Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1882)
- Date
- 1882-01-31
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
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bezirk? wurden dieser Tage zwei Juden zu Ortsrichtern gewählt und zwar: in Kisbsr Hr. Sigmund Frankl und in Baltavär Hr. Joseph Meyer. Beide Herren verzichteten auf ihre Bezüge zu Gunsten der Ortsschulen. — Czernowih, 12. Januar. Dem „P. Ll." wird telegraphirt: Die Stadt ist seit einigen Tagen in großer Aufregung, da Flugschriften und Plakate, die gegen die Inden in heftigster Weise aufreizen, allenthalben verbreitet werden. Gestern Nachmittags provozirte ein Schneidergeselle mitten unter den Juden auf der kleinen Börse, indem er gegen mehrere Juden thätlich vorging und.ausrief: „Nieder mit den Juden!" —einen großen Scandal. Zugleich entstanden an anderen Orten Tumulte. Die Polizei verhinderte, daß an dem Schneider Lynchjustiz geübt werde. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Aus Syrmien, 11. Januar. Wir 'geben folgenden Artikel des „P. Ll." hier wieder, weil er aus dem betr. Lande, wie so viele andere Berichte aus anderen Ländern erweist, daß die sogen. „Judenhetzen" ihren Grund. nicht in einer wirklichen antipathischen Stimmung des Volkes gegen die Juden haben, sondern in den Wühlereien der verschiedenen Parteien, die nach einem Punkte suchen, wo Unruhen anzustiften wären. Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß selbst in Berlin die antisemitische Agitation nur ein Mittel sein sollte, um conservative Wahlen zu erwirken, und ihr Handwerk eingestellt hat, nachdem diese Wahlen mißglückt waren. Der Artikel lautet: „Die Lorbeeren der Herren Stöcker und Konsorten lassen verwandte Geister nicht ruhen, und die Judenhetz-Epidemie macht ihren Weg durch die Welt. Daß die neueste „Idee" auch nach Syrmien gelangen werde, hat wohl Niemand bezweifelt; aber daß auf die bedauernswerthen Vorgänge in Warschau eine That, wie die Weihnachts-Brandpredigt des Herrn Csepelics, des Zeremoniärs Sr. Exellenz des Bischofs Stroßmayer von Djakovär, so rasch folgen Schmutz aus solchen Scandalscenen in Bierhäusern anklebt, konnte, nimmt doch ein wenig Wunder; ja es werden sogar wohl am heiligen Orte würdig sein Amt verwalten? Er Stimmen laut, die zwischen den Akten der Warschauer zieht sich selbst den Boden gedeihlicher Wirksamkeit unter den Schwefelbande und den Weihnachtsvorgängen in Djakovär Füßen weg, denn es verträgt sich einmal ein derartiges Aufeinen gewissen geistigen Zusammenhang behaupten wollen, treten eines Geistlichen nicht mit der christlichen Grundan- ( Eigenthümlich bei der ganzen Sache ist die Bemerkung des schauung unseres Volkes."! Berichterstatters der Essegger „Drau", daß Sr. Exzellenz Breslau, 20. Januar. Hier sind gegen 360 russische Bischof Stroßmayer die Predigten für hohe Festtage in der Juden eingetroffen, meistens in großer Hülflosigkeit, so daß! Regel gU zensuriren pflegt. Es leidet wohl keinen Zweifel, Sammlungen für sie angestellt wurden. Sie wollen nach - daß der illustre Kirchenfürst diesmal von seiner Gewohnheit Amerika auswandern und sagten aus, daß in Brody noch! abgewichen sein muß, denn es läßt sich schwer annehmen, 5000 ans der Gegend von Odessa bis Kiew vertriebene! daß der Kampfgenosse eines Döllinger, der erleuchtete Ge- Glaubensgenossen der Weiterbeförderung harrten. ^lehrte, die in der Predigt seines Zeremoniärs zum Ausdrucke ~ ~ . r I gelangten Tendenzen billigen Kkönnte. Wie dem aber auch errelly" ngarn. j fei — immerhin bleibt die Predigt eine Satire aus das Ge- Pest, 15. Januar. (Privatmittheil.) In dem von Jsioczy . bnrtsfest Christi, der da lehrte: Liebet eure Feinde, und thuet im ungarischest Abgeordnetenhaus? vertretenen Römer Wahl- Gutes Denen, die Euch hassen! die. Geistlichen und Gutsbesitzer aus der ganzen Umgegend waren herbeigeeilt, um den großen Mann zu sehen, zu hören. Bei den meisten städtischen Kirchenbesuchern handelte es sich allerdings weniger um den Hofprediger, als um den geistigen Urheber der Antisemitenbewegung, da unsere Stadt fast durchweg liberal ist Am Abende um 7y2 Uhr fand in einem öffentlichen Lokale, in Müller's Hotel, eine sogenannte Fortsetzung der Missionsfeier statt. Die Versammlung, in welcher geraucht und Bier getrunken wurde, wurde mit Absingnng des Lutherliedes: Ein feste Burg re. und mit Gebet eröffnet; begleitet wurde der Gesang durch mehrfaches Pfeifen. Darauf sprach Herr Stöcker über die Stadtmission, über Politik, seine christlich-socialen Bestrebungen, seine Stellung zur Judensrage u. s. w. Aber wie? Die Menge war aufgeregt, durch seine Angriffe wurde sie es noch, mehr, so daß der Vortragende kein Wort sprechen konnte, ohne lebhaft unterbrochen zu werden. Der Vorsitzende, Oberamtmann Barthold, klingelte fortwährend und bat, man möge den Redner doch sprechen lassen, aber der Tumult wurde immer größer, er spottete jeder Beschreibung. Auf einmal war der Redner verschwunden, wie sich nachher herausstellte, um den Bahnhof aufzusuchen, und nun brach der Sturm der Entrüstung erst recht los. Es ist jetzt an den Veranstaltern dieser aufregenden Scenen, sich zu fragen, ob auf solche Weise die Religiosität gehoben wird; sich als gewissenhafte Männer zu fragen, ob sie recht daran gehandelt haben, den hiesigen Ort, in dem bis "jetzt noch viel kirchlicher Sinn herrscht, zum. Schauplatze solcher Skandalscenen . zu machen. Jeder wirklich kirchliche Mann muß mit Bedauern auf solches, unsere Zustände vergiftendes Parteitreiben herabblicken! Ja, jeder Vaterlandsfreund muß mit Bangen in die Zukunft schauen, wenn nicht bald diesem gefährlichen Treiben, diesem Vermischen der Religion mit der Politik ein Ziel gesetzt wird. Kann, so muß man sich fragen, der Geistliche, dem der