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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-28 · Heft 9 (28.2.1882) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 9 (28.2.1882)
Date
1882-02-28
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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KMK 136 Nicht weniger bedeutend durch die Allgemeinheit der Betheiligung war das Meeting in Glasgow, das von F.Burns, eine über England hinaus bekannte Persönlichkeit, organisirt war. Aehnliche Versammlungen wareü in den meisten, größeren Provinzialstädten gehalten. Die 250 Emigranten, die vorige Woche von Hamburg nach Liverpool gingen, verließen, Liverpool am folgenden Tage nach ihrer Ankunft. Der Mansionhoüsefonds gab zur Bestreitung der Reisekosten 500 Pf. St. und zum Ankäufe der nöthigen Ansiedlüngsmittel in Anierika 6000 Pf. St. Die Blätter brachten ausführliche Nekrologe über Berthyld Auerbach. Einige waren der Meinung, die gegenwärtige antisemitische Bewegung habe den Tod des Dahingeschiedenen beschleunigt. Die Daily News meinte selbst, die deutsche conservatiye Presse, die den Tod Auerbachs nur vorübergehend berichtet, wird über kurz oder lang den reichen literarischen Schatz, den der Verstorbene der Nation zürückgelassen hat, jich aneignen. Dir Seerdigmg Derthold Auerbachs. Hechingen, 16. Februar 1882. Mit tiefer Wehmuth im Herzen kehre ich soeben von Nordstetten zurück, wo man chen Unvergeßlichen in die kühle Erde gebettet. Dort liegt er jetzt von seinen heimatlichen Bergen und Wäldern umgeben, die er durch seine Dorfgeschichten so trefflich und sinnig zu beleben wußte. Ja, fürwahr! Ueberall huschten sie heraus, die Geister der Schwarzwälder Dorfgeschichten, aus jedem Baum, jedem Strauch, jeder Hütte, um ihrem Meister und Schöpfer den Todesgruß zu bringen. Die Schwarzwaldtannen sandten unter mächtigem Rauschen auf den Flügeln eines heftigen Föhnsturms ihr Grablied dem Dichter zu. Und welches Leben zeigte sich in dem sonst so stillen Dorfe! Hit mußte sich jeder sagen, der Landvolk und Städter in großen Schaaren die „Nordfletter Steige" hinauf wallfahren sah;. Ueberhaupt strömte es von allen Seiten dem kleinen Dörflein zu, Equipagen rollten heran, schwarzgekleidete Städter mit Palmen und Lorbeerkränzen kamen vom nahegelegenen Bahnhofe Horb heraus, um zunächst der im Rathhause, einem ehemaligen Schlosse der Familie Fischer-Weickersthal, aufgebahrten Leiche einen stummen Gruß zu bringen. Das Geburtshaus, das von der Familie angekauft, ist eben einer umfassenden Renovation unterworfen und deshalb für die Leichenfeier nicht passend gewesen. Der prachtvolle Sarg aus Eichenholz mit Ebenholzeinlagen umschloß die bekannten sechs ungehobelten Bretter: Bald aber häuften sich die gewidmeten Lörbeerkranze und Palmzweige dermaßen an, Laß. vom Sarg nichts mehr zu sehen war. Sie waren gespendet von dem Großherzog und der 'Großherzogin von Baden, von den israel. Gemeinden Berlin und Hechingen, welch letztere auch eine Deputation zur Leichenfeier sandte, von dem allgemeinen Deutschen Schriftstellerverein in Leipzig, Schriststellerverein Concordia in Wien, von der Familie von Schenk und dem Abgeordneten Dumba dort, von der Redaktion der Wiener Presse, der Nationalzeitung in Berlin, der ällg. Montags- Presse in «Stuttgart und der Deutschen Rundschau; ferner von Eduard Lasker, Fanny Lewald, Paul Meyerheim- Paul Heyse, Professor vr.Lübke in Stuttgart, Julius Wolff, Robert Kaulla Würzburg, Emil Naumann- Familie Landesmann, H. Friedeberg, Paul und Rudolf Lindau u. a. m. - Um 1 Uhr Nachmittags setzte sich der Traüerzug in Bewegung, voran die Schuljugend, hierauf die Feuerwehr, von welcher ein Mann ein rothes Kissen mit 8 Orden des Verstorbenen trug, dann der Leichenwagen über und über mit Kränzen und Palmen bedeckt. Hinter diesem die Leidtragenden,, die Geistlichkeit und dann die Ehrengäste, worunter der Landtags-Abgeordnete Nußbaumer, Land- und Reichstag-Abgeordneter von Ow, der großherz, badische Minister Elftätter, der Intendant des Karlsruher Hoftheaters Gustav von Putlitz als Vertreter des dortigen Hofes, Hofbuchhändler Bielefeld (I. Vorsteher der dortigen isr. Gemeinde) von Karlsruhe, Professor Dr. von Bischer, der berühmte Aesthetiker, Dr. Kilian Reiner, Hofrath Kaulla, Dr. Vollmer und viele andere aus Wien, Breslau, Berlin, Frankfurt a. M. u. s. w. „IvttzAsr vitae scelejisque pums“ stimmte die aus dem nahen Tübingen ebenfalls herbeigekommene akademische Liedertafel an, als man das Grab erreicht hatte. Hierauf ergriff Rabbiner Dr. Silberstein aus Mühringen das Wort: Hochansehnliche Versammlung! Wir stehen an der Bahre eines Mannes, von dessen Ruhme ganz Deutschland, ja, ich darf wohl sagen, die ganze gebildete Welt wiederhallt, eines Mannes, der aus engbegrenztem Lebenskreise hervorgegangen, sich zu einer hohen, selten hohen Stufe der Anerkennung und der Würdigung im Palaste wie in der Hütte, an den Höfen der Fürsten wie in den schlichten Wohnungen des Volks sich hat emporgerungen, der, ein Fürst, ein Herrscher im Reiche des Gedankens, Großes darin gewirket und geschaffen, der seinen Namen mit den edelsten, herrlichsten Erzeugniffen des deutschen Geistes- und Gemüthslebens auf das engste verbunden hat. Wir stehen, um es mit einem Worte zu sagen, an dem Grabe, am Sarge Berthold Auerbachs. Wie ist uns doch an solchem Grabe, an solchem Sarge das Herz so tief, so wunderbar bewegt! Wie durchzittern, durchbeben doch da die mannigfachsten Gefühle und Empfindungen unser Inneres! Und ich soll Dollmetsch dieser

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