Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1882)
- Date
- 1882-02-28
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
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138 intrat, wo man Juda's Ehre angriff, sein heilig Recht ver« kümmerte, seinen Namen verunglimpft und geschmäht, hat. Stellte er doch in sich die schönste und edelste Verschmelzung des deutschen und jüdischen Geistes dar. In ihm schlug vor Allem das jüdische Herz in seiner ganzen Innigkeit und Wärme. Voll Liebe umfaßte er die ganze Menschheit, umfaßte er das Vaterland; aber sein Herz schlug darum nicht minder warm für den engen Kreis der Familie, der er entsprossen. Welch hohe Stufe des Ansehens er auch errungen, treu und innig hing er doch an ihr und trug in seinem warm fühlenden Herzen die Sorgen und Angelegenheiten eines jeglichen Gliedes derselben. Ja, hochverehrte Versammlung, nicht nur die durch des Blutes und der Verwandtschaft Bande ihm Nahestehenden, nicht nur Gattin und Kinder, nein, wir Alle, Alle haben Vieles, Großes in ihm verloren, weil wir so Vieles, so Großes in ihm besessen haben. An seinem Grabe trauert ganz Schwaben, trauert ganz Deutschland, denn Einer seiner Besten ist von dannen gegangen. Du aber, großer Todter, wie Du Versöhnung und Friede einst Deinem Volke gepredigt, so werde auch Dir droben in den himmlischen Gefilden des Jenseits Friede. Wie wir einst im Leben, auf Dein Wort gelauscht, so seien die Stimmen, die aus Deinem Grabe tönen, uns eine Mahnung, die nicht un gehört verhallen soll. . Dem Dienste der Idee war Dein ganzes Leben geweiht und auch uns soll der höhere, sittliche Gedanke durch das Leben leiten und führen. Immerfort hast Du gewirket, gestrebet und geschaffet, am Spätabend Deines Lebens noch, bis der Tod Dir den Griffel hat aus der Hand genommen. So wollen auch wir unermüdlich thätig sein, unverdrossen wirken und schaffen nach den Kräften, die uns Gott verliehen, in dem uns zugewiesenen Berufs- und Lebenskreise. Es haben die Alten ein sinniges Wort gesprochen, als .sie sagten: „Die wahren und bleibenden Nachkommen der Edlen sind ihre Werke." Und auch Deine Werke, die Erzeugnisse Deines reichen Geistes- und Gemüthslebens sichern Dir ein rühm- und segensreiches Gedenken in der Menschheit für alle Zeiten, verbürgen Deinem Namen die Unsterblichkeit, ja, diese Deine Werke, sie werden erfrischend und erquickend, erhebend und läuternd, veredlend und versittlichend wirken auf zahllose Geschlechter. So habe denn Dank, heißen Dank für den reichen Segen, den Du gestiftet, ja für Alles, was Du der Menschheit gethan und innerhalb der Menschheit Israel. Und diesen Dank für Israel rufe ich Dir nach in's Grab im Namen jener großen, die Welt umspannenden Vereinigung unserer Glaubensbrüder, im Namen der All. isr. unv., die Deinem edlen Geiste, Deinem reichen Wirken und Schaffen den Tribut ihrer dankbaren Anerkennung zollen will. . Diesen Dank spreche ich Dir ans im Namen jenes Bundes der-israelitischen Gemeinden Deutschlands umfassend und ihre Angelegenheüen vertretend auch seinerseits Israels großem Sohn, seine Huldigung darzubringen, für seine heilige Pflicht erachtet. So möge denn Dein Andenken unter uns ein gesegnetes sein und bleiben und als ein gesegnetes in unserer Mitte Gutes und Edles wirken und schaffen. Amen." Alsdann trat der berühmte Aesthetiker v. Bischer an das Grab: „Ein ehrender Auftrag", begann derselbe, „führt mich hervor aus der stillen Reihe der Trauernden, worin ich selbst gern hätte verweilen mögen. Der alte Freund und' Landsmann durfte sich aber nicht entziehen und begrüßt noch mit wenigen einfachen Worten den Todten, dessen Werth in ernster und gewichtiger Rede schon gezeichnet und gewürdigt worden ist. Hier wolltest Du begraben sein, hier bei dem stillen Dorf, wo Deine Wiege gestanden, wo Du als Knabe gespielt und gettäumt hast, hier wo Du gelebt hast in der Mitte des Landvolkes. Und Du hast wohlgethan, Du hast Dein Ende an Deinen Anfang geknüpft, Du hast wohl gewußt, daß aus diesem Boden ländlichen Stilllebens die reinste, vollste Quelle geflossen ist für Deine Dichtung. Du bist weit hinausgewachsen über diese Stille und Enge, aber mit der Reife des Bewußtseins, mit der Helle des Geistes. In erhöhtem Bilde hast Du die Zustände Deiner Heimath und des Volkes wiedergegeben in gediegenen und saftigen Farben und mit energischen Schatten. Die Schatten durften nicht fehlen; denn wo der Mensch ist, da bringt er auch seine Qual mit. Wo Du die Schatten leicht führtest, da hast Du sie gelöst durch freundliche Lichter des milden Humors, wo sie finster wurden, da hast Du sie gelöst mit dem Blitzschlag der Nemesis. So hast Du geschaffen die lebenswahre deutsche Idylle, Du bist ihr Schöpfer zu nennen, Deine Gestalten bleiben, denn sie sind greifbar, lebendig, und darum wachsen sie ans Herz, haften und wuchern fort. Durchdacht ist Alles, was Du geschrieben, durchwoben mit den Goldfäden Deines denkenden Geistes, Deinen Lebenserfahrungen , den Kernsprüchen des Volks und der Volkspoesie, den Grundlagen der Menschenkenntniß, der wahren Sittlichkeit. Du warst ein denkender Mann, Du bist mit denkender Miene die Wege des Lebens gewandelt und was Dir das eigenartige gab, das war eine seltene und ungewöhnliche Art von Denken und Phantasie. . . . Du hast Dein Pfund durch diesen Bund des Denkens und der Phantasie und durch Dein gutes Haushalten in diesem Bunde üppig verwerthet. Du hast uns den großen Denker, den großen Dulder auf welchen Dein Volksstamm mit Recht stolz ist, den Denker des Einheitsgedankens, verdeutscht, und das ist nicht der kleinste Goldstern in Deinem Ehrenkleide und nicht das schlechteste