Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1882)
- Date
- 1882-02-07
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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bildrmg und der gründlichen Studien gekostet, erklärt und rechtfertigt diese Männer und stellt ihre Erfolge in ein um so helleres Licht. An eine völlige Würdigung der Leistungen und Verdienste Szanto's kann so unmittelbar nach seinem Verluste nicht gedacht werden. Ein zukünftiger Biograph wird dies in umfassendem Maße thun und ein bedeutendes Stück Culturgeschichte für die österreichischen Lande in. dem Leben Szanto's zu schildern haben. Wir begnügen uns heute, die Materialien zu geben, die uns von Freundeshand aus Wien zugekommen sind. Simon Szanto wurde am 23. August 1819 zu Groß- Kanizsa in Ungarn, als Sohn des dortigen Rabbiners R. Meir Szanto geboren. Im Alter von zehn Jahren verlor er beide Eltern und kam auf die Jeschiba zu Lakenbach, welche von einem streng orthodoxen Rabbiner geleitet wurde. Bei der Lektüre eines deutschen Buches ertappt, entfloh er und wanderte nach Goltsch-Jenikau in Böhmen, wo er die Thalmudschule R. Ahron Kornfelds besuchte, eines von ihm hochverehrten Lehrers, der ihm um wenige Wochen im Tode voranging. In Jenikau eignete er sich die Elemente des profanen Wissens an und wanderte von dort zu Fuße nach Prag, wo er das Untergymnasium absolvirte. Hierauf ging er nach Preßburg, wo namentlich der Literarhistoriker Schro er auf ihn wirkte, und nach absolvirtem Gymnasium zurück nach Prag, um die philosophische Fakultät daselbst zu frequentiren. Hier wirkte auf ihn der Herbertianer Exner, den er noch in späteren Jahren hoch verehrte, und der auch seinem Schüler Anerkennung und Werthschätzung in unzweideutigster Weise entgegenbrachte. Theologie studirte er unter Rapoport, in dessen Hause er freundschaftlichst verkehrte. In diese Zeit , fallen auch seine ersten schriftstellerischen Versuche, namentlich für „Ost und West", „Bohemia", „Orient" u. s. w. Im Jahre 1845 kam er nach Wien und entfaltete eine reiche schriftstellerische Thätigkeit. Besonders hervorzuheben ist aus jener Zeit der Bibelcommentar welcher von Luzzatto bevorwortet wurde und eine geradezu staunenswerthe Verbreitung fand. Ferner erschienen in Busch's Jahrbuch für Israeliten, dessen Redaktion er übernommen hatte, „Bilder aus Alexandriens Vorzeit", ein Zeugniß seiner eminenten schriftstellerischen Begabung und seines Talentes, streng wissenschaftliche Forschungen in belletristische Form einzukleiden. Auch ein novellistischer Versuch, „Judenthum und Romantik", dem Gutzkow in stilistischer Hinsicht volles Lob spendete, fällt in . jene Zeit. Eine reiche Thätigkeit entfaltete er im Jahre 1848. Vereinzelte Aufsätze, Gedichte erschienen damals im „Zentralorgan" und in der „Wiener Zeitung". Hervorzuheben ist die „Sturmpetition eines Pädagogen". Jüngst hat erstHelfert in seinem Buche über das schriftstellerische Leben des Jahres 1848 sein Gedicht „des Juden Vaterland" neuerdings publicirt. Nachdem er einen Ruf als Rabbiner in Groß-Kanizsa abgelehnt hatte, errichtete er im Vereine mit seinem Bruder Josef eine Erziehungsanstalt für Knaben, welche sich eines ganz bedeutenden Rufes erfreute und die Resultate der modernen Pädagogik zuerst bei den Juden Oesterreichs einsührte. Das Institut war mustergültig geleitet und der allsabbatliche Jugend-Gottesdienst, bei welchem er die Predigten hielt, ward von den Kindern der gebildetsten Wiener Familien frequentirt. Als sich sein Bruder Josef auf die Leitung seines Mädcheninstitutes beschränkt und er Jahre lang das Knabeninstitut allein geleitet hatte, erhielt er 1860 das Oeffentlichkeitsrecht und das Recht zur Ausstellung staatsgüttiger, Zeugnisse, der erste Fall in Oesterreich, daß ein Jude ein solches Recht erlangte. Um jene Zeit vereinigte er sich in der Leitung der Anstalt mit seinem Schwager vr. Pick und gründete die Wochenschrift „die Neuzeit", anfänglich im Vereine mit vr. Kompert, welcher er 21 Jahre seines thätigen Lebens und bie ganze Kraft seines Geistes und seines Herzens widmete. Gleichzeitig schrieb er längere Arbeiten für das Wertheimer'sche Jahrbuch, dessen Redaktion er später selbst übernahm, Arbeiten, die seinen Namen weithin verbreiteten. Erwähnt seien „Schullehrers Paradoxa", „Fahrende Juden", „Musterungen zur Charakteristik der Erzieherwelt", „Bescht", Enthüllungen und Streiflichter" u. s. w. Großes Aufsehen erregten seine Feuilletons in der Wiener „Tagespresse" und deren Beilage „Frauenzeitung", welche er unter dem Pseudonym vr. Unbefangen veröffentlichte („Die neuen Juden im alten Rom", „Sophie, eine Geistergeschichte",, welches eine populäre Geschichte der alten Philosophie für Damen war, „Jllustrirte Erziehungskunde für Damen" re.), ferner in der „Neuen Fr. Presse" unter der Chiffre ***, im „Tageblatt" unter dem Pseudonym S. Pflüger (Uebersetzung des ungarischen Namens Szanto) u. a. Seine Feuilletons fanden vielfache Berücksichtigung, sogar in wissenschaftlichen Werken, und beschäftigten sich hauptsächlich mit religiösen und kirchenpolitischen, auch mit culturhistorischen Fragen. Wurzbach rühmt in seinem biographischen Lexicon diese Aufsätze ganz besonders. Seit 1864 war erbeeidigter Gerichtsdolmetsch für die hebräische Sprache, seit 1869 Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht an den Wiener Schulen. .Seine Thätigkeit in den Synoden zu Leipzig und Augsburg ist noch in Erinnerung., Von größeren Serien von Aufsätzen aus der „Neuzeit" ist zu erwähnen „ Lügenwirthschaft", „Geschichte der jüd. Frauen", „Stammes- und Glaubensgenoffenschaft" u. a. Seine „Zwei Briefe an den heiligen Geist im Konzil" erschienen auch als Broschüre und wurden in's Englische übersetzt. - Eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltete er als