Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1882)
- Date
- 1882-02-21
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
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russischen MaubensLrüdex; eine , im Anschluß hieran vor-' genommene Sammlung ergab einen reichen Ertrag. Nachdem noch hie Herren I. Nachod, Vorsitzender des israelitischen Gemeindehundes in Leipzig, und M. G. Lewy, gesprochen, ging, erst nach 1 Uhr, die Festversammlung auseinander. Leipzig, im Febr. Wir werden um den Abdruck folgender Mittheilung ersucht. 500 Mark jährliches Stipendium für eine 3>onte zum Zwecke des ärztlichen Studiums. Seit mehr .als einem Jahrzehnt ist man bemüht, dem weiblichen Geschlechte in Rücksicht auf die Frage nach einer selbständigen Existenz zu Hilfe zu kommen. Dieser Aufgabe, dieser Hilfeleistung unterzieht sich auch die „Darlehnskasse für israelitische Frauen und Jungfrauen", und sie hat in der verhältnißmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Dennoch bezog sich ihre bisherige Thätigkeit auf die mittlere und unsere Schichte der Bevölkerung, während es eine statistisch bestätigte Thatsache ist, daß die Berufslosigkeit in den höheren, gebildeten Ständen mindestens ebenso dringende Mhilfe erfordert. Es stellt sich somit als eiye Notwendigkeit heraus, dem weiblichen Geschlechte höhere Berufskreise zugänglich zu machen. Der ärztliche Beruf ist ein solcher, der nicht nur der einzelnen Frau, die ihn ergreift, sondern dem weiblichen Geschlechte in seiner Gesammtheit zu Grüe kommt. Die Behandlung der meisten Frauen- und Kinderkrankheiten wird naturgemäß Sache der Frauen sein. In Deutschland haben die Aerztinnen Fräul. Dr. Lemus und Fräul. Dr. Tiburtius ein nachahmenswertes Beispiel gegeben, indem sie in Berlin eine Klinik für Frauen- und Kinderkrankheiten errichtet, die von Frauen aller Stände als ein Segen und als eine Wohlthat begrüßt wurde und sich auch in dieser Weise bewährt. In Rücksicht darauf hat der Berwaltungsrath der Darlehnskasse für israelitische Frauen und Jungfrauen beschlossen, das obige Stipendium zu dem genannten Zweck des ärztlichen Stipendiums einer Dame zu bewilligen. Er glaubt damit ein Beispiel zu geben, das vielleicht später von Persönlichkeiten, denen mehr materielle Mittel, mehr Einfluß zu Gebote stehen, ausgenommen und erfolgreich durchgeführt wird. So lange die Zulassung von Studentinnen auf deutschen Universitäten nicht gestattet ist, wird das Stipendium auch bei Benutzung der Züricher Hochschule gewährt werden. Leipzig, 12. Februar. (Privatmitth.) Es ist gewiß eine schöne Pflicht der Presse, das Publikum auf aufblühende, einer weiten Entfaltung fähige und würdige Wohlthätigkeitsanstalten aufmerksam zu machen, damit denselben die Spenden menschenfreundlicher Herzen zugewendet werden. Dazu gehört sicherlich die von dem Deutsch-Israelitischen Genleindebunde gegründete Darlehnskasse für Frauen und Jungfrauen, die soeben ihren Kassenbericht für 1881 ausgegeben hat. Die Einnahmen bestanden aus Zinsen des Fonds Mark 2313, Beiträgen von Gemeinden, Frauen-Vereinen und einzelnen Gönnerinnen, namentlich in Frankfurt a. M., Spenden und, was gewiß erfreulich, Rückzahlung von 16 Darlehnsempfängerinnen im Betrage von Mark 1119, so daß sich die Einnahmen auf Mark 4492 beliefen. Es erhielten 23 Frauen und Jungfrauen Darlehen im Betrage von Mark 3755. Diese Darlehen beziehen sich auf verschiedene Lebenszweige, so auch zur Ausbildung für Kindergärtnerinnen (4), Lehrerinnen (3), Hebammen (3) und Gesang (1). Die Empfängerinnen find aus Sachsen, Schlesien, Westpreußen, Brandenburg, Westfalen , Thüringen, Anhalt, Frankfurt, Hessen, Hannover, Bayern. Wir führen dies an, um zu zeigen, daß es die Pflicht unsrer Glaubensgenossen in allen Ländern Deutschlands ist, diese Kaffe zu unterstützen. Ihr Fond beläuft sich jetzt auf Mark 46,132, und die Verwaltung geschieht auf eine so besonnene Weise, daß der verwendbare Vortrag am 1. Januar 1882 sich bereits auf Mark 3,83.4 beläuft. Bei so entschieden günstigen Leistungen kann man wohl auf baldiges Wachsthnm Der Mittel rechnen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Februar. (Privatmitth.) Vom socialen und moralischen Standpunkte aus ist die Forderung der Handwerke unter den Juden noch immer eines der wichtigstenMittel, gedeihliche Zustände zu erwirken, und der hiesige Verein, der diesen Zweck verfolgt, verdient deshalb Aufmerksamkeit und Unterstützung in hohem Maße. Derselbe hat soeben seinen 39. Jahresbericht ausgegeben, und auch dieser bezeugt eine erfreuliche Zunahme der Handwerkslehrlinge. Der Verein hatte im verflossenen Jahre 555 Zöglinge, gegen 449 im Vorjahre zu versorgen; 84 haben die Lehre vollendet. Die Ausgaben haben sich deshalb bedeutend erhöht, und da dies mit den Einnahmen weniger, der Fall war, mußte, wie im Vorjahre, zum Reservefond gegriffen werden, der aus früheren Jahren sich angesammelt. Die Handwerke, denen die Zöglinge angehören, sind von der verschiedensten Art, leichtere und schwerere, z. B. 85 Schlosser, 41 Tischler, ferner Kupferschmiede, Metalldrechsler, Schmiede, Steinmetze, Maurer it. s. w. Die Ausgaben bestehen wesentlich in den Lehrgebühren, Wäsche und Bekleidung. Es wird für sie auch ein Sonntags- Gottesdienst abgehalten und am Seder-Abend und Versöhnungstags-Abend werden sie verköstigt. Die Ausgaben beliefen sich auf fl. 10,598, der Fond auf fl. 96,950. Es bestehen aber noch Stiftungen, durch welche tüchtige Gesellen und Meister in ihrem Fortkommen unterstützt werden. —- Unter dem Vorsitze des Ministers für Cultus und