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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-02-07 · Heft 6 (7.2.1882) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 6 (7.2.1882)
Date
1882-02-07
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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©et Scotsman meint, Deutschland sei der eigentliche Sünder und Verursacher dieses antisemitischen Krieges, „wo er sich in. der Form von gesellschaftlicher Zurücksetzung, Verachtung und Verfolgung äußert". - Selbst die > „ Christian World“ ermahnt zur schnellen Hilfe und t>et; „Lancashire Figaro“ drückt die Hoffnung aus, daß die öffentliche Meinung in England und Frankreich nicht wird umhin können, ihren Abscheü und Ekel gegen das grausame Benehmender russischen Regierung zu erklären. Daß das philosophische Deutschland keine Lorbeeren hier erntet, werden Sie wohl begreiflich finden. In russischen Kreisen, und vielleicht ist es auch in judenfeindlichen deutschen Kreisen der Fall, wird die ganze Preßagitation nur dem zwischen den Conservativen und Liberalen herrschenden Antagonismus" zugeschrieben. Ich kann Sie versichern, daß dem nicht so ist. Allerdings stellt die conservative Presse zuweilen Forderungen an die Regierung, denen sie schwerlich entsprechen kann; allerdings ist es eine, in Deutschland etwas fremdartig erscheinende Thatsache, daß die englische conservative Presse mehr Sympathien mit den Juden hat als die liberale; aber was das erstere anbetrifft, so ist es nun einmal eine' zur zweiten Natur gewordene Gewohnheit einer jeden Regierungsopposition bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit die resp. Regierung anzugreifen, und das gilt von der Rechten eben so gut wie von der Linken; daß die englische Opposition von diesem alten Gebrauche nicht läßt, zeugt noch nicht dafür, daß sie die Judenfrage als bloßes Agitationsmittel zu einem Parteizweck benutzt; und selbst die liberale Presse, wie oben gezeigt, hat ihre Pflicht gegen die verletzten Menschenrechte gethan. Daß eine derartige Beschuldigung der Presse ganz grundlos ist, zeigt das einmüthige Auftreten von Persönlichkeiten verschiedener politischer und religiöser Ueberzeugungen, daß nur die Achtung vor Menschenrechten, die leider jetzt mit Füßen getreten werden, das einzige Motiv sei für das Er-' wachen eines Gefühles der Indignation. Ein Blick auf die Unterschrift derer, die den . Lordmayor ersuchten, ein Publik- Meeting einzuberufen, Namen auf die das englische Volk stolz ist, bestätigt das Gesagte. Der Erzbischof von Canterbury, der Bischof von Oxford (liberal), einer von denen, die im Jahre 1876 gegen die türkischen Gräulthaten in Bulgarien protestirten, die Bischöfe von Gloucester, Bristol und Manchester, Matthew Arnold, Cardinal Manning, Lord Shaftesbury, Lord E. Fitzmaurice, Lord Elcho, Mr. Tyndall und Charles Darwin gehören zu den'38 Personen, die das oben erwähnte Gesuch Unterzeichneten.' Das Meeting ist bereits vom Lord Mayor für den 1. Februar einberufen worden und wird aller Wahrscheinlichkeit nach denen von 76 nicht nächstehen. Es hat einen doppelten Zweck. Erstens: die russische Regierung und Gesellschaft wegen' deren passiven Verhaltens oder geheimer Aufmunterung bei Gelegenheit der letzten Juden? Plünderungen zur Scham aufzufordern und zweitens: einen Fond zu stiften, mit welchem die Emigration nach Amerika und der Türkei bewerkstelligt werden soll. 1,000,000 Pfd. St. wird allgemein als nöthig betrachtet, was auch wahrscheinlich zusammenkommen wird, und wozu Herr Moeatta. 10,000 Pfd. St. gezeichnet hat. Äußer diesem Meeting finden Anfangs nächsten Monats in der Provinz Meetings statt, unter dem Vorsitze des Baron H. de Worms, an denen viele Abgeordnete beider Parteientheilnehmen werden. Was den Zielpunkt der Emigration anbetrifft, so ist man sich noch nicht im Klaren darüber, weder in jüdischen noch christlichen Kreisen, ob die Masse der Auswanderer nach Amerika oder Palästina gehen soll. Interessant ist in dieser Beziehung ein Brief des geistreichen Schriftstellers Cl/arles Reade im Daily Telegraph vom 22. d. M. Er schreibt u. A.: „Wir wollen die Lage (der Juden) genau betrachten, da sie so kritisch und neu zugleich ist. Judenverfolgungen im großen Maßstabe gehören nicht der Gegenwart an, sind ein Rückfall in die finstere Vergangenheit. Eines der Merkmale, die den wahren vom falschen Christen unterscheiden, ist, daß jener die hebräischen und griechischen Schriften mit Ehrfurcht studirt und daraus lernt, was sein Herz, seine Seele und seine Vernunft den Geschichtsschreibern, Dichtern, Philosophen, Propheten, Predigern und Lehrern, mögen sie Hebräisch oder Griechisch geschrieben haben, die aber Alle Juden waren, schuldig ist, und so die jüdische Nation achten, und auf die Zeit hoffen, wo sie ihren Boden wiederum in Besitz nehmen wird, der darauf zu warten scheint. Diese Hoffnung eines jeden Christen ist wegen eines anderen Grundes der heiße Wunsch Vieler — da unsere Prophezeihungen, wenn auch dunkel, bezüglich ihrer Details klar in zwei Punkten sind: Daß die Juden Palästina wieder in Besitz nehmen und vom Euphrat bis zum Libanon herrschen müssen, und daß dieses Ereigniß nur die erste einer großen Reihe von Umwälzungen ist, die zu einer Verbesserung der Lage der leidenden Menschheit und der Geschöpfe (oreation) führen muß. Nun haben wir ein erhabenes Ereigniß in Aussicht, so sicher wie daß die Sonne Morgen scheinen wird, mit dem Unterschiede jedoch, daß die Sonne zu einer bestimmten Stunde aufgehen wird, und die Juden an einem noch nicht festzustellenden Tage Syrien occupiren und den nationalen Ruhm wieder erobern werden.'" — Stimmen aus Frankreich. II. Herr Hyacinthe Loyson, der bekannte gallikanische Prediger, hat einen Portrag über „Die Pflicht der christlichen Völker gegen die Juden" gehalten, von welchem wir nach dem

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