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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-31 · Heft 5 (31.1.1882) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 5 (31.1.1882)
Date
1882-01-31
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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ruht der Artikel des Herrn M. auf Angaben, die er zwar thuend, auch zu hören, durch welchen Zufall Mancher, der in meinem Feuilleton will gelesen Haben, die aber durchaus nicht darin Vorkommen. Ad a.) entgegne ich,, daß weder die mir in den Mund gelegten Worte in meinem Feuilleton Vorkommen , noch daß die ganze Behauptung von mir ausgeht. Die betreffende Stelle heißt: „wie.man sagt, sei die Aufführung desselben aus Rücksicht für die noch lebenden Verwandten der im Stücke hande l nden Pe rs o n e n unterbliebe n." Ich erzählte also nur, was man gesagt hat, und daß es sogar von maßgebender Seite behauptet worden, weiß der Herr M. ebenso gut wie ich. Einige behaupteten sogar, daß man das Trauerspiel hier noch gar nicht gespielt hätte. (S. Algem. Hbld. v. 15. Nov. 1881 die Worte: een treurspel, dat volgens rneäedeelingen in dagbladen hier nimmer is opgevoerd.) Ad b.) entgegne ich, daß der geehrte Herr^D. H. de Castro, der die Auslegung der Worte A. R. nebst der bewußten Acte im „Handelsblad v. 17. Nov. 1881" veröffentlicht hat, nicht nur, wie er selbst schrieb, , das Port, .isr., sondern auch das Ved. Herv. Archiv zu Rathe gezogen, und uns in eben demselben Blatte mitgetheilt, daß sich der Name Uriel da Costa allerdings auf einer Handschrist im Port. isr. Archiv befindet! Ob nun der Herr de Castro viel Ausbeute gefunden oder nicht, thut hier nichts zur Sache, factum est! — Die Beschuldigung gar, als hätte ich m i r die Auslegung der Worte A. R. zueignen wollten, weife ich entschieden zurück und schreibe diesen Vorwurf wieder der unverantwortlichen Oberflächlichkeit des H. M. zu. Wenn es heißt: „die Apposition hat eine Erklärung gefunden", wird noch keiner verstehen wollen, daß i ch die Erklärung gefunden, wenn aber noch hinzugefügt wird, daß „die interessante Bemerkung der Presse entnommen ist", dann wirft die Beschuldigung geradezu ein grelles Licht auf die Wahrheitsliebe des Herrn M. — Auf den lächerlichen Schluß zu antworten, verspüre ich durchaus keine Lust; nur will ich bemerken, daß außer den sachlich angeführten auch noch äußerliche Unrichtigkeiten in der sogenannten Entgegnung des Herrn M. Vorkommen, so die Worte relabatie und relaxatic und vr. Der geachtete Herr de Castro mag auf hebr. Gebiete bereits Tüchtiges geleistet chaben, besitzt aber keinen Doctorhut. Vermischtes. Eine Rettung durch ein Jahrzeitlicht. Man schreibt aus Wien: Wenn man der vielen entsetzlichen Szenen gedenkt, die sich an dem verhängnißvollen 8. Dezember abgespielt haben, dann ist es doppelt 'wohlsich in die — allerdings ungeahnte — Gefahr begeben wollte, davon zur guten Stunde abgehalten worden ist. So schreibt ein hiesiger Einwohner an das „Fremdenblatt" Folgendes: „Ich hatte für vergangenen Donnerstag, bereits. einen Parquetsitz für das Ringtheater gelöst, das ich diesmal ausnahmsweise allein, das heißt ohne meine Fraudie sich etwas unwohl fühlte, besuchen wollte. Des Nachmittags erhielt ich Besuche, u. A. war auch meine Schwiegermutter bei mir erschienen. Um 3/47 Uhr kleidete ich mich an, um in das von meiner Wohnung nicht allzu entfernte Theater zu gehen, entschuldigte mich bei der Schwiegermama und sägte Adieu. Im vordern Zimmer angelangt,, erblickte ich plötzlich auf einem Tische ein — Seelenlicht brennen. Meine gute Frau hatte dasselbe besorgen lassen, weil auf den folgenden Tag der Jahrestag des Todes meiner seligen Mutter fiel. Dieses Seelenlicht rettete mir — vielleicht — das Leben, denn beim Anblicke desselben kehrte ich zurück, verrichtete ein stilles Gebet und blieb zu Hause. Kurz darauf' drang auch in unsere Wohnung der Schreckenruf: „Das Pingtheater brennt!" Erschreckt sank meine Frau auf die Knie und rief voll Ahnung: „Heiliger Gott, das giebt ein großes Unglück!" — Und so war es auch." An dem Umstande, daß das „Seelenlicht" schon am Abend vorher für den folgenden Tag angezündet worden, erkennt , man, daß es sich um eine jüdische „Jahrzeit" handelt. Johann Arany und der JudenknaLe. Von I. Arany, dein bedeutendsten ungarischen Dichter der Gegenwart, dessen Dichtungen auch theilweise ins Deutsche übersetzt sind, erzählt „P. H." folgende Reminiscenz: Als Arany noch Professor am Nagy-Köröser Kollegium war, wurde, er von den Schülern vergöttert. Unter den letzteren befand sich'auch ein Judenknabe, Namens Anton Atki, den Arany sehr lieb hatte, und den auch seine Mitschüler gut leiden konnten. Doch als sie eines Tages er- ' fuhren, daß Atki Jude sei, konnten sie es ihm nicht verzeihen, daß sie ihn lieb gehabt und eines Tages fiel die ganze Klasse über den armen Jungen her. In/diesem Momente trat Arany in das Schulzimmer; ein Blick sagte ihm, um was es sich handelt. Ohne ein Wort zu sagen, verließ er das Zimmer. Nachdem der geliebte Professor zwei' Tage lang nicht die Klasse besucht hatte, sandten die Schüler eine Deputation, um ihn um Verzeihung zu bitten. Doch Ärany blieb unbeugsam: „Eine Klasse, die Jemanden seiner Religion wegen mißhandelt, unterrichte ich nicht", sagte er und wendete der Deputation den Rücken. Noch einmal versuchte eine Deputation zu Arany zu gelangen, allein er ließ

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