Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1882)
- Date
- 1882-02-07
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Krawallmacher nach Nagy-Szöllös bringen ließ; damit hat aber die Hetze noch kein Ende, ja sie breitet sich immer mehr aus. Sie hat auch in den benachbarten Dörfern des Bereger Komitats Wiederhall gefunden und es ist zu fürchten, daß sie große Dimensionen annimmt. . ' Frankreich. Paris, 24. Januar. Der Großrabbiner von Frankreich Isidor hat ein Sendschreiben an alle französischen Großrabbiner gerichtet, in welchem er darauf dringt, aller Orten die Feierlichkeiten bei Leichenbegängnissen nicht allein würdig, sondern auch in voller Uebereinftimmung herzustellen. Gegenwärtig fänden fast so viele verschiedene Riten statt, wie es Ortschaften giebt. Wäre dies schon überhaupt ein Bedürfniß, um die Religion angemessen zu vertreten, so trete dies nach dem neuen Gesetze, welches alle confessionellen Begräbnißstätten aufhebt, das jedoch, wie Herr Isidor bemerkt, von den Behörden nur „langsam und mit großer Schonung" ausgeführt werden würde, noch mehr hervor. Er schlägt zu diesem Ende die bewährten Feierlichkeiten vor, welche in Paris seit langer Zeit angenommen worden. Es müsse jedes Begräbniß von dem betreffenden Rabbiner oder wo ein solcher nicht vorhanden, vom Vorbeter geleitet werden. Der Ritus bestehe aus folgenden Gebeten: 1) i'-Q ouriN -ist ■wk; 2) irfcy- -iDD3 3) ryo: niTOD; 4) Pri&re fran<jaise (Dieu de honte, etc.); 5) D'Dn iS". Er hofft, daß die Großrabbiner seinen Vorschlag überall zur Ausführung bringen werden. — Der Gemeinderath von Paris hat. in seiner Sitzung vom 26. Dezember 600,200 frcs. aus dem Budget der Stadt gestrichen, welche für Wohnungsentschädigung an katholische Geistliche, protestantische Pastoren und Rabbinen gezahlt wurden. Da aber die Verpflichtung hierzu noch nicht gesetzlich aufgehoben, worden, wird die Staatsregierung diese Posten in das städtische Budget wieder einstellen. — Bei der Senatorenwahl am 8. Januar wurde Millaud, der zu den abtretenden Senatoren gehörte, mit großer Majorität wiedergewählt. — An Stelle des verstorbenen Littre wurde von der Akademie Michel Br6al (Israelit) zum Mitgliede ihrer Commission für den Preis Volney gewählt. — Herr May wurde vom Präsidenten der Republik zum Professor des Civilrechts an der juristischen Fakultät von Nancy ernannt. — Am 3. Januar feierte Senior Sachs, der bekannte- Gelehrte, seine goldene Hochzeit. Er ist am 17. Juni 1815 in Keidan in Rußland geboren, war also bei seiner Verheirathung 17 Jahre alt. ■ Großbritannien. London, 24. Januar. Der Times zufolge hat der russische Botschafter Fürst Lobanow infolge einer Weisung der russischen Regierung es abgelehnt, die Bittschrift der englischen Israeliten zu Gunsten dev russischen Juden an den Kaiser von Rußland zu übermitteln. — Jndeß verbreitet sich in England die Bewegung immer weiter. Am 2. Februar wird in Manchester ein Meeting abgehalten zum Zwecke, die Verfolgung der Juden in Rußland zu verdammen. Ähnliche Meetings werden in' Liverpool und einigen anderen großen Städten Englands vorbereitet. London, 25. Januar. Gladstone hat ein an ihn gerichtetes Schreiben, worin er ersucht wurde, im Namen der englischen Regierung gegen die. grausame Verfolgung der Juden in Rußland Protest einzulegen, dahin beantworten lassen, daß „Ihrer Majestät Regierung bei geeigneter Gelegenheit vorbereitet sein werde, ihre Ansicht über die gehörige Haltung, welche sie mit Bezug auf diese bedauernswerthen Ausschreitungen annehmen sollte zu erklären." London, 26. Januar. Einem Eingesandt in der Times zufolge hat Gladstone jede diplomatische Parteiergreisung für die Juden in Rußland mit der Bemerkung abgelehnt, daß „jede Regierungseinmischung dort überflüssig sei, wo die Grausamkeiten der fanatischen Unwissenheit eines Volkes entspringen." Ein Nachmittagsblatt hält ihm darauf eine Bemerkung aus feiner-Rede in Greenwich vom 11. Sept. 1876 entgegen, in welcher er sagte: „Ich glaube, daß der Puls der Menschheit jetzt in dem Volke (den Russen) klopft". Uebrigens gedenkt Baron H. de Worms zu der Debatte bei der Parlamentseröffnung einen Antrag zu stellen, der das Verhalten der russischen Regierung verurtheilt und England im Anschlüsse an das Beispiel Lord Rüssels von: Jahre 1863 zu Vorstellungen an Rußland wegen der Judenverfolgungen auffordert. Dänemark. ' Kopenhagen, im Januar. (Privatmitth.). Die Unparteilichkeit, deren sich die A. Z. d. Jud. stets befleißigt, nöthigt mich, einige Bemerkungen zu der Correspondenz zu machen, welche dieses Blatt S. 824 des vor. I. von hier enthält. Zunächst hat das Referat über Ihre Schrift: „Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt?" in der hiesigen „Nationalzeitung" gestanden und diese ist kein „wenig", sondern ein vielgelesenes Blatt. Der Referent ist ein Prediger an einem hiesigen Hospital, und wird wohl kaum zu den dänischen Gelehrten gerechnet. Anderentheils trifft Alles, was in jener Korrespondenz gesagt wird, wesentlich dieses Referat, nicht aber das vor einem Jahre erschienene Schriftchen, dessen Verfasser sich H. B. zeichnet. Der Inhalt dieser Schrift ist von jenem Referat völlig verschieden. Der Verf. will erweisen, daß das bekannte Einschiebsel im Josephus echt sei, und bewegt sich dabei lediglich im Zirkel. Für jeden Unbefangenen ist ihm, wie es auch gar nicht anders