Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1882)
- Date
- 1882-02-21
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227402--39671-3257266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
es sich sehr Wohl überlegensollte, mit ihnen anzubinden. Sobald^ es sich gar um .ihre Glaubensgenossen handelt, so stehen sie Alle wie Ein Mann auf: Einer für Me, Alle sür- Einen. In socialer Beziehung besitzen sie beiuns-bedeutenderen-Einfluß als überall. Ich-kenne z. B. keinem chrisd lichen Engländer-, welchem die nationale Hochachtung und Ehrerbietung iw solchem Maße entgegengebracht, wird, wie dem Sir Moses Montefiore. Wenn ein Mitglied-des Hausest Rothschild» sich verehelicht, sind Prinzen der königlichen. Familie- Trauzeugen, unterzeichnen die Ehe-Register: und« nehmen an den« Hochzeits-Feierlichkeiten Theil. Im abgelaufenem Jahre wünschte Leopold de- Rothschild Mitglied des Jockey- Clubs, des non plus ultra der patrizischen Exklusivität, gu; werden. Niemand Geringerer als der Prinz, von. Walesschlug' ihn dem- Eomito zur Aufnahme vor. In den Salons' von- Alfred de Rothschild-, welcher sein Junggesellenlebon iw einem dev reizendsten-kleinen Palais-führt (Seamore? Place), bewegt-sich die Kos Lour unserer Gesellschaft; die größten. Damenfahrenvierspännigaus, um sich einer Einladung dahinzu versichern-. Die Sassoow, Goldsmid, Mocatta und. so viele Andere, guorum noiuina longum porserldere sst, spielen eine bedeutende! Rolle im'englischen- Leben. Als,die. Gräfin Rosebery (Hannah? von Rothschild.) ihrem^ Gatten einen- Erben schenktefuhr; unseres gesanMte,- AMokxatie, hie königliche. Familie' amder--Spitzezum Glückwünsche; am; Portal dieser liebenswürdigen Jüdin vor. An der Loichoner Börse, wiean jenen der Provinz, sind es Juden,, tpelche? Sonne und Regen machen. Sie. findgpehrt und geachtet von der-Königin, wie vom letzten. Arbeiter. Sie sind-gut mit-Jenen, die gut mit ihnen sind> zahlen.oberihnen zugefügtes-Unrecht mit Zinseszinsen zurüch,. wenngleich her, betreffende oft nicht weiß, woher der Streich kommt-, den sie ihm versetzen. Es scheint mir zweifellos, haß., das-ihnen ge?- gebene Refus Mr. Gladftone theuer zu.- stehen kommen; wird. Ihm wäre wahrlich besser, wenn er sich; mit, denz Czcupen,. statt mit den englischen Juden verfeindet hätte, welch^e ihn zu Falle bringenkönnen, wennsie -s sich; in den-Kopf.setzen. Statt diese sich ihm bietende günstige Gelegenheit,. die Juden, sich aust ewig zu. verpflichten,, auszunützen,, hat. er aber, offen gesprochen, einer große Unklugheit begangen,, eine Unklugheit, welche den Liberalen beweist, .daß seine Philanthropie, des Jahres 1876 eine plumpe Heuchelei gewesen-" v Deutschland. Bonn, 9i Februar. (Privatmitth:) Heute liefhier telegraphisch die Trauerkunde ein, daß B-erthold Au erba chgesternalsoam 8. Februar; in Cannes verstorben sei: Be-' kanntlichhatte er sich aus ärztlichen Rath, nachdem-er eine schwere-Krankheit-überstanden, von Eannstadt bei Stuttgart, woer erkrankt war, an die mittelländische Küste begeben. Hier aber erlitt er einen Rückfall', der feinemßefceu ein Ende machte. Diese Nachricht erschüttert die Gemüther um so mehr, als man in Berlin vielseitigmit Vorbereitungen beschäftigt warden Tag festlich zu begehen, an welchem Auerbach sein 70stes Lebensjahr vollendet haben würde, nämlich den 28. Februar dieses Jahres. Gewißwerden zahllose Deutsche schmerzlich den Verlust empfinden, welchen die deutsche Dichtkunst und Literatur durchdas Hinscheiden Auerbachs erleiden und ihm das ehrendste Andenken widmen. Es ist hier nicht die Stelle, um des Verewigten Verdiensteals Dichter und als Vertreter des reinsten Humanismus und des deutschen Nationalgeistes' zugleich zu würdigen. Sicher wird dies jetzt und in der Zukunftin der Tagespresse wie in der Literaturgeschichte geschehen. Auerbach war am 28. Februar 1812' zu Nordstetten im württembergischem Schwarzwalde geboren, erhielt den-ersten Unterricht von dem jüdischen Lehrer daselbst, bestimmte sich; zum Rabbinerfache und evwarb sich hierzu an verschiedenen Qrten Borkenut-? nisse; wandtesich, jedoch; bald den Gymnasialfächern zu, unbr studirte 1832—1835 in Tübingen, München? und Heidelbergs Die erste Periode, seines Schriftstellerthums widmete: ev dem Judenthume, und seine erste Schrift! war. eine-. Broschüre, „Das Judenthum und die? neueste-Literatur (Stuttgart 1838)/', in, welcher, er den., damaligen Angriffen aufdie Juden als Urheber des „jungem Deutschlands" mit Schärfe und- Wärme entgegentrat. In demselben. Jahre setzteer;, dievon Spazier begonnene „ Gallerie der ausgezeichnetem Israeliten aller. Jahrhunderte,, ihre Portraits; und. Biographien" mit N. Frankfurter fort, und -zwar in -der ck und.- . 5. Lieferung des. Werkes. 1840 erschien? von-ihm: „Der Dichter und der Kaufmann" (Ephraim Kuh) iu^-zwei? Bänden, sowie bald auch „Spinoza, eim historischer?. Mman in zwei Theilen". Später gab er auch eine,- Übersetzung: der Werke Spinoza's? nebst, einer?'Biographiedesselben heraus^. Seitdem nahm, er eine Richtung zum - Spinozismus an-,: derer im einigen seiner späterem größeren? Romane- B; „Aus der Höhe", Ausdruck zm verleihen, suchte Bald daraufwandte er sich der allgemeinen Novellistik zm, und? errang hier, insbesonderedurch, die „Schwarzwälder.Dorfgeschichten" dem ausgedehntesten. Erfolg und die-allgemeinste. Anerkennung. Eine lange Zeit stand Auerbach der äußerem, undr innerem Entwicklung des Judenthüms theilnahmlos gegenüber-, bisher.