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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-21 · Heft 8 (21.2.1882) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 8 (21.2.1882)
Date
1882-02-21
Page
Seite 126 (sequence 10)
Language
German
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1Z6 Untrrricht findet jetzt hier eine GymnasialeiiquÄe statt. Bei derselben sind außer mehreren Beamten des Unterrichtsministeriums einige Universitäts-Professoren, der Director der Theresianischen Ritterakademie und der Director des akademischen Gymnasiums und schließlich Professor Br. G. Wolf anwesend. Es mag hinzugefügt werden, daß es sich bei den verschiedenen Thesen, die zur Verhandlung kamen, nicht um den Religionsunterricht oderum religiöse Fragen überhaupt handelt. — Großbritannien. London, 7. Februar. Im Parlamente wird Baron Worms heute folgenden Antrag in Bezug auf die russischen Judenverfolgungen einreichen: Daß das Haus, indem es die Verfolgungen und Mißhandlungen aufs tiefste bedauert, denen die Juden in Rußland ausgesetzt sind und die in dem englischen Volke ein allgemeines Gefühl des Schreckens und Unwillens hervorgerufen haben, darauf vertraut, daß Ihrer Majestät Regierung Mittel finden werde, um allein oder in Gemeinsamkeit mit den übrigen europäischen Mächten ihren guten Einfinß bei Sr. Majestät dem Zaren dahin geltend zu, machen, daß die Wiederkehr ähnlicher gewaltthätiger Handlungen verhindert werde. London, 9. Februar, Abends. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage Simons erklärte der Premier Gladstone, die Consulatsberichte über die Judenverfolgungen in Rußland würden dem Hause vorgelegt werden. Die Vorgänge müßten Jeden mit den Gefühlen der Trauer und des Abscheues erfüllen (Beifall), aber sie seien die interne Angelegenheit einer anderen Regierung und könnten nicht zum Gegenstand einer ofsiciellen Correspondenz und Untersuchung gemacht werden. Nur gelegentliche freundliche Vorstellungen seien möglich, andere Schritte würden nichts nützen, sondern eher schaden. London, 10. Februar. Der Antrag des Baron H. de Worms betreffs der Jndenhetze in Rußland ist so gestellt, daß er keiner Partei zu nahe tritt und auch die Regierung zu keiner bestinnnten Maßnahme verpflichtet. Der Antragsteller ist conservativ, sein Unterstützer, Herr Slagg, liberal; eine Abstimmung wird wohl kaum nöthig sein. Der Unterstützungsfonds ist unterdessen auf 39,000 L. angewachsen, und da morgen an 300 flüchtige jüdische Familien aus Rußland in Liverpool ankommen, um nach New-Iork weiter zu fahren, so bietet sich sofort eine Gelegenheit zu milden Thateu. In London hat der Oberrabbiner 1)r. Adler einen Hirten^ Brief cm die hauptstädtischen Juden erlassen, worin er sie zu milden Gaben auffordert; zugleich ist in den Synagogen ein bestimmtes Gebet vorgeschrieben worden an "den Gott Israels. Es heißt darin: „Wächter Israels! Du hast uns dein gnädiges Versprechen gegeben, baß du nicht uns von dir werfen, uns ganz zerstören und deinen Vertrag mit uns brechen willst Verschone, wir bitten dich, die Ueberbleibsel deines Volkes in jenem großen Reiche! Rette sie aus den Händen des Verderbens!" Rußland. Petersburg, 5. Februar. Der „Köln. Ztg." schreibt man: Die russische Presse ist sehr zornig über die fortdauernde judenfreundliche Bewegung in England, über die dortigen Entrüstüngsversammlungen und über Ungezwungenheit, mit der englische Redner sich über innere russische Verhältnisse auslassen. In diesen Tagen muß ein Schreiben der Negierung veröffentlicht werden, welches die Ansichten derselben zur Judenfrage feststellt. Graf Jgnatiew hat sich eingehend mit dieser thatsächlich heiklen Angelegenheit beschäftigt und es soll der Beschluß gefaßt worden sein , die Rechte der Juden „im allgemeinen" nicht zu schmälern. Dieser Vorsatz will allerdings wenig bedeuten, wenn man die folgenden Bestimmungen liest: Es bleibt den Inden unbenommen , in den alten, ihnen vorgeschriebenen Bezirken weiter zu leben, auch der Auswanderung israelitischer Familien soll keinerlei Schwierigkeit entgegengesetzt werden. Dagegen scheint es die Regierung für nothwendig zu erachten, eine gleichmäßige Vertheilung der jüdischen Mitbürger in den ihnen erlaubten Landstrecken vorzunehmen, die überfüllten Ortschaften zu entlasten und in den dünnbevölkerten israelitische Ansiedlungen zu gründen. (Dies sind sehr bedrohliche Aussichten!) Petersburg, 6. Febr. Man schreibt der „Köln. Ztg.": Die russische Regierung beeilt sich, dem von dem englischen Unterhausmitgliede Baron de Worms gestellten Anträge, das englische Parlament möge das Vertrauen aussprechen, daß die Regierung beim Zaren zu Gunsten der russischen Juden sich verwenden werde (s. London in dieser Nr.), einen Dämpfer aufzusetzen. Sie hat den Berichterstatter der Times ermächtigt, eine Mittheilung nach London zu telegraphiren, welche erst in den nächsten Tagen im russischen Reichsboten erscheinen soll und im wesentlichen folgenden Inhalt hat: Es gehen weit und breit Gerüchte um, daß England im Begriff stehe, zu Gunsten der Juden einzuschreiten, 'Gerüchte, die so unbegründet sind und mit den guten Beziehungen zwischen beiden Cabinetten so sehr in Widerspruch stehen, daß sie keine Widerlegung zu verdienen schienen. Die empfindlichkeit des nationalen Gefühls und die Erwägung, daß solche Gerüchte die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen den Juden und Einheimischen noch verschlimmern müssen, lassen es jedoch räthlich erscheinen, die Sachlage klarzulegen. Die Judenfrage gehört unzweifelhaft zu jenen Gegenständen der innern Verwaltung , in welcher jede Regierung selbständig

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