Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1882)
- Date
- 1882-02-14
- Page
- Seite 112 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227401--39659-3257253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M erste deutsche Uebersetzung mit Angabe der Varianten und vielen Erläuterungen bringt. Dieser erste Theil des mit großem Fleiße und vieler Umsicht gearbeiteten Buches enthält die Einleitung und die beiden ersten Regeln. Wir wünschen aufrichtig, daß dem Verfasser die Mittel zu Gebote stehen mögen, um das so angefangene Werk zu vollenden. — Märtyrer- und Memorbuch. Berzeichniß der Märtyrergemeinden aus den Jahren 1069 und 1349, das alte Memorbuch der Deutzer Gemeinde von 1581 bis 17.84 nebst Auszügen aus dem neuen von 1786 bis 1816. Nach Handschriften zu Deutz, Coblenz, Düsseldorf und Versailles, herausgegeben von Di'. A. Jellinek (Wien, 1881, D. Löwy). Der unermüdliche Forscher für Materialien zur Geschichte und Literatur der Juden bringt uns hier abermals eine Sammlung hebräischer Dokumente, die aus mehrfachen Gesichtspunkten interessant und lehrreich sind , und zur Ergänzung der Schrift des Verf. „Worms und Wien" (Wien 1880) dienen. Der Kundige ersieht aus dem Titel, was er hier zusammengestellt findet, lieber das Deutzer Memorbuch sagt er: „Das vorliegende Deutzer Memorbuch ist von verschiedenen Gesichtspunkten aus interessant und lehrreich. Es gewährt uns vor Allem einen Einblick in das innere Leben der Juden, das durch seine vertrauensvolle Gläubigkeit und Gottinnigkeit fast wie eine Mythe erscheint im Vergleiche zu den religiösen Zuständen unserer Zeit. Es sind in demselben 145 Männer und 104 Frauen verzeichnet und die letzteren ragen hervor durch jene weibliche Frömmigkeit, die aus den jüdischen Familien der Gegenwart fast ganz geschwunden ist. Der Äntheil, den die jüdischen Frauen an der Erhaltung des Judenthmns haben und der von dem Spanier Josef Jaabez in besonders nachdrucksvollen Worten gerühmt wird, ist von den modernen Geschichtsschreibern des Judenthums nicht gebührend genug gewürdigt worden." Unter Anderem enthält es auch „die Erzählung von einem Studentenkrawall gegen die Juden in Deutz i. I. 1665, welcher durch die Intervention der Geistlichkeit beschwichtigt wurde. Ob die Herren Studios! in Deutz die Vorfahren der antisemitischen Studenten von Leipzig und Berlin waren, weiß ich nicht; sicher aber ist, daß die protestantischen antisemitischen Hetzprediger mit jenen humanen katholischen Geistlichen nichts gemein haben." — Reden auf Veranlassung der beim Theaterbrande in der Nacht des 8. Dezember 1881 Verunglückten auf dem Centralfriedhofe und im alten Bethause der Wiener israelitischen Cultus-Gemeinde am 11., 12. und 15. Dezember gehalten von Dr. Ad. Jellinek (Wien, 1881, M. Waizner.) Diese drei Reden, von welchen wir die zweite in Nr. 50 vollständig, gegeben haben, sind ebenso dem großen unglücklichen Ereignisse entsprechend, wie des ausgezeichneten Redners würdig. Sie stechen hervor durch, die tiefen Empfindungen und den Reichthum an Formerfindung, was um so ergreifender wirkt, als sie kurz und bündig ge- , halten sind. Die Formerfinduyg ist aber bei der Predigt um so wichtiger, als es bei ihr gilt, .den meist längst vorhandenen Gedankenstoff in neue, den Hörer ansprechende Form zu bringen-. — „Es stehet gu!um unsren alten Vater." Predigt gehalten am Tage seiner 25 jährigen Amtsverwaltung am 27. Dezember 1881 von Dr. S. Freund, Prediger der Synagogen-Gemeinde Görlitz (Görlitz, Sättig.) Den angeführten Text hatte der Redner in seiner Antrittspredigt behandelt und nahm ihn nun auch zum Thema der Predigt, die er bei dem Festgottesdienste hielt, welchen zur Feier seiner 25 jährigen Amtsthätigkeit die Gemeinde veranstaltet hatte. Die geschickte Interpretation und die warmherzige Redeweise, die dem Jubilar eigen sind, geben auch dieser Predigt das würdigste und eindringlichste Gepräge. Sabbath-Predigten zu den Wochenabschnitten des vierten Buches Mosis von Dr.'., Adolf Schwarz, Stadt- und Conferenz-Rabbiner in Karlsruhe. (Karlsruhe, Bielefelds Buchhandlung 1882.) Mit'Befriedigung sehen wir das Predigtwerk des Verfassers^ zu den 5 Büchern Moses rüstig vorwärts schreiten, so daß wir hier bereits den, die Wochenabschnitte des 4. Buches Moses behandelnden Theil vorliegen haben. Die zwölf, diesen Band ausfüllenden Predigten haben zum Inhalt: .Israels Zug durch die Wüste; der Priestersegen, die symbolische Bedeutung der Menora; eine Frage als Antwort; Selbstachtung und Linderer; Selbstlosigkeit wappnet gegen Verkennung; des Menschen Lebensende; der Felsenbrunnen Israels; die Wurzelt: des Aberglaubens; die Besitzvertheilung nach dem Loose; der Doppelzweck des Gelübdes und das Erbrecht der Frauen in Israel. Man ersieht hieraus den reichen Inhalt dieser Predigten, die sich gleichwerthig den früheren drei Bänden anschließen , über welche wir früher, berichtet haben. — Herr Dr. Julius Fürst in Mannheim ersucht uns, folgende Berichtigung hier zu geben:. „Beim jüngsten Durchlesen der Bibl. Rabb. Midrasch Schir von Dr. Wünsche bemerkte ich auf S. 201 in meinen Noten zu S. 70, Z. 22, daß ich dort einen Jrrthurn begangen, den ich hiermit berichtige: „Die Regenzeit in Palästina beginnt nach Taanith I, 3 vom 3. Marcheschwan und beträgt 86 Tage: 27 Tage in Marcheschwan, 34 Tage in Kislew und 29 in Tebeth, 86 Tage.