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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-31 · Heft 5 (31.1.1882) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 5 (31.1.1882)
Date
1882-01-31
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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pensionirt, wurde er 1870 nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges als Deutscher aus Paris verwiesen und verlor seine Pension, die ihm jedoch durch hochherzige Freunde ersetzt wurde. Er siedelte nach Brüssel über,, wo er einsam und als Sonderling bis zu -seinem Hinscheiden lebte. Die widrigen Lebensschicksale und das Exil aus dem Vaterlande hatten die schöpferische Kraft in ihm geknickt und ihm nur die lebhafte Phantasie gelassen, die ihn über die bitteren Täuschungen hinweghob. — Es war ein schönes Fest, das am Sonntag, den 1. Januar Abends gegen 500 Personen in dem großen Saale der städt. kath. höh. Bürgerschule in Breslau vereinte. Es waren an jenem Tage gerade 40 Jahre verflossen, seitdem der Director der hebräischen Unterrichtsanstalt, Herrvr. P. Neustadt seine Lehrthätigkeit begonnen hatte. Der Saal war auf das Geschmackvollste decorirt, im Innern, wie am Eingänge mit Guirlanden, Fahnen, Wappenschildern, der Stuhl des Jubilars mit Laubgewinde gegiert: Im Hintergründe des Saales erblickten wir eine Bühne aufgerichtet. Sobald der Jubilar den Saal betrat, begleitet von 2 Mitgl. des Schülercomites, erscholl von der Bühne der Gesang des Schülerchores, der den Ps. 113 intonirte. Darauf trat ein Schüler der ersten Knabenklasse vor den Jubilar hin und hielt Namens seiner Mitschüler eine tiefempfundene Rede, gegen deren Ende er das Geschenk überreichte, ein großes Tableau, das die Gruppenbilder sämmtlicher gegenwärtigen Schüler und Schülerinnen klassenweise um das Bild des Jubilars gruppirt enthielt. Nachdem noch ein Mädchen Namens ihrer Mitschülerinnen gratulirt und ein Gedicht vorgetragen hatte, antwortete der Jubilar in tiefergreifender Rede, aus welcher man den überwältigenden Eindruck, den eine solche. Ueberraschung hervorgerufen hatte, heraushören konnte. 'Nach einem Schlußgesang und kurzer Pause, bot der 2. Theil des Festprogramms die theatralische Aufführung des bekannten histor. Dramas von Jul. Kossarski „Jerusalems Ende" (gerade für den Abend nach nyö2 m^y passend) in starker Umarbeitung und mit ihr den Hanptgenuß des Abends. Die Schauspieler waren ausschließlich Schüler der Anstalt, und es war ein Genuß zu sehen, wie diese kleinen in den Kostümen der alten Römer und Juden sich auf der Bühne ungeniert bewegten und ihre Rollen mit tiefem Verständniß vortrugen. Rauschender Beifall und wiederholter Hervorruf belohnte die kleinen Helden für ihre Mühe. Der Aufführung war ein Prolog vorangegangen, gesprochen von einer Schülerin, welche am Ende einen Lorbeerkranz mit entsprechender Widmung überreichte. Gegen 1/$ Uf)r hatte das Fest im Saale ein Ende; in der Wohnung des Jubilars verbrachten die „großen" Mitglieder des „Theaterpersonals", die Choristen, die Redner und Rednerinnen den Rest des Abends. Zahlreiche Briefe, Telegramme, Geschenke waren dem Jubilar im Laufe der Woche zugegangen. — Man berichtet aus Berlin: Da uns vr. Bernhard Förster nun einmal für sich interessirt hat, mag hier folgende Notiz Platz haben: vr. Bernhard Förster hat beim Magistrat seine Beurlaubung nachgesucht. Der Magistrat hat, wie wir hören, beschlossen, dem Petenten einen Urlaub vom 1. Apil bis Ultimo September er. bei Auszahlung des vollen Gehaltes mit der Maßgabe zu bewilligen, daß vr. Förster zum 1. Oktober er. seine Entlassung ohne Ansprüche auf Pension nachfucht. — Das Bankgeschäft M. Blumenthal, vormals S. W. Brandes, feierte gestern den Tag seines hundertjährigen Bestehens. Hat auch der Inhaber des unter der Firma S. W. Brandes am 20. Januar 1782 gegründeten Geschäftes durch Vererbung mehrfach gewechselt, so befindet sich doch, eine Seltenheit, das Geschäft heute noch in denselben Räumen, Königs- und Poststraßen-Ecke, in denen es vor 100 Jahren seine Thätigkeit begann. —- Am 18. Januar feierten die „Alten Burschenschafter" einen großen feierlichen Commers. Als znm Hauptsalamander der Geh. Sanitätsrath vr. Adolph Löwen st ein eine begeisterte Rede hielt und ein Hoch auf „Freiheit, Vaterland und Ehre!" ausbrachte, nachdem er daran erinnert hatte, daß er das 106. Semester hinter sich habe — sank er vom Schlage getroffen todt nieder. Der im 71. Lebensjahre befindliche Herr war eine ebenso beliebte wie geachtete Persönlichkeit. Am Leichenbegängniß, das am 22. d. auf dem jüdischen Friedhofe stattfand, betheiligten sich offiziell die Berliner Burschenschaften.— Der Jewish Messenger, der in New-Aork erscheint, ersucht uns,'mitzutheilen, daß er soeben seinen 25. Jahrgang begonnen hat, dieses Ereigniß feiert, und bei dieser Gelegenheit das Portrait seines Gründers Rev. S. M. Jsaacs giebt. Ieuilleton. Amsterdam, 18. Januar. Replik an Herrn M/s Wahrheitsliebe. Wenn der Herr M.' seine Entgegnung in Nr. 2 d. Ztg. wirklich im Interesse der Wahrheit geschrieben hat, so bedauere ich, daß sein allzugroßer Eifer diesmal auf falscher Basis beruht. Wenn der Herr M. mein Feuilleton genauer gelesen und die einzelnen Sätze in ihren Details besser erfaßt hätte, würde er sich den^chein der Oberflächlichkeit erspart und leichter zur Erkenntniß der Wahrheit gelangt sein. Abgesehen davon, daß die Berichtigung der zwei vermeintlichen Jrrthümer noch lange keine „Entgegnung" auf meinen Aufsatz in Nr. 50 d. Ztg. heißen kann, und der breitspurige Titel über M.'s Schreiben nur von großer Unbescheidenheit zeugt, be-

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