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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-28 · Heft 9 (28.2.1882) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 9 (28.2.1882)
Date
1882-02-28
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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einer längeren Debatte Anlaß. Im Laufe derselben bean-1 tragte' der Deputirte/ Jstodzy. unter heftigen Ausfällen gegen die - Juden,' die .Petition der -Regierung zur Prüfung der Frage zuzuweisen. Der Ministerpräsident Tiszä trat den Ausführungen Jstoczy's sehr energisch entgegen und sagte, nach seiner Ueberzeugung" ha.be Ungarn einen großen, verdienten und für die Zukunft wichtigen - Triumph errungen, als es nach Jahrzehnte langen Kämpfen die ungerechte Ausschließung, eines Theiles seiner Einwohner von den politischen Rechten..ihrer Religion wegen aus dem Gesetzbuche strich. Schließlich wurde der Antrag des Ausschussesden ersten Theil der Petition fallen zu lassen und den zweiten Theil betreffend die Eheschließung dem Justizausschusse zu überweisen/ angenommen.- (Näheres in nächster Nr.) ' Lemberg, 15. Februar. Am Dienstag 'findet hier ein Orthodoxen-Rabbinentag statt. Circa 200 Teilnehmer werden erwartet. Den Zweck der Zusammenkunft bitbet bie Agitation gegen die Reformen in der.Organisation der Judengemeinden. Die Beschlüsse werden dem Kultusminister zur Berücksichtigung bei der geplanten Reform der gesetzlichen Einrichtung von Kultusgemeinden vorgelegt werden. Großbritannien. ' ' London, 14. Februar. Consequenz ist bekanntlich keine Haupttugend der Staatsmänner. Das Cabinet Gladstone. hat den Entwurf einer neuen Geschäftsordnung für das Unterhaus eingebracht, um die Verschleppung einer Diskussion ins Unbegrenzte aus irgend einem Parteimotiv zu verhindern, indem es nämlich zukünftig dem Hause ermöglicht fein soll, den Schluß der Debatte zu beschließen. Gegen den Hauptparagraphen des Entwurfs bestehen nun viele Einwendungen auch innerhalb. der liberalen Partei, und Gladstone, wenn er sticht durch seine Autorität den Paragraphen durchbringt, wird dies als - ein Mißtrauensvotum ansehen müssen. Was thut er daher? er-verschleppt-absichtlich die Diskussion über die Adresse, damit der Antragdes. Barons de Worms, die Judenverfolgungen in .Rußland betreffend,.. nicht vor der Verhandlung über die neue Geschäftsordnung auf die Tagesordnungkommen könne,' weil er durch die Antwort, -die er auf den Antrag - geben würde, sein- Ansehen zu schädigen fürchtetda in dieser Angelegenheit die Liberalen und Conservativen übereinstimmen. Damit hat der . Premierminister aber selbst Zeinen thatsächlichen Beweis gegen seine neue Geschäftsordnung geliefert, da auf diese Weise die liberale Partei ebenso gut wie die konservative und die irische ein Mittel für gewisse Praktiken und.Kniffe verliert. Herr Gladstone bedient sich aber heute des Mittels, das er morgen verworfen haben will,- nur um die ihm verhaßte Vertheidigungder Juden zu hintertrerben, — Die „Köln. Ztg." schreibt: Madame v.. Novikow, Gladstone's russische Egeria zur Zeit der > ' bulgarischen Grausamkeiten, ist nach Rußland abgereist.. Sie hat unter ihren bekannten Buchstaben O. K. in' der^ Times die Berichte über die Judenhetzen in Rußland abzudämpfen gesucht, das ist ihr nicht so gelungen als ihr Aufputz der Bulgarenhetze. Sie wiederholt die alte, so oft widerlegte Fabel, daß die Christen von den Juden geplündert seien. Man weiß doch gewiß, wer in Rußland die Plünderer und wer die Geplünderten find. Die Vorgänge in. Taganrog haben erst jüngst den Beweis geliefert. — Der hiesige Fonds zur Unterstützung der in Rußland geplünderten und mißhandelten Juden beträgt -nun fast. 50,000 Lstt: und wird sehr bald noch höher steigen. Die Hauptcontributoren waren bisher die reicheren Israeliten, welche, wie man vor: ihnen erwarten durfte,, beträchtliche Beisteuern .geliefert haben. -Das christliche Publikum wird Nachfolgen, sobald es über die Art der Verwendung befriedigende Aufklärung erhalten haben wird: Jüdische Emigranten, welche Kapital aus dem Schiffbruch gerettet und daher den Staub des heiligen Rußland ohne große Schwierigkeiten von den Füßen zn schütteln vermochten, sind bereits in Liverpool und auch in.'London angelangt. Sie beabsichtigen, Europa für immer den Rücken zu wenden. Das Ziel ihrer Auswanderung ist in den meisten Fällen Amerika, Südafrika und Australien.- Ihre ärmeren Glaubensgenossen,, welche, nichts aus; dem Schiffbruch gerettet, vielleicht, auch nicht viel zu. verlieren , hatten — denn .es giebt ja in Polen-und Südrußland auch sehr arme Juden —~ bedürfen dagegen dringend der Unterstützungum ihre aus Auswanderung gesetzte Hoffnung zu verwirklichen. ' ' . . Rußland. Petersburg, 10.: Februar. Wenn die veröffentlichte Regierüngsnote mittheilt,- daß während der Unruhen in Südrußland gegen die Juden 3675 Personen- und in Warschau 3151 verhaftet worden seien, so-hat-sie sich hiermit kein besonders günstiges Zeugniß ausgestellt. Die Verfolgungen in Südrußländ haben eine große Zahl, von Städten, Flecken und Dörfer bettoffen und dauerten mehrere Monate/ während die in Marschau nur drei Tage dauerten, und , sich auf einen bestimmten Theil der Stadt beschränkten.- Dennoch sind daselbst beinah eben so viele Verhaftungen vorgenommen worden, wie in ganz Südrußländ zusammengenommen. Das Einschreiten muß also in Südrußland, mit Warschau verglichen, sehr wenig energisch gewesen sein. Und dann,, wie Viele sind von den oben angegebenen Verhafteten, wieder entlasftn oder 'mit einem Rubel bestraft worden? . .-. - Man.schreibt der „Wr.Allg.Ztg." aus Moskau: „Auf die Beschwerde des Professors Guerrier, Direktors der hiesigen weiblichen Hochschule, gegen den Befehl der. Polizei, daß sich -. > .jüdische Studentinnenin Moskau - nicht -aufhalten dürfen,

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