Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1882)
- Date
- 1882-02-07
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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eben die durch jenen Erlaß geschaffenen Provinzial-Commissionen nach Petersburg gesandt haben. (Die obige Zeitungsnachricht aus Petersburg vom 21. Januar erweist dies zur Genüge!) Warschau , 15. Januar. Der folgende Bericht spricht durch die Thatsachen, die er enthält, hinlänglich für sich. „Aufrichtige Freundschaft erkennt man in der Noth." Die Wahrheit dieses Sprüchwortes hat sich hier nach der so traurigen Katastrophe auf's Glänzendste bewährt. Alle Schichten der hiesigen Gesellschaft, ohne Unterschied der! Confession und des Standes, bezeigen ihre wahren Gesinnungen gegen die Juden , durch ihre Hilfeleistung für die Verunglückten, welche erstere noch nie dagewesene Dimensionen annimmt. Bereits am 12. December drückten die Aelterleute sämmtlicher hiesigen Gewerbsämter und die bedeutendsten Fabrikbesitzer dem Herrn Stadtpräsidenten sowohl in ihrem Namen, sowie im Namen ihrer Untergeordneten, ihre Entrüstung über den Act der Ruhestörung aus, und äußerten . dabei ihren Wunsch, ein Comits zum Behufe der Hilfeleistung der Verunglückten zu constituiren. Der Herr Präsident unterlegte dieses Gesuch dem Herrn Generalgouverneuer, erhielt die erbetene Genehmigung zur Bildung des. projectirten Comitös, und noch am selben Tage wurde die erste Sitzung abgehalten. Beim Beginn seiner Thätigkeit wandte sich das Comits mit einem Aufruf an das Publicum und appellirte an die guten Gefühle der Einwohner Warschaus und derjenigen anderer Ortschaften. Zugleich beschloß das Comits in der ersten Sitzung: 1) Eine Publikation ergehen zu lassen, in welcher die Ursachen, die das. Bilden des Comitss veranlaßt haben, auseinandergesetzt und die Einwohner Warschaus aufgefordert werden sollten, durch Darbringung reicher Spenden ihren Unmuth über die Ruhestörer auszudrücken. 2) Unter den anwesenden Mitgliedern des Comitss eine Collecte zum Behufe der allerersten Hilfeleistung zu veranstalten. Diese Collecte ergab zunächst die Summe von 4300 Rbl. 3) Den Herrn Baron Stanislaus Lester zum Cassirer zu designiren. 4) Eine Delegation zu wählen, welche festsetzen soll:, a. den Schaden, welchen die Juden durch den Krawall erlitten haben, und d. die pecuniären Zustände der durch die Katastrophe in der Kreuzkirche Verunglückten. 5) Eine Commission zu wählen) welche die Unterstützungen austheilen soll. 6) Der Unterstützungscommission zur Pflicht aufzuerlegen, über die Personen, welche von ihr subventionirt wurden, specielle Register zu führen, mit genauer Angabe ihrer materiellen Lage, ihrer Adresse und der Größe der Summe, die ihnen gewährt wurde. Außer diesem, Hilfscomit6 bethätigt sich der Wohlthätigkeitssinn der Warschauer auch auf andere Weise. Sowohl im großen als im kleinen Theater w.rden Vorstellungen zu Gunsten der durch den Krawall Verunglückten veranstaltet. Den Verkauf der Billete. und der Programme an der Kaste der Theater übernahmen Damen aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft. Der hier existirende Wohlthätigkeitsverein beschloß in Anbetracht der letzten stattgefundenen Unruhen, einen Theil seiner bedeutenden Revenüen zur Unterstützung der unglücklichen Opfer des Krawalls zu verwenden. Auch die hier lebenden barmherzigen Schwestern vertheilen unter die verunglückten Juden bedeutende Spenden. Während dessen fließen von allen Seiten bebeuteubc Summen ein. Graf Krasinski spendete zu allererst 1000 Rbll und beröfsentlichte noch dazu einen offenen Brief in bgn Zeitungen, in welchem er sein tiefes Bedauern über die stattgefundenen Unruhen aussprach. Zwei Christen , welche ungenannt zu bleiben wünschen, brachten ferner zum felbcu Zwecke 3000 Rbl. dar. Graf Potocki spendete gleichfalls eine bedeutende Summe, und Graf Zamoiski schickte dem Comits 500 Rbl. zu. Von den Juden spendeteil bedeutende Beiträge folgende Personen: Die Familie Nathansohn 3000 Rbl., Landau 2000 Rbl., L. Lew 2500 Rbl., A. Bernstein, Frau F.Baumann, Schai Priwes, Braunstein und Reichmann je 1000 Rbl. Ueberhaupt spendete die jüdische Gemeinde, nach der „Gazeta Polsky", 23,000 Rbl. Die Redaction des „Kurier Warzawski" theilt mit, daß bei ihr bereits mehr als 14,000 Rubel eingefloffen seien, darunter nebenbei als Curiösum bemerkt, ein Beitrag von 8 Rbl.,, welche Insassen des Schuldgefängnisses zu diesem Zwecke unter sich collectirt haben. Als hier die Insinuation der russischen „Nov. Wr." bekannt wurde, nach welcher die feindliche Gesinnung der hiesigen Arbeiter, resp. armen Bevölkerung, gegen die Juden, die letzten Unruhen veranlaßt haben sollten, veröffentlichte die „Nowiny" einen Aufruf an die arme Klaffe der Bevölkerung, durch Darbringung geringer Spenden gegen die Behauptung der „Now. Wr." zu protestiren, welcher Aufruf außerordentlichen Erfolg hatte. Nach der „Gazeta Polsky" theilen viele arme christliche Familien ihre dürftige Wohnung und ihre allzu kärgliche Nahrung mit den armen brod- und obdachlosen Juden. Dagegen sollen viele Juden , nach dem „K. W.", auf die .ihnen gereichten Spenden verzichtet und darauf hingewiesen haben, daß man ohne Zweifel mehr der Hilfe Bedürfende, als sie es sind, finden werde. Rumänien. Bukarest, 17. Januar. In Folge, der Vollzugsverordnung zum Lizenzgesetz, welches Nichtvollbürgern den Betrieb des Schankgewerbes nicht blos in Dörfern, sondern auch in kleinen Städten verwehrt, haben unter den davon schwer be-