Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1882)
- Date
- 1882-02-14
- Page
- Seite 107 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ttiederzu schmettern. Leh räumte die Strafbarkeit des Artikels ein,-entschuldigte sich aber damit, daß er nur probeweis als Redacteur der „Ostend-Ztg." angestellt war und auf den Theil des Blattes, dessen Redaction sich Julius Ruppel Vorbehalten habe, keinen Einfluß hatten Der Angeklagte Recht bestritt, daß in dem Gedicht zu Gewaltthätigkeiten aufgefordert sei. Der Staatsanwalt erachtete die Schuld 6er Angeklagten subjectiv und objectiv für zweifellos und beantragte 200 und 300 Mk. Geldstrafe. Der Gerichtshof erachtete aber für Ley eine Strafe von 50 Mk. für ausreichend, während er den Angeklagten Recht nach dem Anträge des Staatsanwalts zu 300 Mark ev. 30 Tagen Gefängniß verurtheilte. Berlin, 6. Februar. (Privatmitth.) Ihre Pariser Correspvndenz in vor. Nr. über die jüngsten Erscheinungen der Pariser Börse hat durch die Klarheit und Thatsächlichkeit der Darstellung einen sehr guten Eindruck gemacht. Bei den inunerfort wiederholten Anschuldigungen der jüdischen Finanziers ist der vorliegende Fall durchaus geeignet, zu erweisen, daß, abgesehen von der Masse der Spekulanten, die Börse ihre festeste Stütze in den jüdischen Finanziers, besitzt. Es ist im Gegentheil eine eigenthümlich< Erscheinung , daß die größten Schwindeleien in neuerer Zeit von ultramontaner Seite ausgingen. Man erinnere sich des Langrand, Philippart, und in kleinerem Maßslabe der Spitzeder, der Prager Sparkasse u. s.w. Die hiesige „Tribüne" schreibt in einem längeren, sehr lesenswerthen Artikel unter Anderem: „Bontoux und den hinter ihm stehenden clerical-conservativen Mitinteressenten hat die Welt, hat Frankreich besonders es zu verdanken, daß die Ägiotage zu solcher Höhe und Ausdehnung getrieben wurde, daß das ganze Land zum blinden Spiel herangezogen werden konnte, daß unzählige Existenzen dem Elend anheimfallen und daß das Privat- und National-Bermögen Frankreichs um ungeheure Summen itnb auf Jahre hinaus geschwächt wird." In wiefern die Bemühungen der jüdischen Banquiers, der Calamität abzuhelfen, von Erfolg sein werden, ist abzuwarten. Jedenfalls haben sie die weiterstürmende Baisse aufgehalten und dadurch die Vergrößerung der Verluste und der verzweifelten Lage Zahlloser verhindert. Dies ist schon eine nicht genug zu schätzende Wohlthat. Breslau, 4. Februar. (Privatmitth.) Das jüdischtheologische Semipar hat seinen Jahresbericht ausgegeben, welchem diesmal „Materialien zur Entwickelung der altjüdischen Zeitrechnung im Talmud von vr. B. Zuckermann" vorangehen. Obschon die Zulassung jüdischer Studirenden zu Staatsämtern in Deutschland, sagt der Bericht, den Zudrang zur theologischen Laufbahn in früherer Zeit bedeutend gemindert hat, und die Errichtung der Rabbinerschule in Pest eine starke Abnahme befürchten ließ, so zählt doch, das Seminar gegenwärtig 25 Zöglinge. Der zweite Grund, der. angeführt worden, ist wohl stichhaltiger als der erste, denn gerade aus Deutschland waren die Jünger des Seminars früher knapp gesäet, und dann haben erst in den letzten Jahren deutsche Jünglinge dem theologischen Fache sich mehr zugewandt. Ansehnliche Legate oder Geschenke sind dem Seminar im letzten Jahre, außer 300 Mark vom Rechtsanwalt Milch, nicht zugekommen. Es versteht sich, daß an der inneren Tüchtigkeit des Seminars, sowie an der von ihm eingehaltenen Richtung sich nichts geändert hat, da das Institut an dem Seminar-Rabbiner Dr. Joöl eine treffliche Lehrkraft in den talmudischen Fächern' gewonnen hat und die früheren Lehrer fortwirken. Mannheim^ 27. Januar. Die „N. B. L.-Z." schreibt: „Der in unserer Stadt wohlbekannte Socialdemokrat Moses Oppenheimer, welcher gegenwärtig in Barmen wohnt und in den Reichstagswahlen für Barmen-Elberfeld als sozialdemokratischer Candidat aufgestellt war, hat kürzlich in Barmen und Elberfeld öffentliche Vorträge „über den Talmud" gehalten. Auch in Frankfurt a. M. wird Herr Oppenheimer demnächst über das gleiche Thema sprechen. Hier wurde ihm seinerzeit die Abhaltung eines' solchen Vortrags vom Bezirksamte auf Grund des Sozialistengesetzes untersagt. Wie wir hören, hat Herr Oppenheimer sich neuerdings an diese Behörde gewendet mit der Anfrage, ob jenes Verbot auch jetzt noch, nachdem selbst die preußische Polizei das Thema vom Talmud für nicht staatsgefährlich hält, vom hiesigen Bezirksamte aufrecht erhalten werde. Könitz, 1. Februar. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatten sich dieser Tage neunzehn Personen theils wegen Landfriedensbruchs, theils wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen groben Unfugs zu verantworten. Es waren dies ein Bäckermeister, ein Töpfermeister, vier Gesellen, vier Arbeiter, fünf Knechte, ein Lehrling, zwei Knaben und eine Zieglerfrau, welche sich obiger Verbrechen resp. Vergehen im Juli und August v. I. während der in Hammerstein 'stattgefundenen Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner schuldig gemacht haben sollten. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme erkannte der Gerichtshof den Schlosserlehrling Julius Poch des Landfriedensbruchs für schuldig und verurtheilte denselben zu 14 Tagen Gefängniß. Dreizehn Angeklagte wurden der Verübung groben Unfugs überführt und mit Haftstrafen' von einem Tage bis zu vier Wochen belegt. Die übrigen Angeklagten sprach der Gerichtshof frei. Stuttgart, 30. Januar. (Privatmitth.) Sr. Maj. der König haben den Verein zur Unterstützung der israel. Lehrerwittwen und Waisen mit einer Gabe von 50 Mk. und Ihre Maj. die Königin mit 45 M. erfreut. Auch das israel. Waisenhaus Eßlingen erhielt von unserem geliebten Landesvater eine Unterstützung von 350 Mk.