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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-21 · Heft 8 (21.2.1882) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 8 (21.2.1882)
Date
1882-02-21
Page
Seite 124 (sequence 8)
Language
German
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in den letzten Jahren wieder für dasselbe voll und entschieden eintrat. Er that dies dem Prof. Billroth gegenüber, der in einem medizinischen Buche so überaus hart über die Juden geurtheilt hatte. Alsdann als die russische Presse die Fabel vom Blutverzehren wieder aufzuwärmen suchte, und Auerbach einen Ausruf an alle Männer der Wahrheit und Sittlichkeit gegen solchen Haß und Fanatismus erließ, endlich ' im vorigen Jahre in einem Dankschreiben an Döllinger nach dessen Rede über die Juden. Auch nahm Auerbach thätigen Antheil an allen in Berlin vorgekommenen Demonstrationen gegen den Antisemitismus. In der That, Lorbeer und Palme -stehen um das Grab Auerbachs! Selten wird sich ein deutscher Dichter so reicher Erfolge an Ehren und materiellem Lohne zu erfreuen gehabt haben. Bonn, 12. Februar. Die „Köln. Z." vom 11. enthält einen sehr lesenswerthen Artikel Paul Lindaus über Berthold Auerbach, aus welchem wir folgenden charakteristischen Zug hervorheben, der auch durch anderweitige Berichte bestätigt wird: „Eine tiefe Verstimmung hatte sich seiner bemächtigt. Kaum ein zweiter ist von der antisemitischen Bewegung so schmerzhaft berührt worden wie er, der Jude und der deutsche Dichter. Daß man es versuchte, diese beiden, die sich in ihm vereinigt und sich bis dahin so gut vertragen hatten, in einen unversöhnlichen Gegensatz zueinander zu bringen, ja, daß man.dem einen streitig machte, auch der andere zu sein, das hat ihm eine Kränkung zugefügt, die er nie verwunden hat. Es hat ihn losgelöst, von manchen seiner mitstrebenden Genossen, die ihm theuer waren, es hat sein Gemüth verbittert. Fast verzweifelte Klagen kehrten immer bei ihm wieder. Noch bei einem unserer letzten gemeinsamen Spaziergänge sprach er mit derselben Trauer, mit derselben Entrüstung darüber, und auf meinen Einwand, daß er die Sache doch gar zu persönlich nehme, entgegnete er: „Sie können eben nicht begreifen, wie unsereinem zu Muthe ist! Da soll man ein Menschenalter hindurch im Dienste des deutschen Geistes rastlos geschaffen haben, daß am Ende unseres Lebens der erste beste hergelaufene Bube an uns herantreten darf, um uns zu sagen: Schnür dein Bündel und pack dich, du gehörst nicht zu uns!" — Das Begräbniß Berthold Auerbach's wird erst am Mittwoch in Nordstetten stattfinden. Vor. der Ueberführung der Leiche dorthin wird in Cannes eine Feier gehalten, bei der Professor Lazarus aus Berlin dem geschiedenen Freunde die letzten Ehren erweisen wird. Der Vorsitzende des Vereins „Berliner Presse" Robert Schweichel hat sich bereits auf Beschluß des Vorstandes nach Nordstetten begeben, um. bei der Beerdigung den Verein zu vertreten. Uebrigens ist vom - Verein „Berliner Presse" in Erwägung gezogen, am Geburtstage Berthold Auerbach's hier eine: Todtenfeier zu veranstalten. — In der Synagoge der Lmdenstraße würde gestern im Morgen - Gottesdienste eine Trauerfeierlichkeit für vr. Berthold Auerbach abgehalten. Berlin,. 6. Februar. (Privatmitth.) Die Vergeltung bleibt für die Antisemiten, für einen nach dem anderen, nicht aus. Fürwahr, es hat dies für uns kein Gefühl besonderer Befriedigung; denn diese Männer sind, sobald sie ihre Rolle ausgespielt, doch zu unbedeutend, als daß wir sie von unsrem Standpunkte aus noch weiter beachten sollten. Für uns ist. eben die Hauptsache, daß sie ihre Rolle ausgespielt haben. Der ultramontan-antisemitische Landtagsabgeordnete Cremer, der bei der Reichstagswahl durchgefallen ist,; und den seine Wähler für den Landtag aufgefordert haben, sein Mandat niederzulegen, weil er ihr Vertrauen verloren habe, der jedoch diesem Verlangen nicht nachkam, ist von der Centrumspartei ausgeschlossen worden. Alle seine Bemühungen, in die Liste der Fraktion wieder ausgenommen zu werden, blieben vergeblich.—Auch hinsichtlich der Versammlungen ist Hierselbst ein Umschwung eingetreten. Am 3. d. fand eine Volksversammlung statt, welche vom protestantischen Reformverein einberufen war und bei der der.große Buggenhagen'sche Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Dr. Kallhoff hielt einen Bortrag, der mit außerordentlichem Beifall ausgenommen wurde, nämlich über das Wesen der confessionellen Kämpfe der Gegenwart, in der Judenfrage, dem Culturkampf und dem confessionellen Conflict in der protestantischen Kirche. Der Redner beschuldigte die Christlich- Socialen und ihr Haupt, Stöcker, daß in ihnen der Pharisäismus verkörpert sei. .Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution nach dieser Richtung an.. Man bekämpft also gegenwärtig den Antisemitismus mit denselben Mitteln, durch welche er in die Höhe gekommen. Dies ist in diesem Blatte stets als das wirksamste und durchaus erforderliche Mittel von Anfang an bezeichnet worden. — Man schreibt von hier: Ueber ein schönes Fest, welches die Beth-Hamidrasch- Gesellschaft, die älteste Stiftung der hiesigen jüdischen Gemeinde, jüngst unter zahlreicher Theiluahme der Mitglieder und vieler Ehrengäste aus Gelehrten-, Finanz- und Kaufmannskreisen, feierte, haben, wir nachträglich zu berichten. Es galt der Sium-Feier der 6 Bücher der Mischna, welche durch Herrn Rabbiner Tomber eröffnet wurde. .Hierauf begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Herr Max Rosenberg, die Anwesenden im Namen desselben, widmete dem jüngst verstorbenen Vorstandsmitgliede, Herrn Meyer Heymann, die wärmsten Worte der Anerkennung und schloß mit einem Toast auf den Kaiser, unter jubelnder Theilnahme der Versammlung. Darauf-sprach Herr Rabbiner vr. Hildesheimer noch über die Bedeutung des Festes und regte an, daß sich in der Metropole des Deutschen Reiches ein Comitö bilden möge zur Unterstützung der über Berlin auswandernden

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