sogar das Gerücht verbreitet, daß "vr. Mandelstam in die Kommission für die Lösung der Judenfrage berufen werden soll. Dies wäre, auch mit Rücksicht auf den vornehmen find objektiven Geist - und die tiefe Sachkenntniß dieses Mannes sehr zu wünschen." Warschau, 10. Februar. Die „Polit. Corr." schreibt: Auf Grund einer antiquirten, weil vor ungefähr dreißig Jahren erlassenen und lange nicht mehr angewendeten Verordnung, welche den russischen Juden verbietet, sich in einem Umkreise von circa 50 Werft an der Grenze niederzulaffen, gedenken einer allgemein verbreiteten und nicht widersprochenen^ Version zufolge die russischen Behörden, die an der galizischen, namentlich ostgalizischen ' Grenze seit Langem wohnenden Juden zur Uebersiedelung ins innere des Landes zu, veran-' lassen. Gegen diese unerhoffte, für viele jüdische Familien geradezu vernichtende Verfügung richteten nun die Betheiligten . eine Vorstellung nach Petersburg,, welche jedoch wenig Aussicht auf Erfolg hat, da, wie soeben aus Zytomicrz gemeldet ‘ wird, der dortige russische Gouverneur bereits Anstalten trifft, um seine diesbezüglich längst ergangene Verfügung zwangsweise zu vollziehen. Dieses Zürückgreifen auf veraltete find außer Üebung gekommene Verordnungen wird mit Zollrücksichten motivirt, weil der Branntweinschmuggel, der in letzter Zeit bedeutend zugenommen haben soll, von den an der östgalizischen Grenze ansässigen russischen Juden angeblich gewerbsmäßig in großem Maßstabe geführt wird und trotz', un- . längst erfolgter verhältnißmäßig bedeutender Verstärkung der russischen Grenzwache bisher nicht abnimmt. Riga, im Februar. . Wir entnehmen der „Rigaer Ztg." eine Petersburger Correspondenz, hie ein recht drastisches Bild entwirft, Sie lautet: Ueber den gegenwärtigen Stand der Berathungen in der sogenannten „Judenfrage" ist, zumal in der ausländischen Presse, so viel Erdichtetes geschrieben worden, daß es gewiß Ihren Lesern angenehm sein wird, die Sachlage kennen zu lernen. Wie. bekannt, find auf Allerhöchsten Befehl vom. 22. August a. p. in sechszehn Gouverne- . ments Commissionen zur Berathschlagung über die Regelung J der Beziehungen der Juden zur nichtjüdischen Bevölkerung constituirt worden. Am. 19.^October a. p. erfolgte nun wie- - derum der Allerhöchste Befehl zur Bildung eines „besonderen Comites" (an Stelle der bereits aufgehobenen „Commission zur.Reorganisation der.jüdischen Zustände"), das „die Judenfrage. ausführlich beprüfen, Vorschläge zur. Regelung ..der;