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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-01-31 · Heft 5 (31.1.1882) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 5 (31.1.1882)
Date
1882-01-31
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 daß — war es Zufall, war es Absicht? — ein Platz nach dem anderen sich um ihn leerte und Herr Stöcker schließlich allein und isolirt auf seinem Platze saß." Die „Köln. Zeitung" urtheilt: „Die Art und Weise, wie der Abg. Stöcker die Proteste gegen die Wahl Löwe's vertrat und dabei von diesem und' dem Abg. Richter (Hagen) nachdrücklich zurecht gewiesen wurde, hat denn doch ziemlich auf allen Seiten des Hauses gleich unvortheilhaft für Herrn Stöcker gewirkt, dessen pathetische Haltung wiederholt schallendes Gelächter hervorrief." So ist denn die Hoffnung einer gewissen Partei, in Stöcker eine mächtige Stütze, einen gewaltigen Vorkämpfer zu erhalten, in das gerade Gegentheil umgeschlagen. Es würden außerordentliche Ereignisse nothwendig sein, wenn Herr Stöcker sich von dieser Niederlage wieder aufrichten - sollte. Wer das Organ Stöckels, - den „Reichsboten", über die Vorgänge in dieser Sitzung liest, gewahrt, daß er und seine Anhänger die größte Niedergeschlagenheit empfinden, und bestätigen sie so durch ihren desfallsigen Jammerruf die schwere Niederlage, die sie erlitten haben. Ein anderer Beweis liegt auch darin, daß sich die „Schlesische Zeitung" von ihrem bisherigen Schutzheiligen, Herrn Stöcker, lossagt. Sie sagt, man habe erwartet, daß Stöcker in der bekannten Reichstägssitzung die antifortschrittliche Bewegung in Berlin „in einem gewissen großen Stile" vertheidigen werde. Das sei aber durchaus nicht der Fall gewesen, im Gegentheil, er habe sich auf ganz kleinliche Geschichten eingelassen und sei auch bei dieser Gelegenheit seinem ihm auf dem Fuße folgenden Geschicke nicht entgangen, „sich in seinem ewigen Berichtigungseifer in kleine Widersprüche zu verstricken." Londoner Sriefe. I. London im Januar. Endlich beginnt die öffentliche Meinung hier zu Gunsten unserer verfolgten Brüder sich zu regen. Die letzten Vorfälle in Warschau haben unsere säumigen Glaubensgenossen zur Thal aufgeweckt und auch in christlichen Herzen Gefühle des Mitleids hervorgerufen. Das „Russo-Jewish Committee“ hat ihren Bericht über die Verfolgungen veröffentlicht, und die englische Presse, die conservative noch mehr als die liberale, thut ihr Mögliches, Licht über die Lage der russischen Juden zu verbreiten. Ein sehr schätzenswerther Brief des Rev. A. L. Green in'der „Times“ scheint den besten Erfolg gehabt zu ha^n, da die hohe Geistlichkeit, deren Einfluß hier sehr groß ist, aus ihrer bisherigen Reserve herauszutreten anfängt." Der Erzbischof von Canterbury, Cardinal Manning, Earl of Shaftesbury, der Dechant von Westminster und Canonicus Farrer und Liddon, alles Männer höchsten Ranges in unserer Gesellschaft, bildeten ein Comite, dessen Aufgabe es ist, in Großbritannien Entrüstungsmeetings gegen die Judenverfolgungen zu organisiren, wie auch Gelder für den Emigrationsfond zu sammeln. In einem „Schreiben an das Großbritannische und Irländische Volk" fragt Lord Shaftesbury, ob es noch weiter in der brennenden Judenfrage Schweigen beobachten will, ob es ruhig dastehen und gar keine Aetion entfalten will, angesichts dieser Brutalität, wie sie wahrscheinlich seit der Zerstörung Jerusalems ähnlich nicht vorgekommen ist. Lord Shaftesbury bezweifelt, ob auf diplomatischem Wege hier etwas gethan werden kann und fordert destomehr das große, freie englische Volk auf, feine Stimme bis zum Throne des Czaren zu erheben. Der Bischof von Oxford sagt in Beantwortung dieses Aufrufs: „Das englische Volk wünscht nicht Schweigen fortzusetzen angesichts solcher Grausamkeiten, wie sie täglich und stündlich von Unterthanen des Czaren gegen die Juden verübt werden." Als einer, der einen öffentlichen Antheil an dem. Proteste „gegen die durch die Türken in Bulgarien verübte Barbarei" gehabt, gesteht der Bischof, daß, im Gegensatz zu seiner früheren Ansicht, er jetzt überzeugt sei, daß die Russen eben so schlecht sind, wie die Türken damals geschildert wurden. In einem Leitartikel bespricht der Daily Telegraph die Lage der Juden Rußlands, und fordert die Regierung auf, schleunige Schritte behufs Erlangung einer besseren Situation zu thun.- Nach einer treuen und warmen Schilderung der von den Juden ausgestandenen Leiden fährt der D. T. fort: „Rußland scheint sich dessen nicht bewußt zu sein, daß in der Judenverfolgung es seinen eignen nationalen Fortschritt verspäte, und sich für .die Zukunft Unannehmlichkeiten aufbewahrt. Rußland thut jetzt, was Spanien gethan hat und ein ähnliches Schicksal kann das seine sein. Die russischen Juden zählen mehr denn 3 Millionen und bilden eine brave, fleißige, thätige und gesetzliebende Gemeinschaft. Sie beschäftigen sich Mit Ackerbau, Handwerk und Handel, und wenn sie mit all ihrem Talent, ihrer Energie und ihrem Eapital das Land verlassen sollten, es würde um ein Jahrhundert zurückgeworfen werden. Die Judenfeinde beklagen sich über deren Erfolg, wofür sie von Haus und Hof verjagt werden, um auf den Straßen zu verkommen, während die kaiserliche Regierung ihnen andererseits verbietet, das Land zu verlassen. Ein practischer Menschenschlag, wie die Inden nun einmal sind, müssen sie ihre Gedanken und ihre Schritte von einem Lande wegwenden, wo ihre Söhne erschossen, ihre Töchter entehrt werden von einem brutalen Mob und einer noch brutaleren Soldaleska. Das jüdische Volk in aller Herren Ländern sammelt Beiträge zur.Unterstützung dckr Auswanderer. Wenn der Czar verweigert, einem Volke das Bürgerrecht und den . . ö* .

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