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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-31 · Heft 5 (31.1.1882) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 5 (31.1.1882)
Date
1882-01-31
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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75 hin, welche große Dienste in industrieller und finanzieller Beziehung die Juden Rußland geleistet haben, und fortdauernd leisten, daß die Russen selbst noch mehr Schaden von diesen Vorgängen hätten, als die Juden, und daß die Auswanderung der letzteren den Verlust eines energischen, einflußreichen Elements hMbeisühren werde, „der sich um so ernster fühlbar machen wird, in der Mitte einer Bevölkerung, die nur eine Mischung von^Slaven, Finnen und Tartaren ist." Das Aufsehen, das die Timesartikel in England machenj, hat zu-- nächst die Bildung eines Comiws aus. den hervorragendsten Männern bewirkt, von welchem wir in voriger Nummer nach dem „Observer" berichtet, haben. London, 18. Januar. Die Presse äußert sich sehr heftig über die „russischen Grausamkeiten" gegen die Juden und ermahnt Gladstone zu diplomatischem Einschreiten. Daily Telegraph weist als Vorbild auf Russel's Eintreten in Polen im Jahre 1863 hin. London, 22. Januar. (Privatmitth.) Die Times-Artikel über die Judenverfolgungen in Rußland im Jahre 1881, die so ungeheures Aufsehen gemacht haben, sind bereits in einem Separatabdruck bei Spottiswoode & Co. New - Street Square erschienen und zwar mit einer Karte versehen, in welcher die Lokalitäten, in denen die Verfolgungen stattgefunden, verzeichnet sind, sowie mit einem alphabetischen Register der 167 Ortschaften nebst Angabe des Datums und derMerfolgungsweise. In dem zweiten Artikel hat der Times- Correspondent die 41 Städte aufgeführt, in welchen durch Brandstiftung die Judenquartiere niedergebrannt und deren Bewohner obdachlos und alles Eigenthums und Erwerbes beraubt wurden. Er giebt den Eigenthumsverlust der Juden auf 16 Millionen L. St. an, sowie die Zahl der in Armuth gestürzten jüdischen Familien auf 100,000 Familien an. Hierauf schilderte er die Austreibungen, die gleich nach den Verfolgungen von der betr. Ortspolizei mit Genehmigung der Gouverneure ausgeführt wurden, und die eine andere große Zahl jüdischer Familien in Noth und Elend,- oft in Frost und Schnee hinausjagten. (Wir übergehen die Einzelheiten, die wir größtentheils früher schon in den Zeitungsnachrichten brachten. Redakt.) Diese Artikel haben nun in England eine große Aufregung hervorgebracht und von allen Seiten wird an den Premierminister Gladstone die Aufforderung gestellt, diplomatisch einzutreten, um, wenn auch praktisch nichts dadurch erwirkt werdenden Russen klar zu machen, welches Urtheil die civilisirte Welt über die Barbareien hege, die in ihrem Lande geschehen. — Uebrigens, daß in einem Staate nicht straflos dem entsittlichten Pöbel die Zügel gelockert werden, ergiebt sich aus den neuesten Nachrichten, nach welchen Pöbelhaufen in eine Vorstadt von Dünaburg eingedrungen sind und daselbst, an den Deutschen und Letten dieselben Greuel verübten, wie sie die Juden in Süd- und Westrußland erlitten haben. Der Aufstand währte drei Tage und es geschah dies unter den Kanonen der Festung Dünaburg! — Zu der Times gesellen sich nun auch die,-Daily- News", welche niemals russenfeindlich gewesen. Sie bringt eine Correspondenz, welche Haarsträubendes über die persönlichen Mißhandlungen, namentlich der Jüdinnen, berichtet und die der Korrespondent selbst gesehen hat. Wir wollen die Einzelheiten hier nicht wiedergeben. Es heißt darin, daß die Grausamkeiten gewöhnlich an den monatlichen Meßtagen vorfielen, wenn eine Menge von Bauern nach der Stadt kam. Diese reizte man planmäßig durch Trunk und Vorspiegelung von Beute zur Mißhandlung der Juden an; man zeigte ihnen die jüdischen Stadtviertel, besonders deren Wirthshäuser, die sofort geplündert wurden, . während die übrigen Bürger und die Polizisten entweder ruhig zusahen, oder die Be-' trunkenen zu weiteren Gewaltthaten aufmunterten. — Die Aufregung in England wächst daher in England mächtig an. Eine im Mansion-House abzuhaltende Versammlung steht in Aussicht. Ein Cor.resp. der „Köln. Z." meint sogar, daß Gladstone, der jetzt in vollem Schwanken sich befindet, neuen Fuß fassen könnte, wenn er sich jetzt der Judenfrage in Rußland annehmen wollte. , Rußland. Warschau, 10. Jan. Die Nachrichten von hier lauten doch wieder etwas tröstlicher/ insonders wenn man die beiden folgenden Artikel mit einander vergleicht: Der „Brest. Ztg." wird aus Warschau, 3. Jan., geschrieben: Bis auf die Schenken sind alle unversehrt gebliebenen Läden bereits wieder eröffnet, ohne jedoch von Käufern besucht zu-werden. Es ist kein Zweifel, daß durch die letzten Ereignisse alle ökonomischen Verhältnisse verwirrt worden sind, und daß eine geraume Zeit dazu gehört, dieselben wieder in's Geleise zu bringen. Von den 2600 Verhafteten sind mehrere Hundert Buben bis zum Alter von etwa 15 Jahren aus der Citadelle in das Polizeigefängniß abgeführt worden, wogegen ein summarisches Verfahren angewandt wurde, indem ein Jeder eine Zahl von Ruthenstreichen erhielt und dann sofort seinen Eltern oder Vorgesetzten ausgeliefert wurde. Die übrigen Verhafteten sind in drei Kategorien getheilt. Die der ersten Kategorie sollen vor den Einzelrichter, die der Zweiten vor das Kriminalgericht - und endlich die der dritten vor das Kriegsgericht gestellt werden, Bemerkenswerth ist cs, daß unter den Verhafteten der zwei letzten Kategorien sich auch 150 Juden befinden, der Selbsthülfe angeklagt, weil sie in Gegenwart der (wohlgemerkt, unthätigen) Patrouillen auf die Angreifer einhieben und Viele verwundeten. Solche Verwundete befinden sich in den Hospitälern, wie festgestellt, einige zwanzig. ' : ' , 5* . - ' , , ' MEMOLMMWMMMM WMWMMM

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