Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1882)
- Date
- 1882-02-21
- Page
- Seite 128 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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mm? -r-<v%$ 128. zwischen den Israeliten und der Masse der Bevölkerung .herbeiführen könnten, so geben wir eine Darlegung von dem wahren Stande der Dinge. Die jüdische Frage gehört zu den inneren Angelegenheiten, in welche kein Staat jemals weder die Einmischung noch Rathschläge Fremder zulassen wird, in welcher Form dieselben auch auftreten mögen. Eine Verletzung der internationalen Gebräuche wäre diesmal um so weniger zuzulassen, als jede Jntercession Mißvergnügen und Erbitterung der Massen erzeugen Und der Lage der Juden, welche als russische Unterthanen den Schutz der Regierung genießen, schaden würde. Die gegen die Unordnungen ergriffenen Maßregeln sind keineswegs schwache. Es sind im Süden 3675 Personen verhaftet und davon 2349 bestraft worden. In Warschau sind 3151 Personen verhaftet und sollen 2302 gerichtlich verfolgt werden. Die Regierung sucht nach Mitteln, um die Möglichkeit einer Erneuerung derartiger Unordnungen definitiv zu beseitigen. Die Frage ist Gegenstand der Erörterungen eines besonderen Comitös; wenn aber die Resultate gut sein sollen, kommt es vor Allem darauf an, daß die Frage nicht durch auswärtige Einflüsse und falsche Gerüchte vergiftet werde. Bonn, 12. Februar. (Notizen.) Man schreibt uns aus Teplitz vom 6. d.: Herr Rabb. Dr. Rosenzweig wird der Berufung nach Stockholm nicht folgen, sondern seiner hiesigen Gemeinde erhalten bleiben. — Man schreibt uns aus Baltimore vom 23. Januar: Herr Rabb. M. Flügel, der in Kalamazow (Mich.) fungirte, ist hierher an die älteste der hiesigen Gemeinden, Baltimore Hebrew-Gemeinde, berufen worden. Die ca. 10,000 Juden, die hier wohnen, bilden fünf Gemeinden, deren jede ihren Rabbiner hat: Hochheimer, Szold, Sab, Sneeberger und Flügel. Wir haben ein Waisenhaus, ein Krankenhaus, ein Asyl für . Alte und Hülflose und noch mehrere wohlthätige Anstalten. — Man schreibt uns aus Görlitz, Januar (Verspätet). Wenn dies hiesige Gemeinde in verhältnißMäßig kurzer Zeit zu einer von dem schönsten Frieden getragenen gedeihlichen Entwickelung gelangt ist, und sowohl in ihrer trefflichen Verwaltung, wie in ihrem Cultus, der sich gleichmäßig von den beiden Extremen fern hält, geradezu mustergültig genannt werden darf, so verdankt sie dies zum großen Theil ihrem ersten Vorsteher, Herrn Moritz Wieruszowski, der nun seit 32 Jahren ununterbrochen immer wieder durch das Vertrauen und die Anerkennung der Gemeindemitglieder zu diesem Amte berufen wurde. Ihm verdankt es die Gemeinde auch, daß sie vor 25 Jahren in der Person ihres Rabbiners, des Herrn Dr. Freund, einen Mann nach dem Herzen Gottes gefunden, der es verstanden hat, durch sein friedliches, vom echten Geiste des Judenthnms getragenes Walten, sich die Liebe und Anerkennung seiner Gemeinde, wie die Achtung seiner Mitbürger, zu erwerben. Wie sehr die4 der Fall isft das sollte ihm das Fest bezeugen, das serrie Gemeinde ihm am 27. Dec., als dem Tage seines 25 jährigen Amtsjubiläums, feierte. In der festlich geschmückten Shnägö'ge hatte ein dicht gedrängtes Publikum aus allen Kreisen und Ständen sich versammelt; nach Absingung des ersten'Liedes betrat Herr Wieruszowski, umgeben von dem Vorstände, dcis Podium, und indem er in einleitenden Worten daran erinnerte, daß „heute vor 25 Jahren in derselben Stunde und auf demselben Platze ihm die Ehre und das Glück zu Theil wurde, Herrn Dr. Freund in seinen so segensreichen Wirküngskreis einzuführen", verlas er die von der Gemeinde gewidmete Adresse, die in warmen anerkennenden Worten das Walten des Jubilars bespricht und dem Danke, wie den Wünschen der Gemeinde für die Zukunft einen tiefgefühlten Ausdruck giebt. Es erfolgte eine herzliche Erwiderung des Herrn Dr. Freund. Hieran schloß sich erhebender Männerchor-Gesang, worauf Herr Dr. Freund tiefbewegt die Kanzel betrat und anknüpfend an die Worte: „Herr, Du lehrtest mich von Jugend an und bisher zu verkündigen die Lehre Deiner Wunder, so verlaß mich auch im Alter nicht", nahm er ausgehend voll dem Text seiner vor 25 Jahren gehaltenen Antrittsrede: „Wie stehts um Euern alten Vater? Lebt er noch? (1. B. M. 43, 27) jetzt die Antwort auf diese Frage: „Es stehet gut um unfern alten Vater, er lebt noch", zum Vorwurf seiner von Herzen kommenden, zu Herzen gehenden Predigt. Nach Beendigung .derselben intonirte der Ehor Beethoven's „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre!" und zum Schluß ein, mächtig erweckendes Hallelujah von Lewändowsky. Die gesammten Solo-Partien lagen in HändeU des Herrn Cantor Scherhey und entledigte sich dieser seiner Aufgaben in glänzender Weise: Nachdem sich nach Schluß des Hallelujah der Jubilar in das Sprechzimmer der Synagoge zurückgezogen hatte, folgte ihm dahin der StadtberordUeteü- Vorsteher, Herr Steuerrath Berner, nebst zwölf Stadtverordneten. In tief ergreifenden Worten übermittelte Herr Berner seine und der Stadtvervrdneten Wünsche, worüüf Noch der Directör des Gymnasiums, die Herren Dr. Paur und Reichstags-Abgeordneter Erwin Lüders in warmer Weise persönlich und besonders gratulirten. An der Feier in der Synago'ge hatten außer fast allen Mitgliedern der Synagogen-Gemeiüde noch der Magistrat, die Stadtverordneten -Versammlung, Directoren hiesiger Schulen, Vertreter der Presse und eine Anzahl von Herren, welche dem Jubilar persönlich nahe stehen, officiell Theil genommen. — Im Hause des Jubilars erschienen gegen ein Uhr der Shnagogen-Borstand unter Führung ' des Herrn Wieruszowski, der Herr Ober-Bürgermeister Reichert nebst einigen Stadträthen, Herr Superintendent Pastor xrim. Schultze als Vertreter hiesiger evangelischer Kirche,T>eputation verschiedener hiesiger jüdischer Vereine, eine Deputation