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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-31 · Heft 5 (31.1.1882) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 5 (31.1.1882)
Date
1882-01-31
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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thellweise auch mit etwas Zucker bestreut, därgeboten. Etwas, was ich besser und billiger wohl'me bekommen habe, waren die prachtvollen Walderdbeeren, 'welche Kinder an den Fenstern des Zuges präsentirten." „Arbeit ist ja stets an den Bahnstationen vorhanden, besonders wo Alles in so unfertigem Zustande sich befindet, wie hier. /Man hat also Gelegenheit genug,, selbst während der flüchtigen Reise per Bahn, die Juden bei der Arbeit, Erd- und Handwerkerarbeit, zu beobachten. Man braucht nicht gerade zu fragen: Bist du Jehudi? Man erkennt den jüdischen Arbeiter selbst auf der Kuppel des Kirchendachs, wenn er im Sommer den Rock abgelegt hat, an dem Talis- Koton mit den herabhängenden Zizis, ein länglich viereckiges Stück Zeug, welches in der Mitte eine Kopföffnung und an den Ecken die herabhängenden Schaufäden (Zizi8) hat. An einer Haltestelle, wenn ich nicht irre, war es die Station Smorgon, fand ich gegen dreißig jüdische Handwerker beschäftigt: Zimmerleute, Tischler, Stubenmaler und andere. Dort war, wie es schien, ein neuer Flügel dem Stationshaus angebaut und eingerichtet worden. Ich ließ mich mit den Leuten in ein Gespräch ein,, fragte nach diesem und jenem und war Ohrenzeuge, wie die Leute eine Art Strike beabsichtigten. Der Arbeitslohn war ein sehr geringer. Morgen hieß es, fordern wir mehr und will man.uns Nichts zulegen, so kündigen wir und gehen die andere Woche nach Minsk, dort verdient man 10 bis 12 Rubel wöchentlich." Auch in Minsk fand er auf den Brandstätten nur jüdische Arbeiter und Handwerker beschäftigt, wegzuräumen und neu aufzubauen. Man wird wohl nun von antisemitischer und sogenannter unparteiischer Seite her den Borwurf aufgeben müssen, daß die Juden für schwere Arbeiten und Handwerke keinen Willen und kein Geschick hätten. Ebenso würden sicherlich die Juden den Ackerbau betrieben haben und betreiben, wenn man es ihnen früher gestattet hätte sowie man in Polen ihnen das Handwerk seit Jahrhunderten gestattet hatte. Eine große Gemeinschaft, die man in gewisse Berufe und Thätigkeiten ein Jahrtausend hineingezwängt hatte, kommt nur langsam aus denselben Heraus, nachdem ihr die Freiheit gewährt worden. Deutschland. Leipzig, 15. Januar. (Privatmitth.) Daß Alles, was innerhalb Deutschland zur Bekämpfung des in der letzten Zeit künstlich geweckten Geistes der Intoleranz und des Klassenhaders und zur Herstellung des nationalen und religiösen Friedens dienen kann, unsre Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist selbstverständlich. Wir weisen deshalb auch mit aufrichtiger Befriedigung auf die Nummer 2 und 3 der hier bei Klinkhardt unter der Redaktion des Schuldirektors Kleinert in Dresden erscheinenden „Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung" (34. Jahrgang) hin. Das Blatt nimmt eine ehrenvolle und einflußreiche Stellung in der deutschen Lehrerwelt ein, und ist das Organ der deutschen Lehrerversammlungen und des deutschen Lehrer-Pensionsverbandes. Der Artikel ist betitelt: „Toleranz und Humanität in der Schule und im Leben". Es werden hier die idealsten Gesichtspunkte, festgehalten;'Toleranz ist nur das negative, Humanität das positive Moment und die Schule ist berufen und verpflichtet, diese der Jugend so einzuflößen, daß sie im Leben nimmer davon' abkömmt. Sicherlich hat die Lehrerzeitung hiermit den richtigen Punkt getroffen; denn das Unglück ist es, daß in einer großen Masse Schulen der confessionelle Religionsunterricht von den Lehrern benutzt wird, um Haß und Zwietracht in die Kindesseelen zu säen, indem sie glauben, hiermit der eigenen Cönfession eine scharfe Waffe gegen die andere geschmiedet zu haben. Die Folgen eines solchen Einflusses, einer solchen Erziehungsweise bleiben denn auch in Deutschland nicht aus, und gewiß nicht am meisten zum Schaden der Juden. Möchten die aufgeklärten und für das wahre Wohl der deutschen Nätion begeisterten Führer der Lehrerwelt niemals ermüden, ihre Stimmen nach dieser Richtung hin zu erheben! Berlin,, 19. Jan. Die im Jahre 1813 gegründete „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im Preußischen Staate" hielt am Sonntag Mittag im Saale der „Gesellschaft der Freunde" (Neue Friedrichstraße No. 35) unter sehr zahlreicher Betheiligung ihre Generalversammlung ab. Man bemerkte in der Versammlung den Abg. Ludwig Löwe, den früheren Abg. >vr. Mendel, Stadtrath Wolfs m A. Der Vorsitzende, Kaufmann S. I. Semon, eröffnete die Versammlung, indem er des Ablebens der langjährigen Vereinsmitglieder, des Commerzien-Rath Adolph Meyer und des Hofkunstschlosser-Meister. Arn h eim gedachte.- Letzterer habe nicht nur eine lange Reihe von Jahren dem Vorstande angehört, sondern sei auch Zögling des Vereins gewesen, indem er unter feiner Hilfe und Aufsicht das Schlosferhandwerk erlernt habe. In der Zeit vom 1. April 1875 bis 31. Dezember 1881 hat der Verein 110 Zöglinge unterhalten, welche bei. hiesigen Meistern ein Handwerk erlernten. _ 18 von diesen Zöglingen haben die Lehrzeit nicht beendigt, 52 sind Gesellen geworden und 40 sind noch Pfleglinge des Vereins. Außer-

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