Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1882)
- Date
- 1882-02-14
- Page
- Seite 111 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Certisicaten, jede zu 5 Dollars ausgeschrieben, deren Betrag für die Landbau-Ansiedelungen russischer Juden verwendet werden sollen. Diese Maßregel ist sehr vernünftig, da sich auf diese Weise auch der weniger Bemittelte an dem großen Werke zu betheiligen vermag und sicher ist, das Geld richtig verwendet zu sehen. Wirhoffen daher, daß die beabsichtigte Höhe der Sammlung erreicht werdet) San Antonio, 8. Januar. (Aus einem uns freundlichst mitgetheilten Privatbriefe.) Wir haben wieder eine Partie Russen bekommen, dieses Mal Frauen resp. Mädchen, die natürlich sehr schnell Plätze fanden. Wie Du aus der Zeitung ersehen lvirst, werden verschiedene russische Kolonien gegründet, denn cs kommen Biele, die zu Hause Ackerbau betrieben haben. Diese Russen sind eine viel bessere Classe Leute als ich mir vorstellte, dieselben sind gar nicht mit den gewöhnlichen polnischen Juden zu vergleichen. Wie ich lese, hat das New-Aorker Comita vorläufig die Emigration eingestellt, um erst alle, die hier sind, gut unterzubringen und auch bessere Einrichtungen und Vorkehrungen zu treffen für die, die Nachkommen. Nachdem die Leute sich hier eingewöhnt und erst einige Jahre hinter sich haben, werden sie unfern Herr Gott danken, daß sie gezwungen worden, ihre Heimath zu verlassen. Die zu Hause etwas gehabt haben, werden es schnell wieder zu etwas bringen und wer weiß, ob die Geschichte Spaniens von 1492 sich nicht an Rußland wiederholt. Wenn die Juden noch so neu werden und wenn es welche giebt, die nichts mehr mit Religion zu thun haben wollen, kommt eine solche Kalamität, wie die jetzige, sie finden sich wieder und helfen alle. — Diese Emigration ist keine Kleinigkeit, es kostet viel, viel Geld, denn die Leute kommen doch so arm wie Hiob hier an, es muffen nicht allein Ländereien gekauft werden, man muß die Leute auch mit Ackerbaugeräthschaften, Lastthieren, Häusern re. versehen, Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln bis die erste Ernte gemacht ist. Die Handwerker kosten uns am wenigsten, denn die können ihr Brod gleich verdienen. Bonn, 5. Februar. (Notizen.) Aus Pest wird geschrieben: Heute, den 31. d. M., wurde Isaak Nathan, das älteste Mitglied der hiesigen israel. Gemeinde, im Alter von 101 Jahren zu Grabe getragen. Isaak Nathan, auch Isaak Radespitz genannt, war dreimal verheirathet, wohnte 70 Jahre in Einem Hause und betrieb 60 Jahre eine hebräische . Buchhandlung. Bis kurz vor seinem Tode erfreute er sich einer ausgezeichneten Gesundheit. — Man schreibt uns aus Neustadt, Ober-Schlesien. Am 18. Januar ver- ') Ich ergreife die Gelegenheit, der Redaktion des Jewish South für den in der Nummer vom 13. Januar, die mir weben zugekommen, ausgesprochenen warmen und anerkennenden Glückwunsch meinen herzlichen Dank zu sagen. Di'. L. P. schied hier der auch in weiteren Kreisen bekannte Herr Samson Wolff Chotzen. Schwiegervater zweier Rabbinen, des sel. Directors des Breslauer jüdisch-theologischen Seminar vr. Lazarus und des Dr. Wolfsohn in Trenesen (Ungarn), hat der Verstorbene, der von frühester Jugend an rabbinische Studien eifrig betrieb, dieselben bis in sein spätestes Alter — er starb im 80. Lebensjahre mit seltenem Fleiße — fortgesetzt und durch sein ganzes Leben für jüdisches Wissen, wie fürjüdische Bestrebungen jeglicher Art das regste Interesse an den Tag gelegt. Sein tief religiöser^ Sinn, der ihn namentlich in letzter Zeit sich häufende Unglücksfälle mit Ergebenheit tragen lies, seine Liebe für das Judenthum, sein unvergleichlich biederer Charakter, seine Wohlthätigkeit und seine Menschenliebe haben seinem Namen bei Juden wie bei Christen einen guten Klang erwarben. An seiner Bahre sprach Dr. Wolfsohn, der in beredten und würdigen Worten ein Bild des Verstorbenen entwarf und seinem Schmerze Ausdruck gab. — In Algier verstarb der eiugeborne Rabbiner David Moaitti im 92)ten Lebensjahr, der eine allgemeine Verehrung besaß, die sich bei seinem Leichenbegängniß, dem über 10,000 Personen beiwohnten, bekundete. — Bonn, 16. Januar. (Literarische Notizen.) Bor einiger Zeit hörte die Jewish Advanoe in Chicago zu erscheinen auf. An deren Stelle ist nun eine Monatsschrift unter dem Titel „The Maccabean“ getreten, deren erstes Heft vor uns-liegt. Es enthält zunächst eine Reihe von Bemerkungen über die russischen Juden und andere Zeiterscheinungen in Amerika; einen Aufsatz über „Die amerikanischen Kinder", über welche längst die Klage geht, daß sie sehr ungezwullgen erzogen werden, so daß ihnen die Insubordination von Kindesbeinen an eingepflanzt wird, woraus Pessimisten den einstigen Ruin der Republik Voraussagen. Hierauf folgt eine Uebersetzung der Broschüre von Darmesteter: Coup d’oeil sur l’histoire du peuple juif, welcher „ Eine Vision der Zukunft" hinzugefügt ist. Die bekannte Geschichte des Uebertritts eines* Potozky und Zriemby zum Judenthum und deren Märtyrerthum wird erzählt und endlich eine Skizze aus der Geschichte des babylonischen Exils gegeben. Man sieht, daß der Inhalt der neuen Monatsschrift ein mannichfaltiger und für das allgemeine Publikum ansprechender ist. — rnapn ~dd Das Buch der Gesetze von Mosel) ben Maimun (Maimonides), im arabischen Urtexte nebst der hebräischen Uebersetzung! des Shelom oh ben Joseph ibn Ajub. Zum ersten Male vvll-! ständig herausgegeben und mit einer deutschen Uebersetzung und Anmerkungen versehen von Dr. Moritz Peritz. Theil I. (Breslau, Graß, Barth und Comp. 1882). Wir brauchen dem Sachkenner die Wichtigkeit dieser Arbeit nicht auseftranderzusetzen, die uns den arabischen Urtext dieses wichtigen Buches ans dem Berliner und dem Müncher Codex und die vollständige hebräische Uebersetzung des Ibn Ajub, sowie die 7* ’